Erdoğan droht mit Ausweitung von Syrien-Einsatz

    24. Jänner 2018, 18:03
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    Zwei Tote und elf Verletzte bei Raketeneinschlag im Süden der Türkei

    Damaskus/Ankara – Im Norden Syriens steigt das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation zwischen den Nato-Partnern Türkei und USA. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan drohte der von den USA unterstützten syrischen Kurdenmiliz YPG am Mittwoch mit einer großflächigen Bekämpfung. Begonnen werde damit in der nordsyrischen Region Manbij. Dort haben die USA Militärpersonal stationiert.

    Im weiter westlich gelegenen Afrin, wo seit mehreren Tagen ein türkischer Luft- und Bodeneinsatz gegen die YPG läuft, sind keine US-Soldaten aktiv. Ein Sprecher der von den USA angeführten Militärallianz zur Bekämpfung des IS erklärte: "Die Koalitionskräfte sind in dem Gebiet (um Manbij), und sie haben das inhärente Recht, sich selbst zu verteidigen. Wenn nötig, werden sie das tun."

    Raketeneinschlag in türkischem Grenzort

    In dem türkischen Grenzort Kilis schlugen unterdessen laut Behörden zwei Raketen ein, die von Afrin aus abgefeuert worden sein sollen. Zwei Menschen seien getötet und elf verletzt worden, darunter acht in einer Moschee.

    Die syrischen Kurden haben seit Beginn des Bürgerkriegs drei autonome Bezirke geschaffen, darunter Afrin an der Grenze zur Türkei. Mit ihrer "Ölzweig"-Offensive hat die Türkei eine neue Front im Bürgerkrieg eröffnet. Manbij gehört zu einem größeren Gebiet, das von den ebenfalls US-unterstützten Syrischen Demokratischen Streitkräften (SDF) kontrolliert wird. Dort wollen die USA für Stabilität und Wiederaufbau sorgen.

    Die Türkei werde "die Spielchen an ihrer Grenze durchkreuzen", sagte Erdoğan. Er forderte internationale Nichtregierungsorganisationen auf, den Einsatz gegen die YPG zu unterstützen. "Ich habe Zweifel an der Menschlichkeit derer, die dieser Organisation helfen und die Türkei einen Angreifer nennen."

    260 Kämpfer getötet

    Die türkische Regierung rechnet nicht damit, dass es während ihrer Offensive zu einer direkten Konfrontation mit dem US-Militär kommt. Dafür gebe es nur um Manbij eine geringe Chance, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Bekir Bozdağ der Nachrichtenagentur Reuters. Die Türkei sei zu jeder Form der Zusammenarbeit mit den USA und Russland bereit, wenn das der Region Frieden bringe. Wie die USA und Russland rief auch Deutschland die Türkei zu Zurückhaltung auf.

    Ein Sprecher des Militärrats von Manbij sagte, seine von den USA unterstützte Gruppe habe Truppen an die Front verlegt, um auf einen möglichen Angriff der Türkei oder ihrer Verbündeten reagieren zu können. "Natürlich setzen wir unsere Koordination mit der internationalen Koalition mit Blick auf den Schutz Manbijs fort." Die Allianz führe bereits verstärkt Patrouillen durch. Das wies Koalitionssprecher Ryan Dillon zurück. Allerdings sei man durch "das, was passiert, alarmiert".

    Bei dem Einsatz in Afrin wurden laut türkischen Angaben mindestens 260 YPG- und IS-Kämpfer getötet. Der führende SDF-Vertreter Redur Xelil bezeichnete das als Lüge, um die Öffentlichkeit irrezuführen. Die ganze Welt wisse, dass der IS nicht in Afrin präsent sei. Die von der Türkei genannte Zahl der getöteten SDF- und YPG-Kämpfer sei maßlos übertrieben.

    Internationale Freiwillig gegen türkische Armee im Einsatz

    Im Nordwesten Syriens kämpfen Xelil zufolge auch Freiwillige aus Deutschland, Großbritannien und den USA gegen die türkische Armee. Es sei der Wunsch eines Teils der ausländischen Kämpfer in Raqqa und Deir az-Zor gewesen, nach Afrin zu gehen. Er sprach von einer zweistelligen Zahl. Die von den USA ausgebildete YPG sowie die SDF sollten eine Pufferzone an der Grenze zur Türkei bilden. Erdoğan betrachtet die YPG aber als Ableger der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), die für eine Autonomie der Kurden in der Türkei kämpft. Eine von der YPG kontrollierte Zone an der türkischen Südgrenze ist für ihn inakzeptabel. (APA, 24.1.2018)

    • Türkische Truppen warten an der syrischen Grenze in Hatay. Sie führen die "Operation Olivenzweig" durch.
      foto: apa/afp/ozan kose

      Türkische Truppen warten an der syrischen Grenze in Hatay. Sie führen die "Operation Olivenzweig" durch.

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