Geo-Engineering hätte indirekt katastrophale Folgen für die Erde

    27. Jänner 2018, 18:00
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    Künstliche Gegenmaßnahmen gegen den Klimawandel seien laut einer aktuellen Studie keine vernünftige Alternative

    New Brunswick – Bislang zeigen die globalen Bemühungen, die Ursachen für die Klimaerwärmung einzudämmen, wenig Wirkung: Die jährlich ausgestoßenen CO2-Mengen werden kaum weniger, dafür steigen die weltweiten Durchschnittstemperaturen. Eine Möglichkeit, den Auswirkungen des Klimawandels Herr zu werden, sehen manche Forscher im Geo-Engineering. Doch ein solcher umfassender Eingriff in das Klimageschehen hätte dramatische Folgen, wie nun US-Wissenschafter berichten.

    Eine Methode wäre etwa, die Ozean mit Eisen zu düngen, um das Algenwachstum anzukurbeln. Das sollte zumindest auf dem Papier größere Mengen an Kohlendioxid aus der Atmosphäre holen. Doch mittlerweile haben Studien ergeben, dass der Nutzen dieser großflächigen Düngung eher gering wäre: Nur einen geringen Teil des CO2 würde sich damit entfernen lassen.

    Schwefeldioxid zur Wolkenbildung

    Erfolgreicher wäre da unter Umständen das Schwefeldioxid-Verfahren. Die Substanz würde in höheren Atmosphärenschichten für dichte Wolken sorgen, die die Sonneneinstrahlung reflektiert und unseren Planeten dadurch abkühlt. Ein ähnlicher Effekt sorgte 1816 für das "Jahr ohne Sommer": Im Jahr davor war der Vulkan Tambora auf der Insel Sumbawa im heutigen Indonesien ausgebrochen und hat für einen vulkanischen Winter gesorgt.

    Um etwas Derartiges künstlich hervorzurufen, seien allerdings größere Anstrengungen erforderlich, meint nun ein Team um Alan Robock von der Rutgers University in New Brunswick (New Jersey). Weil der Effekt nur höchstens ein Jahr anhält, müssten demnach ständig Flugzeuge kreisen, um das Schwefeldioxid zu versprühen.

    Ein Grad Celsius weniger

    Die Forscher simulierten für ihre Studie im Fachjournal "Nature Ecology & Evolution" ein Szenario, bei dem Flugzeuge zwischen 2020 und 2070 jährlich fünf Millionen Tonnen Schwefeldioxid in der oberen Atmosphäre über dem Äquator ausbringen, was zu einer gleichmäßigen Verteilung der Substanz über die Nord- und Südhemisphäre führen würde. Die Berechnungen ergaben, dass dies tatsächlich einen kühlenden Effekt hätte und die weltweiten Durchschnittstemperaturen um etwa ein Grad Celsius absenken könnte. Welche Folgen das regional für die Tier und Pflanzenwelt hätte, sei allerdings unklar.

    Das größte Problem an dieser Methode sei laut Robock allerdings ein anderes: Einmal damit begonnen, dürfe man mit der Verteilung des Schwefeldioxids nicht mehr aufhören. Ein plötzlicher Stopp hätte nämlich zur Folge, dass globale klimatische Veränderungen bis zu zehn Mal schneller ablaufen würden, um wieder in den Ursprungszustand zu gelangen.

    Bedrohung für die Ökosysteme

    Eine solche rasend schnelle Klimaveränderung hätte unabsehbare Konsequenzen für die Ökosysteme. "Eine schnelle Erwärmung nach Beendigung des Geo-Engineerings wäre eine große Bedrohung für die Natur und die Artenvielfalt", meint Robock. Damit sollte klar sein, dass ein solcher "Plan B" als Maßnahme gegen den Klimawandel nicht in Frage käme, so die Wissenschafter. (tberg, 27.1.2018)

    • Das Versprühen von Schwefeldioxid hätte zwar einen kühlenden Effekt, ein plötzlicher Stopp dieser Geo-Engineering-Methode wäre allerdings fatal.
      foto: reuters/toby melville

      Das Versprühen von Schwefeldioxid hätte zwar einen kühlenden Effekt, ein plötzlicher Stopp dieser Geo-Engineering-Methode wäre allerdings fatal.

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