Arbeitsmarkt: Was für Ältere getan wird

    28. Jänner 2018, 10:00
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    Stereotype Bilder, weniger Weiterbildung, beunruhigend hohe Arbeitslosigkeit: Ein Blick auf die Maßnahmen für 50+

    Viele Unternehmen wünschen sich männliche Mitarbeiter zwischen 25 und 50 Jahren, die keine gesundheitlichen Probleme haben, Inländer sind und noch nicht zu lange arbeitslos. Von den gut 400.000 Arbeitssuchenden trafen diese Attribute im letzten Sommer auf acht Prozent zu", sagt AMS-Chef Johannes Kopf.

    Neben der Einstellung gegenüber älteren Arbeitnehmern sind drei Hebel wirkungsvoll, um die Chancen dieser Altersgruppe am Arbeitsmarkt zu verbessern. Denn auch wenn sich der Arbeitsmarkt erholt, können Personen über 50 davon nicht im gleichen Ausmaß profitieren wie Jüngere. Bei den Zahlen sei aber Vorsicht geboten, sagt Kopf. Denn durch den demografischen Wandel werde diese Altersgruppe immer größer. Werden die absoluten Zahlen der arbeitssuchenden oder in Schulung befindlichen Personen betrachtet, so zeigt sich Ende Dezember ein Rückgang von knapp zwei Prozent in der Altersgruppe 50 plus, allgemein sank die Zahl um 5,9 Prozent.

    Neu lernen?

    "Verstärkt in Qualifizierungsmaßnahmen zu investieren ist ganz wichtig", sagt der AMS-Chef. Bei der Qualifizierungsmaßnahme für Arbeitssuchende werde sehr genau geschaut, was die jeweilige Person brauchen könnte. Komplette Umschulungen seien in dieser Altersgruppe aber selten, heißt es vom AMS Wien. Es sei denn, der Betroffene zeichne sich durch Bildungsnähe aus. Aber in den meisten Fällen hätten die Betroffenen sehr großen Respekt davor, umfangreiche neue Sachen zu lernen. Unter dem Titel "Kompetenz mit System" werde geschaut, was die Person bisher gemacht hat und welche Qualifizierungen passen würden. Und so können Betroffene mit drei Modulen einen Lehrabschluss machen. Gleich mit Qualifizierungsvorschlägen zu kommen lohne sich.

    Um auch nach längerer Bildungspause die richtige Weiterbildung zu finden, stehen die Bildungsberatungen zur Verfügung. Möglichst niederschwellig sollen sich interessierte Personen über Bildungsangebote informieren können. Die Zielgruppe 50 plus ist aber nur schwer erreichbar. In Wien wurden in den ersten drei Quartalen 2017 insgesamt knapp 15.000 Beratungen durchgeführt, nur gut zwei Prozent fallen in die Altersgruppe 55 plus. Mit Kurzworkshops zu Themen wie "Entdeck' was in dir steckt!" oder "Ich bin unzufrieden in meinem Job! Wie kann ich meine berufliche Situation verändern?" sollen erste Hürden genommen werden.

    Weniger Weiterbildung

    Denn mit zunehmendem Alter nehmen die Weiterbildungsaktivitäten ab. Die Analyse "Education at a Glance" (2015) zeigt, dass sich rund 14 Prozent der Personen zwischen 25 Jahren und 64 Jahren weitergebildet haben. In der Altersgruppe 55 plus sind es nur 4,7 Prozent, die an einem Kurs oder einer Schulung teilgenommen haben. Auch Unternehmen investieren in die Weiterbildung der älteren Mitarbeiter weniger. Frauen sind hier nochmals benachteiligt.

    "Wir müssen schauen, dass sich Arbeitslosigkeit nicht verfestigt", sagt Kopf. "Denn wenn jemand schon länger als ein Jahr arbeitslos ist, dann hilft oftmals auch eine Qualifizierungsmaßnahme nicht mehr. Und zwar deshalb, weil Unternehmen nicht gerne Bewerberinnen und Bewerber einstellen, die vorher schon lange arbeitslos waren."

    Präventive Arbeitsmarktpolitik ist daher ein wichtiger Ansatzpunkt. So gibt es vom AMS beispielsweise auch Qualifizierungsförderungen für Beschäftigte. Voraussetzung ist, dass die Schulungen auch den sonst bei betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen Benachteiligten zugutekommt. Dann übernimmt das AMS bis zur Hälfte die Qualifizierungskosten, wenn die Weiterbildung länger als drei Tage dauert, auch bis zur Hälfte die Personalkosten. Betriebsberatungen durch erfahrene Unternehmensberater zu Themen wie dem Umgang mit einer älter werdenden Belegschaft oder Fachkräftemangel werden vom AMS ebenfalls angeboten.

    Senioritästsprinzip schreckt ab

    Aber auch das Senioritätsprinzip zu adaptieren, durch das die Gehälter mit zunehmenden Alter stark steigen, wäre ein Ansatzhebel für verbesserte Chancen der Altersgruppe 50 plus am Arbeitsmarkt. Bereits vor vier Jahren hat Kopf den Vorschlag gemacht, durch eine Absenkung bzw. Erhöhung der Pensionsbeiträge zwischen jungen Arbeitnehmern und älteren einen Ausgleich zu schaffen.

    Daneben gibt es für Betriebe auch eine Eingliederungsbeihilfe, bei der bis zu 50 Prozent der Lohn- und Lohnnebenkosten für maximal ein Jahr vom AMS übernommen werden. "Gerade in Zeiten einer schwachen Konjunktur war das eine interessante Förderung", sagt Kopf. (ost, 28.1.2018)

    • Die demografische Kurve bringt mehr Menschen 50+ – wenn die Entwicklung so weiter geht, dann ist die Gefahr groß, dass Arbeitslosigkeit sich in dieser Altersgruppe verfestigt.
      foto: apa

      Die demografische Kurve bringt mehr Menschen 50+ – wenn die Entwicklung so weiter geht, dann ist die Gefahr groß, dass Arbeitslosigkeit sich in dieser Altersgruppe verfestigt.

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