Riesensperrzone rund um Wiener Akademikerball

    26. Jänner 2018, 14:04
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    Die Polizei leitet Demos gegen die FPÖ-Veranstaltung zum Karlsplatz um. Der Verkehr in der Innenstadt wird ab Freitagnachmittag lahmgelegt

    Wien – Mit viel Fantasie sehen die Umrisse der diesjährige Sperrzone anlässlich des freiheitlichen Akademikerballs aus wie ein Slimer-Monster aus den "Ghostbusters"-Filmen. Monströs sind auch die Ausmaße des von der Polizei verhängten Platzverbots, das am Freitag um 17 Uhr in Kraft tritt und praktisch den gesamten Innenstadtverkehr lahmlegen wird.

    Die Hofburg, wo der umstrittene Ball stattfindet, wurde weiträumig wie noch nie zuvor abgeriegelt. Nicht nur der gesamte Heldenplatz ist gesperrt, auch ein Teil des Maria-Theresien-Platzes zwischen Naturhistorischem und Kunsthistorischem Museum sowie die Ringstraße vom Burgring bis fast zum Schwarzenbergplatz sind No-go-Zone.

    Route angepasst

    Damit sind Veranstalter der Gegendemos gezwungen, Routen anzupassen. Die Hauptkundgebung startet bei der Universität und führt zum Girardipark am Karlsplatz. Demos und Ball sind somit immer weiter als einen Steinwurf voneinander entfernt. Wie DER STANDARD berichtete, rechnet der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl heuer mit einer "verstärkten Gewaltbereitschaft" auf der Straße und hat deshalb ein Rekordaufgebot von 3.000 Polizisten beordert. Der Staatsschutz habe in linksradikalen Netzwerken Hinweise darauf gefunden, dass ausländische Demogäste für Wien rekrutiert werden.

    Vorwurf "Stimmungsmache"

    Die Offensive gegen rechts bezeichnet das als "Stimmungsmache der Wiener Polizei gegen die antifaschistische Demonstration". Als Veranstalter einer der Demos habe man keine diesbezügliche Anmeldung erhalten.

    der standard

    Auch die Ballveranstalter haben ihr Sicherheitskonzept verschärft. Die 2.500 Ballgäste müssen durch Metalldetektoren beim Eingang. Außerdem wurden in der Hofburg zusätzlich hochauflösende Kameras installiert sowie eine Gesichtserkennungssoftware gekauft. Ein Grund dafür dürfte die Ankündigung der linksaktivistischen, satirischen Burschenschaft Hysteria sein, für die "Mitternachtseinlage" zu sorgen. Zum Aufwärmen veranstaltete das Bündnis Jetzt Zeichen setzen am Donnerstag einen spärlich besuchten Flashmob vor dem Bundeskanzleramt, dessen Vizehausherr Heinz-Christian Strache (FPÖ) mehrfach sein Kommen zum blauen Ball angekündigt hat.

    Strache: Kein Platz für Antisemiten am Ball

    Die FPÖ will den Akademikerball, der als Treffpunkt Rechtsextremer seit Jahren heftig umstritten ist, zur einer Bühne gegen Antisemitismus machen. Für Antisemiten gebe es weder in der FPÖ noch am Akademikerball einen Platz, sagte Strache in einer Aussendung am Tag des Balls.

    "Die Verantwortung und das Gedenken an die Opfer des Holocaust sind uns Verpflichtung und Verantwortung in der Gegenwart und für kommende Generationen. Wer das anders sieht, soll aufstehen und gehen. Er ist bei uns nicht erwünscht", so Strache. Der Vizekanzler werde "dies im Rahmen seiner heutigen Eröffnungsrede am Akademikerball thematisieren und gerade im Vorfeld des morgigen Holocaust-Gedenktags klare und deutliche Worte finden", kündigte die FPÖ im Vorfeld an.

    Massive Verkehrseinschränkungen

    Rechtswalzer und Linksprotest werden ab Freitagnachmittag, 16 Uhr, für verkehrsfreie Stunden in der Innenstadt sowie im Bereich Augartenstraße und Augartenbrücke sorgen, weil dort ein Demozubringermarsch losgeht. Verkehrsbehinderungen und Umleitungen wird es aber auch auf den jeweiligen Ausweichrouten, etwa der Zweierlinie, Burggasse, Neustiftgasse, dem Rennweg, der Prinz-Eugen-Straße, im Raum Schwarzenbergplatz und Karlsplatz sowie auf einzelnen Straßenzügen in Brigittenau und der Leopoldstadt geben.

    Öffis werden umgeleitet oder kurz geführt. Betroffen sind laut Wiener Linien die Straßenbahnlinie 1, 2, 46, 49, 62, 71, D sowie die Buslinien 4A, 48A, 57A, 59A und 74A. Die Wiener Lokalbahn verkehrt nur zwischen Baden und Wolfganggasse. Die Polizei behält sich vor, U-Bahn-Stationen kurzfristig zu sperren.

    Linke Jäger rechter Geister haben am 3. Februar beim Burschenbundball in Linz ihren nächsten Einsatz. (simo, 26.1.2018)

    • Heuer schickt die Polizei 3.000 Beamte auf die Straße, um Ausschreitungen bei Demos gegen den FPÖ-Ball zu verhindern. Im Vorjahr, aus dem dieses Bild stammt, waren halb so viele Polizisten im Einsatz.
      foto: robert newald

      Heuer schickt die Polizei 3.000 Beamte auf die Straße, um Ausschreitungen bei Demos gegen den FPÖ-Ball zu verhindern. Im Vorjahr, aus dem dieses Bild stammt, waren halb so viele Polizisten im Einsatz.

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