Proteste in Honduras gegen Amtseinführung von Präsident Hernandez

27. Jänner 2018, 20:58
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Polizei ging mit Tränengas gegen Demonstranten vor

Tegucigalpa – Nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Honduras will Staatschef Juan Orlando Hernández das Land wieder einen. "Ich verpflichte mich dazu, einen Prozess der Versöhnung zwischen den Honduranern einzuleiten", sagte 49-Jährige am Samstag bei seiner Vereidigung im Nationalstadion von Tegucigalpa. "Wir müssen wie Brüder darüber sprechen, wie es zu den Meinungsverschiedenheiten kommen konnte."

Anhänger der Opposition protestierten in den Straßen der Hauptstadt unterdessen gegen die Regierung. Demonstranten steckten Reifen in Brand und schleuderten Steine auf die Polizei. Die Beamten feuerten Tränengas in die Menge und setzen Wasserwerfer ein.

Der Konservative Hernández hatte sich bei der Wahl im November nur äußerst knapp gegen seinen Herausforderer Salvador Nasralla durchgesetzt. Die Opposition erkennt das Ergebnis bis heute nicht an und wirft der Regierung Wahlfälschung vor. Bei Protesten kamen mehr als 20 Menschen ums Leben.

Militäreinsatz

Die Vereidigung fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Polizisten und Soldaten hatten das Stadion abgeriegelt. Am Freitag war die Polizei mit Tränengas gegen Nasrallas Anhänger vorgegangen, die mit hunderten Autos und Motorrädern durch Tegucigalpa fuhren und mit Hupkonzerten gegen Hernández' umstrittene Wiederwahl demonstrierten. "Weg mit JOH", riefen die Demonstranten, die die Initialen des Präsidenten skandierten.

"Wir fordern von niemandem, seine Überzeugungen aufzugeben", sagte Hernández. "Aber die Rechte der anderen müssen respektiert werden. Nichts rechtfertigt Gewalt. Es ist nicht rechtens, Angst zu schüren und das Bild von Honduras zu schädigen."

Honduras steuere auf einen "Volksaufstand zu", warnte Ex-Präsident Manuel Zelaya, der Koordinator der linksgerichteten Oppositionsallianz. "Wir sind bereit dafür zu kämpfen, dass der Wille des Volkes durchgesetzt wird", fügte Zelaya hinzu.

Umstrittene Wahl

Die Wahlbehörden hatten Hernández zum Sieger der Präsidentschaftswahl von Ende November erklärt. Die Stimmenauszählung hatte sich über drei Wochen hingezogen und war mehrfach unterbrochen worden. Kritiker sprachen daraufhin von Wahlbetrug. Auch die Beobachtermission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sprach in ihrem Abschlussbericht von Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. Zahlreiche Regierungen haben das Ergebnis mittlerweile aber anerkannt.

Es war das erste Mal in der jüngeren Geschichte, dass ein Präsident in Honduras im Amt bestätigt wurde. Erst der Oberste Gerichtshof machte den Weg für die Wiederwahl des Staatschefs in dem mittelamerikanischen Land frei, die eigentlich in der Verfassung nicht vorgesehen ist.

Hernández steht nun vor einer Mammutaufgabe. Neben der tiefen Spaltung der Gesellschaft hat das mittelamerikanische Land mit einer ganzen Reihe weiterer Probleme zu kämpfen. Honduras leidet unter ausufernder Gewalt und Kriminalität. Die mächtigen Jugendbanden – so genannten Maras – sind in Drogenhandel und Schutzgelderpressung verwickelt und beherrschen ganze Stadtteile.

Zudem prägen Korruption, Menschenrechtsverletzungen und Armut das Leben vieler Honduraner. 60,9 Prozent der Menschen gelten als arm und 38,4 Prozent der Bevölkerung leben sogar in extremer Armut. Das Bildungssystem gilt als eines der schlechtesten in Mittelamerika.

In seiner Antrittsrede versprach Hernández, in den kommenden vier Jahren die drängendsten Probleme des Landes anzugehen. "Ich bin ein Mann der Arbeit und der Resultate", sagte er. "Wir werden ein neues Honduras aufbauen." (APA, dpa, 27.1.2018)

  • Tränengaseinsatz in Tegucigalpa
    foto: ap/eduardo verdugo

    Tränengaseinsatz in Tegucigalpa

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