Zollbilanz am Flughafen: Millionen Zigaretten, Drogen, Exoten

24. Jänner 2018, 12:28
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Eine Steigerung gab es bei der Beschlagnahme von Tabakwaren, Suchtgift und lebenden Pflanzen

Wien/Schwechat – Die Aufgriffe durch den Zoll auf dem Flughafen Wien sind 2017 insgesamt um 3,76 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Bei 103.167 Kontrollen im Reiseverkehr kam es zu insgesamt 4.383 Aufgriffen, teilte Johannes Pasquali, Pressesprecher des Finanzministeriums, am Mittwoch mit. Die Spitzenreiter 2017 waren Zigaretten, Suchtgift und lebende Pflanzen.

Im Vorjahr wurden vom Zoll österreichweit 7,202.419 geschmuggelte Zigaretten sichergestellt. 2016 waren es mit rund 8,2 Millionen Stück zwar noch deutlich mehr, doch am Flughafen Wien gab es einen starken Zuwachs von 21,53 Prozent. Bei 1.543 Zigarettenaufgriffen im Reiseverkehr machten die Zöllner dort 2,933.592 Stück ausfindig. Die Zahlen würden außerdem die Verlagerung des Zigarettenschmuggels von der Straße in den Flugreiseverkehr bestätigen. Der Hauptfokus des Schmuggelwesens liegt hierzulande laut Ministerium generell auf dem Flughafen Wien. Erkennbar sei in der letzten Zeit außerdem der Einfluss durch das Darknet, hielt Pasquali fest.

Nicht mehr viele Großaufgriffe

Der Trend zeige, dass in den einzelnen Fällen weitaus größere Mengen als in den vergangenen Jahren geschmuggelt werden. Es gebe nicht mehr so viele Großaufgriffe, etwa in Containern, sondern seit fast zwei Jahren verstärkt Kleinsendungen, die in Summe allerdings viel ergeben, sagte Pasquali. So wurden etwa vergangenen Montag bei zwei Reisenden aus Armenien insgesamt 40.400 Stück Zigaretten – also 202 Stangen – in deren privaten Gepäckstücken gefunden.

Weiters wurden im vergangenen Jahr 1.164,3 Kilogramm Tabak sichergestellt. Ebenfalls auffällig war 2017 eine massive Steigerung bei den Suchtgiftfunden: Bei 590 Aufgriffen zogen die Zöllner 520.678,6 Gramm Suchtmittel sowie 3.591 Stück Tabletten aus dem Verkehr. Khat, Kokain, neue psychoaktive Substanzen und Ecstasy rangierten hier auf den oberen Plätzen.

89 Verstöße gegen Artenschutz

Verstöße gegen den Artenschutz wurden in 89 Fällen geahndet. Hier gab es ein Plus von knapp sechs Prozent gegenüber 2016. Neben Trophäen exotischer Tiere – darunter ein Nilkrokodil und ein Schwarzbärenschädel – wurden auch ein lebender Papagei und 27 lebende Reptilien entdeckt. "Lebende Tiere werden sofort zur Untersuchung gebracht, etwa in den Tiergarten Schönbrunn", erklärte Pasquali das weitere Verfahren in diesen Fällen.

Die Kontrollen sind für die Beamten nicht immer ungefährlich: "Letztes Jahr war beispielsweise auch eine Schwarze Mamba dabei, die ist gleich zu Spezialisten in ein Reptilienheim gebracht worden", so der Sprecher. Im vergangenen Jahr schafften es offenbar auch Pflanzen in den Kreis beliebter Schmuggelware: 359 Kakteen, 29 Orchideen und 237 Stück Steinkorallen wurden von den Zöllnern gefunden. Nach dem Tierseuchenrecht wurden zudem 6.328,55 Kilogramm an tierischen Produkten vernichtet, davon rund 3,5 kg Milchprodukte, 2,5 kg Fleisch und 110,5 kg Honig. Darüber hinaus wurden 104 Stück Medikamente mit artengeschützten Inhaltsstoffen aus dem Verkehr gezogen.

Bei insgesamt 17 einschlägigen Aufgriffen entdeckten die Zöllner weiters 101.781 Stück, 150 Packungen und 1,2 kg diverser Arzneiwaren. Die geschmuggelten Potenzpillen, Anabolika und sonstige Medikamente kamen hauptsächlich aus China, Thailand, Ägypten, Indien und der Türkei.

Deutlich mehr Bargeld

Die Hauptrouten hinsichtlich jeglicher Schmuggelware ändern sich laufend, hieß es vom Finanzministerium. Gemäß Erfahrungswerten und in Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden werden daher Risikoprofile erstellt, an denen sich dann die Planung und Durchführung der Schwerpunktkontrollen im Reiseverkehr orientiert. In Österreich sind dabei auch 23 Spürhunde im Einsatz, die auf das Erschnüffeln von Suchtgift, Tabak oder Geld spezialisiert sind.

Beim Bargeld zeigte sich zwar ein Rückgang an Anmeldungen um fast neun Prozent, jedoch habe es eine deutliche Steigerung beim Gesamtwert gegeben, der 155,005.216 Euro betrug – ein deutliches Plus im Vergleich zum Vorjahr von 122,44 Prozent. Den Anmeldungen gegenüber stehen 41 Bargeld-Aufgriffe mit einer Gesamtsumme von 1,232.260 Euro, 15 davon bei der Ausreise, 26 bei der Einreise nach Österreich. Dabei wurden Strafen von 113.450 Euro verhängt. Bei zwei dieser Aufgriffe lag die Summe jeweils über 50.000 Euro.

Ein großer Anstieg wurde außerdem bei den Abfertigungen von Mehrwertsteuer-Rückvergütungsformularen verzeichnet. 1,201.795 Anträge brachten einen Zuwachs von rund 17 Prozent in diesem Bereich. In diesem Zusammenhang wurden 258.458 Beschauen durchgeführt, bei 35.502 Bescheinigungen gab es Beanstandungen (hinsichtlich EU-Wohnsitz, Nichtvorlegen der Ware und Ähnlichem). In 32 Fällen wurde ein Finanzstrafverfahren durchgeführt.

"Kein Kavaliersdelikt"

Schmuggel dürfe nicht als Kavaliersdelikt abgetan werden, kommentierte Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) die aktuellen Zahlen: "Die Bilanz zeigt, wie wichtig Zollkontrollen im Reiseverkehr sind." In erster Linie gehe es "um den Schutz von Mensch und Tier". (APA, 24.1.2018)

  • Ein Mitarbeiter des Zolls riecht an einer geöffneten Flasche bei der Kontrolle von eingeführtem Alkohol. 2017 waren Zigaretten, Suchtgift und lebende Pflanzen bei Aufgriffen am Flughafenzoll Spitzenreiter.
    foto: apa/georg hochmuth

    Ein Mitarbeiter des Zolls riecht an einer geöffneten Flasche bei der Kontrolle von eingeführtem Alkohol. 2017 waren Zigaretten, Suchtgift und lebende Pflanzen bei Aufgriffen am Flughafenzoll Spitzenreiter.

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