Dreßen kann sich für Kitz-Sieg "nichts mehr kaufen"

25. Jänner 2018, 13:56
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DSV-Chefcoach: "Hoffe, dass wir in Garmisch zeigen können, was wir draufhaben" – Kampf mit Biathlon um Beliebtheit und Medienpräsenz – Sander "hätte das genauso verdient"

Garmisch-Partenkirchen – Für den Deutschen Ski-Verband (DSV) kommt die Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen an diesem Wochenende gerade richtig. Herren-Cheftrainer Mathias Berthold hofft, dass sich der Kitzbühel-Sieg von Thomas Dreßen auch beim Zuschaueraufkommen niederschlägt. Seiner Mannschaft sei noch vieles zuzutrauen, trotzdem müssten Dreßen und Co. "demütig und bescheiden" bleiben, mahnte der Vorarlberger.

Noch nie in seiner Amtszeit bei den DSV-Herren standen die deutschen Abfahrer beim Speed-Heimrennen so im Fokus wie dieses Jahr. Seitdem Dreßen am vergangenen Samstag als erst zweiter Deutscher in der Weltcup-Geschichte die Abfahrt in Kitz gewonnen hat, ist vieles anders. Der 24-Jährige aus Mittenwald erlebt neue Seiten seines Berufs. Medial ist Dreßen auf allen Plattformen vertreten, über sein Handy ging in den vergangenen Tagen eine Lawine von Nachrichten und Anfragen nieder.

Berthold machte klar, dass sich der Hoffnungsträger durch diese Erfahrungen aber nicht von seinem Job abbringen lassen dürfe. "Du musst demütig und bescheiden bleiben, es kommen schnell andere Tage", sagte der Ex-Trainer der ÖSV-Herren. "Wenn wir in Garmisch beim Training am Start stehen, kannst du dir für diesen Kitzbühel-Sieg nichts mehr kaufen. Du kannst das gute Gefühl mitnehmen, aber da kommt ein neuer Tag und da musst du dich aufs Neue beweisen."

Am Samstag (11.45 Uhr) geht im Zugspitzland die Kandahar-Abfahrt über die Bühne. Die Trainings finden am Donnerstag und Freitag statt. "Ich wünsche mir, dass viele Fans nach Garmisch kommen, da waren wir letztes Jahr nicht besonders gut. Ich hoffe, dass wir in Garmisch einmal zeigen können, was wir draufhaben", sprach Berthold.

Konkurrenz Biathlon

Er wünsche sich klarerweise ein volles Zielstadion, "aber das ist da auch immer so eine eigene Geschichte", meinte Berthold. "In Deutschland ist es echt sonderbar manchmal. Ich weiß noch, mit den Damen haben wir ja damals einen Rekord nach dem anderen gebrochen – mit der Maria Riesch, Viktoria Rebensburg war Olympiasiegerin, Kathrin Hölzl Weltmeisterin. Aber so richtig an Biathlon ran kommen wir trotzdem nicht."

Einen Popularitätsschub könnten freilich Medaillen bei den Olympischen Spielen bringen. Laut Berthold gibt es aber keine Vorgaben für Südkorea. "Wir rechnen uns gar nichts aus. Unsere Philosophie ist nicht auf Medaillen oder Platzierungen ausgerichtet, sondern wir versuchen gut skizufahren", sagte der Österreicher.

"Letzten Endes ist es so, dass Felix Neureuther und Stefan Luitz uns einfach fehlen, die können wir nicht ersetzen", stellte er auch klar. "Weil so lange die dabei waren, sind wir in jedem Rennen um den Sieg mitgefahren. Die sind nicht da, das tut mir extrem leid. Für uns auch, aber in erster Linie für die Jungs selbst."

Gerade vor diesem Hintergrund kommt Dreßens Erfolg eine besondere Bedeutung zu. "Ich weiß nicht, ob es entschädigt. Aber es ist im Sport auch so, dass man sich kurzzeitig mal benachteiligt fühlt durch äußere Umstände, wenn die zwei Besten fehlen", sagte DSV-Alpinchef Wolfgang Maier. "Es ist deshalb schon ein bisschen ein Ausgleich, für viele Arbeit, für den Lohn, den jeder gerne haben möchte, dass man dann schon ein Highlight hat."

Die Rolle des Außenseiters einmal abzustreifen, sei eine angenehme Abwechslung, räumte Maier ein. "Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir mussten uns jahrelang hinter den Österreichern anstellen und uns anhören, wie schlecht wir sind. Also tut es gar nicht so schlecht, wenn man mal jemanden hat, der auf Augenhöhe mitfahren kann."

Und Dreßen ist nicht alleine. Andreas Sander habe Berthold in Kitzbühel leidgetan, denn dessen sechster Platz sei nicht das Optimum gewesen. "Weil er jetzt trotz einer superguten Leistung komplett überstrahlt wird. Er war vergangenes Jahr das Zugpferd. Nach dem Ausfall von Tobias Stechert war der Andi immer der, der die Top-Zehn-Ergebnisse gefahren hat."

Sander sei auf der Streif um den Sieg mitgefahren, habe dann aber einen Schwung "versemmelt", sagte Berthold. "Ich war in dem Moment echt, bei aller Freude für den Thomas, ein bisschen niedergeschlagen, dass der Andi das nicht ins Ziel gebracht hat. Weil der Andi hat das genauso verdient." (APA, 25.1.2018)

Donnerstag-Ergebnisse vom Training für die Weltcup-Abfahrt der Herren in Garmisch-Partenkirchen:

1. Christof Innerhofer (ITA) 1:56,09 Min. – 2. Matteo Marsaglia (ITA) +0,42 Sek. – 3. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 0,89 – 4. Hannes Reichelt (AUT) 1,40 – 5. Vincent Kriechmayr (AUT) 1,67 – 6. Beat Feuz (SUI) 1,72 (mit Torfehler) – 7. Thomas Dreßen (GER) 1,79 – 8. Bryce Bennett (USA) 1,87 – 9. Brice Roger (FRA) 1,89 – 10. Peter Fill (AUT) 2,05 – 11. Frederic Berthold (AUT) 2,17

Weiter: 17. Christopher Neumayer 2,53 – 18. Daniel Danklmaier 2,57 – 30. Christian Walder 3,26 – 35. Max Franz 3,45 – 37. Romed Baumann 3,48 (mit Torfehler) – 42. Daniel Hemetsberger 3,87 – 44. Matthias Mayer 3,94 – 50. Johannes Kröll (alle AUT) 4,69

  • Nach dem Rennen ist vor dem Rennen: Thomas Dreßen am Start in Garmisch.
    foto: apa/dpa/jansen

    Nach dem Rennen ist vor dem Rennen: Thomas Dreßen am Start in Garmisch.

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