Babybauch in der Spitzenpolitik: Ein rares Bild

    25. Jänner 2018, 13:37
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    Ministerin Köstinger erwartet im Juli ihr erstes Kind. Die erste schwangere Ministerin war 2006 Justizministerin Gastinger

    Wien – Familienfreundlich ist die Arbeit in der Spitzenpolitik nicht gerade – wohl mit ein Grund, warum Babybäuche eher rar sind. Elisabeth Köstinger (ÖVP) ist dennoch nicht die Erste, die als Ministerin ein Kind erwartet – vorgemacht hat das 2006 die damalige BZÖ-Justizministerin Karin Gastinger. In Neuseeland sorgt gerade eine schwangere Premierministerin für eine entzückte Strickbewegung.

    Köstingers Kind soll im Juli zur Welt kommen, wie die Umwelt- und Landwirtschaftsministerin bekannt gab. Die 39-Jährige will nach der Geburt zu Beginn zuhause bleiben, dann soll ihr Lebensgefährte in Karenz gehen. Die erste schwangere Ministerin der Zweiten Republik war die BZÖ-Politikerin Karin Gastinger, die im Juli 2006 einen Sohn zur Welt brachte. Sie ließ kurz darauf auch ein Foto von ihr mit ihrem Baby veröffentlichen.

    Diskussion über Vereinbarkeit

    Als Eva Glawischnig im November 2005 ihre Schwangerschaft bekannt gab, reagierte das Land mit einer Diskussion über die Vereinbarkeit von Wahlkampf und Mutterschaft und die Vermarktung von Schwangerschaft. Die damalige stellvertretende Grünen-Chefin ließ sich hochschwanger für das Cover einer Illustrierten ablichten. Im Sommer 2009 wurde die mittlerweile zur Parteichefin aufgestiegene Grüne – kurz nach der EU-Wahl – zum zweiten Mal Mutter. Fotos ihrer beiden Söhne erlaubte Glawischnig nicht.

    Die heutige niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner wurde 2001 als Abgeordnete und ÖVP-Landesgeschäftsführerin zum ersten Mal Mama. Eine Woche vor der Geburt erschien sie beim Sommernachtsfest ihrer Partei zur Sicherheit in Begleitung einer Hebamme. Im Dezember 2004 brachte die inzwischen zur Landesrätin aufgestiegene Mikl-Leitner ihre zweite Tochter zur Welt.

    Einen "Karriereknick" bedeutete der Nachwuchs im Jahr 2000 für die damalige FPÖ-Landesrätin Magda Bleckmann, als sie trotz ihrer Schwangerschaft mit einer Spitzenkandidatur für die steirische Landtagswahl liebäugelte. Parteikollegen hielten die Kombination von Amt und junger Mutterschaft damals für nicht zumutbar. Im Jahr 2004 kündigte sie dann außerdem ihren Rückzug als FPÖ-Generalsekretärin an, als sie vom damaligen ÖVP-Abgeordneten Fritz Grillitsch quasi ein schwarz-blaues Koalitionsbaby erwartete.

    Schwangere Regierungschefinnen

    Auch im Ausland kommen Schwangerschaften im Amt jedenfalls immer wieder vor. Spaniens erste Verteidigungsministerin, die mittlerweile verstorbene Carme Chacon, schritt im April 2008 bei ihrem ersten Auftritt hochschwanger eine Ehrenformation der spanischen Streitkräfte ab. Auch eine schwangere Regierungschefin gab es schon: Im Jänner 1990 wurde die damalige pakistanische Premierministerin Benazir Bhutto zum zweiten Mal Mutter.

    Aktuellstes Beispiel ist die sozialdemokratische neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern: Das erste Kind der 37-Jährigen und ihres Lebensgefährten Clarke Gayford soll im Juni zur Welt kommen. Ardern will nach der Geburt sechs Wochen Babypause machen, dann aber zurück ins Büro. "Ich werde Premierministerin UND Mama sein", kündigte sie an und gab sich ob der Doppelbelastung auch einigermaßen gelassen: "Ich werde nicht die erste Frau sein, die 'Multitasking' machen muss."

    Auch Männer werden freilich im Amt von Väterfreuden beglückt – nur eben nicht so sichtbar wie Frauen: Erst am Dienstag dieser Woche ist der steirische Vize-Landeshauptmann und SPÖ-Chef Michael Schickhofer zum dritten Mal Vater geworden – er nimmt ab sofort den Papamonat in Anspruch.

    2011/2012 machte der damalige Behindertenanwalt und frühere Sozialminister Erwin Buchinger (SPÖ) mit seinem Wunsch, in Karenz zu gehen, sogar eine Gesetzesänderung notwendig. Buchinger fand Gefallen an der Kinder-Auszeit und ging 2014 erneut in Karenz. (APA, 25.1.2018)

    • In guter Hoffnung sein – das geht auch in der Spitzenpolitik.
      foto: istock

      In guter Hoffnung sein – das geht auch in der Spitzenpolitik.

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