Niederösterreich-Wahl: Fasching als Wettkampf

Kolumne24. Jänner 2018, 17:16
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Die schwierige Unterscheidung von Spaß und Ernst überfordert offenbar auch professionelle Beobachter

Wenn Faschingszeit und Wahlkampf einander überschneiden, wie es gerade in Niederösterreich passiert, ist die Frage, welches Geschehen wo einzuordnen ist, nicht immer leicht zu beantworten. So handelt es sich bei der Tatsache, dass Bürgermeister völlig unterschiedlich darüber entscheiden, welche Zweitwohnsitzer in ihren Gemeinden wählen dürfen, nicht um einen Beitrag zum närrischen Treiben, sondern um das Ergebnis einer ernstgemeinten Wahlrechtsnovelle.

Die schwierige Unterscheidung von Spaß und Ernst überfordert offenbar auch professionelle Beobachter, denn anders ist es nicht erklärbar, warum manche Medien nicht über die Affäre rund um einen von der FPÖ gefälschten ÖVP-Wahlwerbe-Bus berichtet haben. Besagter Bus trägt die Aufschriften "LH Mikl-Leitner" und "Großes Herz für Zuwanderer" sowie Bilder der Landeshauptfrau, auf denen sie mit Männern posiert, die fast so orientalisch aussehen wie FPÖ-Spitzenkandidat und SS-DJ Udo Landbauer. Ein klassischer Dirty-Campaigning-Betrug in Silberstein-Manier, der von der NÖ-FP sogar zugegeben wurde, ohne dass dies vielen berichtenswert erschien.

Vielleicht liegt das auch an einer durch den Wahlkampf der SPÖ Niederösterreich ausgelösten Verunsicherung, denn auch dieser wirkt, als wäre er von der Konkurrenz gefälscht. Die schamlos von einer Humanic-Werbung aus den 70ern gestohlene Kampagne schändet das Andenken an das Original durch die konsequente Verwechslung der Begriffe "lustig" und "sinnfrei", wobei die in der Präsentation des Spitzenkandidaten einzig erkennbare Botschaft "Der hat nicht alle Schnabeltassen im Schrank" vermuten lässt, dass es sich auch hier um den Fake eines Mitbewerbers handeln könnte.

Oder lässt sich das alles durch eine kompetitive Sichtweise des Faschings erklären, die mittlerweile auch die Bundespolitik erfasst hat? Im Kampf um den Titel "Schabernack der Saison" wurde Franz Schnabl bereits von H.-C. Strache übertroffen. Dessen Behauptung "Bruno Kreisky würde heute FPÖ wählen" erinnert an die Prognose, dass Martin Luther King heute Donald Trump wählen würde. Oder um es mit einem auch für Strache intellektuell nachvollziehbaren Beispiel zu illustrieren: so als würde sein Beinahe-Schwiegerpapa Norbert Burger heute KPÖ wählen.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher fühlte sich sogleich bemüßigt, noch einen draufzusetzen: "Die Wahrheit ist, dass Jörg Haider heute wahrscheinlich SPÖ wählen würde." Da stellt sich zunächst die Frage, ob dies überhaupt theoretisch möglich wäre, weil bei zu Freiheitsstrafen über fünf Jahren verurteilten Häftlingen erst einmal ein Richter entscheiden muss, ob sie ihr Wahlrecht ausüben dürfen. Darüber hinaus kann man nur vermuten, mit welchem Argument Lercher um Haiders Stimme gebuhlt hätte: "Du bist national, wir sind sozialistisch, warum soll das nicht zusammenpassen?"

Es ist zu befürchten, dass dieser "Wer würde wen wählen"-Wettbewerb noch nicht beendet ist und weitere Thesen in ähnlicher Qualität hervorbringen wird. Ich tippe auf "Ikarus würde Matthias Strolz wählen", "Kurt Schwitters würde Josef Moser wählen" und "Toni Sailer würde Peter Pilz wählen". (Florian Scheuba, 24.1.2018)

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