Benachteiligte Wohngebiete rufen häufiger Notärzte

    27. Jänner 2018, 06:00
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    Forscher entdeckten, dass sozial schwache Stadtteile häufiger Notarztdienste in Anspruch nehmen. Schlaganfälle sind häufig ein Grund dafür

    Wissenschafter des Klinikums der Ruhr-Universität Bochum (RUB) sowie des Robert-Koch-Instituts haben in einer Studie den Zusammenhang zwischen Notarzteinsätzen und Wohnvierteln untersucht. Erfasst wurden sämtliche 16.767 Notarzteinsätze der Stadt Bochum in den Jahren 2014 und 2015.

    Um eine Zuordnung zur Wohnumgebung und der dort herrschenden wirtschaftlichen Situation herzustellen, konzentrierten sich die Forscher anschließend auf jene 12.198 Fälle, in denen der Ort des Notarzteinsatzes dem Wohnort des Patienten entsprach. Die Ergebnisse der Studie sind im Deutschen Ärzteblatt erschienen.

    Besonders aussagefähig sind bei diesen Einsätzen Herz- und Lungenerkrankungen sowie Schlaganfälle. "Es zeigte sich, dass die notärztliche Einsatzrate in sozial benachteiligten Stadtteilen signifikant erhöht ist. Hier wird eine gesamtgesellschaftliche Problematik erkennbar, die bei der Rettungsdienstorganisation konkret berücksichtigt werden sollte", resümiert Christoph Hanefeld, Direkter der Inneren Medizin im St. Elisabeth Hospital Bochum, der die Studie leitete.

    Zahl der Rettungsdiensteinsätze gestiegen

    Studien, die den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Notarzteinsätzen und wirtschaftlichen Bedingungen zum Inhalt hatten, gab es in den vergangenen zehn Jahren nicht. In dieser Zeit hat die Zahl der Rettungsdiensteinsätze in Deutschland stark zugenommen.

    "Ich bin überrascht, wie extrem eng dieser Zusammenhang ist", betont Hans-Joachim Trampisch, Leiter der Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie.

    "Akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ein häufiger Grund für Notarzteinsätze. Es muss unbedingt weiter erforscht werden, warum sie in sozial benachteiligten Gebieten so viel häufiger vorkommen und wie sich dies verbessern lässt", betont Andreas Mügge, Direktor der Kardiologischen Klinik im St. Josef-Hospital, Klinikum der RUB.

    Negative Folgen der Arbeitslosigkeit

    Mutmaßungen über die Gründe für die häufigen Notarzteinsätze in Vierteln mit hoher Arbeitslosigkeit stellt Thomas Lampert, Leiter des Fachgebietes Soziale Determinanten der Gesundheit am Robert-Koch-Institut, an. "Arbeitslosigkeit verursacht Stress und Zukunftsängste. Sie geht mit einem ungesünderen Gesundheitsverhalten einher, was sich zum Beispiel in Bezug auf den Tabak- und Alkoholkonsum, die Ernährungsweise und die körperliche Aktivität zeigt. Dem entspricht ein etwa zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für Krankheiten und Gesundheitsbeschwerden. Dies gilt auch und gerade für Krankheiten, die Notarzteinsätze erforderlich machen", so Lampert. (red, 27.1.2018)

    • Die Zahl der Rettungsdienste stieg in den letzten zehn Jahren stark an. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ein häufiger Grund für solche Einsätze.
      foto: apa/dpa/friso gentsch

      Die Zahl der Rettungsdienste stieg in den letzten zehn Jahren stark an. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ein häufiger Grund für solche Einsätze.

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