Warum Gelenke im Winter besonders schmerzen

    28. Jänner 2018, 09:00
    40 Postings

    Rheumatische Beschwerden verstärken sich im Winter. Wer sich in der kalten Jahreszeit schont, tut sich trotzdem keinen Gefallen, sagt Orthopäde Manfred Kuschnig

    Winter: Das bedeutet Kälte, Regen, manchmal auch Schnee. Vor allem für Menschen, die an entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Arthrose und Rheuma leiden, ist die kalte Jahreszeit ungemütlich. Denn: Die Schmerzen werden stärker.

    "Ein Hauptgrund für verstärkte Gelenkschmerzen in der kalten Jahreszeit ist die Tatsache, dass sich die Leute bei Kälte nicht entspannt bewegen. Dadurch ist die Muskulatur angespannter als sonst. Die Durchblutung wird ebenfalls vermindert, der Druck auf die Gelenke verstärkt sich, und das führt zu dumpfen Schmerzen", erklärt Manfred Kuschnig, Leiter der Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie am Elisabethinen-Krankenhaus in Klagenfurt.

    Gute Durchblutung senkt Reibungsschmerz

    Verspannungen sind vor allem die Ursache für zunehmende Rückenschmerzen im Winter. "Wer friert, zieht die Schultern zusammen, und der Rücken wird leicht bucklig. Passiert das häufiger, reagieren die Muskeln", sagt Kuschnig. Dadurch wird eine regelrechte Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Das heißt: Betroffene wollen sich schonen, indem sie weniger Bewegung machen. "Doch damit wählen sie den falschen Weg, denn Gelenke und Muskeln leben von Bewegung", so Kuschnig.

    Werden Gelenke nicht bewegt, produzieren sie weniger Gelenkflüssigkeit, und der Schmerz verschlimmert sich. Regelmäßige körperliche Aktivitäten sorgen hingegen für eine bessere Durchblutung der Gelenke und reduzieren so den Reibungsschmerz. "Bei degenerativen Erkrankungen wie Arthrose ist eine gut trainierte Muskulatur besonders wichtig", betont der Facharzt. Sein Rat: Winterspaziergänge auf sicheren Wegen. Was noch wichtig ist: richtig anziehen. "Bei Kälte sollten die Gelenke stets warmgehalten werden", so Kuschnig. (red, 28.1.2018)

    Tipps, wie Rheuma- und Arthrose-Patienten gut durch den Winter kommen:

    • Trotz Kälte sollte nicht auf Spaziergänge verzichtet werden. Vor allem die betroffenen Stellen brauchen regelmäßig Bewegung.
    • Wann immer sich die Möglichkeit ergibt, sollten ein paar Sonnenstrahlen getankt werden. Das kurbelt auch die Vitamin-D-Produktion an.
    • Unterkühlungen vermeiden, denn durch die Kälte wird das Immunsystem geschwächt. Der Grund: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, und die Zahl der Abwehrzellen sinkt. Um von Kopf bis Fuß warm zu bleiben, hilft nur eines: Mütze, Schal, Handschuhe und Winterstiefel anziehen.
    • Wer der Kälte entkommen möchte, kann im Hallenbad regelmäßig schwimmen gehen. Das schont die Gelenke und hält sie trotzdem fit.
    • Ausreichend trinken: Darauf wird im Winter oft vergessen, weil wir weniger schwitzen und deshalb nicht so oft Durst verspüren.
    • Auf Rind- und Schweinefleisch sollten Arthrose-Patienten möglichst verzichten, da das darin enthaltene tierische Fett die Arthrose-Symptome verschlimmern kann. (red)

    Mehr zum Thema:

    Zuerst ein Infekt, dann Gelenkschmerzen

    Rheumatherapie: Medikamentendosis absenken

    Reaktive Arthritis: "Es trifft vor allem auch jüngere Menschen"

    Mehr zum Thema "Rheuma"

    • Bei Kälte werden die Gelenke weniger gut "geschmiert" als bei Wärme. Dadurch steigt der Reibungsschmerz.
      foto: getty images/istockphoto

      Bei Kälte werden die Gelenke weniger gut "geschmiert" als bei Wärme. Dadurch steigt der Reibungsschmerz.

    Share if you care.