Das menschliche Gehirn kam erst spät zu seiner runden Form

    25. Jänner 2018, 13:40
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    Fossilienvergleiche zeigen, dass die heutige Gehirnform bei Homo sapiens vor 100.000 bis 35.000 Jahren entstand

    Leipzig – Das menschliche Gehirn hat seine charakteristische runde Form erst relativ spät in der Evolutionsgeschichte ausgebildet. Das belegt die Analyse verschiedener Fossilienfunde von Homo sapiens, wie das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig im Fachblatt "Science Advances" berichtet. Erst Fossilien, die jünger als 35.000 Jahre sind, besitzen demnach die gleiche Form wie bei Menschen heute.

    Das bedeutet nach Angaben der Wissenschafter, dass sich die moderne Gehirnorganisation vor 100.000 bis 35.000 Jahren herausbildete. Die Veränderungen von einem länglichen Gehirn hin zu einer runden Form geschahen demnach unabhängig von der Gehirngröße. Selbst die ältesten Homo-sapiens-Fossilien von Jebel Irhoud in Marokko, die auf etwa 300.000 Jahre datiert wurden, hatten schon eine ähnliche Gehirngröße wie heute lebende Menschen.

    Virtueller Abdruck

    Die Forscher analysierten für ihre Studie die Größe und Form verschiedener Fossilien. Da Gehirne nicht versteinern, kann bei Fossilien nur der Innenabdruck des Gehirns und seiner umgebenden Strukturen im Schädel untersucht werden. Das geschieht mittels Computertomografie und hochauflösender, dreidimensionaler Röntgenbilder. Daraus wird am Computer ein virtueller Abdruck des Gehirnschädels erstellt, der Aufschluss über Größe und Gestalt des Gehirns gibt.

    Die Ergebnisse zeigen den Forschern zufolge, dass die moderne Gehirnform nicht wie andere Schlüsselmerkmale des menschlichen Schädels und der Zähne bereits früh in der Evolutionsgeschichte entstand. Vielmehr entwickelte sich das Gehirn von Homo sapiens allmählich von einer länglichen zu einer runderen Form.

    Beim heutigen Menschen entwickelt sich die charakteristische runde Form des Gehirns und des Gehirnschädels innerhalb weniger Monate um den Zeitpunkt der Geburt herum. Die Forscher vermuten, dass evolutionäre Veränderungen der frühen Hirnentwicklung entscheidend für die Evolution komplexer Denkprozesse beim Menschen sind. (APA, red, 25.1.2018)

    • Damals und heute: Vergleich der Gehirnformen des 300.000 Jahre alten Schädels Jebel Irhoud 1 (links) mit dem eines heutigen Menschen.
      foto: mpi eva/neubauer, gunz

      Damals und heute: Vergleich der Gehirnformen des 300.000 Jahre alten Schädels Jebel Irhoud 1 (links) mit dem eines heutigen Menschen.

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