Die Lieder der Germania sind Verhetzung

    Kommentar der anderen28. Jänner 2018, 18:32
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    In den Texten geht es nicht um "Jux" oder "Spott", sondern um Nazipropaganda

    Die im Liederbuch der Germania enthaltenen Barbareien sind durch nichts zu relativieren. Angeblich soll – wie vom Verfasser der Abhandlung "Das Waffenstudententum in Vergangenheit und Gegenwart", Andreas Mölzer, im Radio zu hören war – es sich bei solchen Versen bzw. Liedern schlagender Verbindungen um "Jux" oder "Spott" handeln. Nichts an diesen bekannt gewordenen Versen der Germania ist "Spott" oder "Jux". Sie verherrlichen den Massenmord und rufen zum Massenmord auf. Das sind nicht die Gesänge alter Nazis, es sind die Lieder neuer Nazi-Generationen.

    Es gibt keine harmlose Begründung, die die Existenz dieser Lieder in einem Studentenliederbuch erklären könnte. Literarisch-musikalische Werke wie die der Germania verstoßen nicht nur gegen das Wiederbetätigungsverbot, sie sind Verhetzung.

    Es gibt keinen Alleinverantwortlichen für sie, wie er angeblich gefunden wurde und sich den Behörden stellt. Das sind die Lieder einer schlagenden Verbindung und ihrer Vertreter. Diese sind die dafür rechtlich Verantwortlichen zu ungeteilter Hand und haben als solche die Konsequenzen zu tragen.

    Deckmantel der Freiheit

    Ihr Zweck ist, rechtsextremes Gedankengut an nächste Generationen weiterzugeben, ihre Funktion ist, das Denken in den Verbindungen in dieser Hinsicht zu "schulen", sie sollen, wann und wo immer das möglich ist, gesungen werden. Wir fürchten, unter dem Deckmantel der Freiheit der Kunst, ein Einschleichen dieses Liedergutes und jener Gedanken, unter deren Herrschaft so viele unserer Vorgänger einen hohen Preis bezahlt haben.

    Wir sehen es nicht nur als eine zentrale gesellschaftspolitische, sondern auch als eine zentrale kulturpolitische Aufgabe an, dieser Unterwanderung der Gesellschaft im Mantel literarisch-musikalischer Werke mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten und deren Absichten offenzulegen. Solche Lieder und Verse wie die der Germania verfolgen keinerlei künstlerische Absicht, sie dienen allein dem ideologischen Zweck der Wiederbelebung und Durchsetzung nationalsozialistischen Gedankenguts, kurzum, sie sind neonationalsozialistische Propaganda.

    Mehr als 100 Schriftsteller und Künstler haben diese Erklärung am Sonntag in der Causa Landbauer abgegeben. Unterzeichnet haben unter anderem:

    Ruth Beckermann

    Reinhold Bilgeri

    Arno Geiger

    Michael Heltau

    Hubert von Goisern

    Elfriede Jelinek

    Erni Mangold

    Peter Matic

    Gerhard Ruiss

    Robert Schindel

    Peter Weibel

    Erwin Wurm

    (29.1.2018)

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      foto: privat
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