Recht auf Reparatur: Washington könnte fix verbaute Akkus verbieten

28. Jänner 2018, 14:05
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Gesetzesvorschlag im Bundesstaat schafft erste Abstimmung in Fachkomitee – IT-Firmen kritisieren Vorhaben

Lange galten sie als ein Merkmal, das hauptsächlich Apples iPhones zugeschrieben wurde. Mittlerweile sind sie aber auch bei Android-Smartphones Gang und Gebe – und zwar in allen Preisklassen: fix verbaute Akkus.

Dass bei vielen Mobilgeräten die Energiespeicher vom Nutzer nicht mehr einfach selber gewechselt werden können, wenn dieser nicht gewisse Bastelfähigkeiten mitbringt und auf seine Garantie verzichten will, stößt Konsumenten- und Umweltschützern schon länger übel auf. Die jüngste Aufregung rund um Apples Vorgehen, die Leistung seiner Smartphones zu drosseln, wenn der Akku älter wird, hat die Problematik wieder ins Licht gerückt.

Gesetz in Washington nimmt erste Hürde

In den USA wird in mehreren Bundesstaaten ein "Recht auf Reparatur" überlegt. In Washington könnte ein solches bereits Anfang 2019 eingeführt werden. Eine entsprechende Gesetzesvorlage hat mittlerweile die ersten Hürden genommen und sieht auch ein Verbot von nicht austauschbaren Akkus vor, berichtet Motherboard.

Die House Bill 2279 wurde bereits im vergangenen Dezember eingereicht. Verfasst wurde sie hauptsächlich von demokratischen Abgeordneten, jedoch unterstützen auch zwei Republikaner offiziell das Vorhaben. Anfang des Jahres wurde die Vorlage an das Komitee für Technologie- und Wirtschaftsentwicklung weitergeleitet, wo am 9. Jänner eine erste öffentliche Anhörung dazu abgehalten wurde.

Am 24. Jänner versammelte sich in einer Komitee-Abstimmung eine qualifizierte Mehrheit hinter der Vorlage. Nach einer weiteren legislativen Prüfung sollte es nun auf die Agenda des Washingtoner Repräsentantenhauses gesetzt und dort abgestimmt werden. Anschließend müsste noch der Senat des Bundesstaates darüber befinden, ehe der Gouverneur es mit seiner Unterschrift in geltendes Recht umsetzt.

IT-Größen lobbyieren dagegen

Weitere Teil des Vorstoßes für ein "Recht auf Reparatur" umfassen auch die Bereitstellung von Diagnose- und Reparaturhandbüchern sowie den Verkauf von Ersatzteilen an Endkunden. Auch der Verband "Repair", dem unabhängige Reparaturdienste angehören, engagiert sich massiv für derartige Rechtsänderungen. Denn dort sieht man die eigenen Einnahmequellen durch zunehmende Monopolisierung des Reparaturgeschäfts bedroht. Apple hat erst vor einem Jahr die Preise für iPhone-Reparaturen deutlich erhöht.

Einige IT-Konzerne, darunter auch Apple, sollen von der Gesetzesinitiative ganz und gar nicht begeistert sein und dagegen lobbyieren. In Anhörungen wurden etwa auch Gefahren vorgebracht, die Kunden bei eigenhändigen Instandsetzungsmaßnahmen drohten – beispielsweise Verletzungen durch splitterndes Displayglas oder explodierende Akkus. (red, 28.1.2018)

  • Das iPhone X lässt sich reparieren, dem durchschnittliche Nutzer ist solche Bastelei allerdings kaum zuzumuten.
    foto: ifixit

    Das iPhone X lässt sich reparieren, dem durchschnittliche Nutzer ist solche Bastelei allerdings kaum zuzumuten.

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