Wie sich die Haut selbst heilt

    24. Jänner 2018, 10:16
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    Forscher haben herausgefunden, wie Nervenzellen der Haut helfen, Wunden zu heilen. Sogenannte Gliazellen mutieren bei einer Verletzung zu Reparaturzellen

    Zürich – Ein kleiner Schnitt, aus der Wunde blutet es. Das Blut verschließt die Wunde und bildet einen sogenannten "Wundpfropf". Damit die Verletzung wieder heilen kann, müssen die betroffenen Hautschichten neu gebildet werden. Dabei kommt es zu einem komplexen Wechselspiel zwischen verschiedenen Zelltypen unserer Haut.

    Bislang war noch nicht klar, wie genau der Heilungsprozess abläuft. Nervenzellen spielen dabei eine zentrale Rolle, wie Forscher vom Anatomischen Institut der Universität Zürich nun herausgefunden haben. Lange schon gab es Hinweise, dass für eine optimale Heilung ein Gewebe innerviert, also mit Nervenbahnen versehen sein muss. Warum dem so ist, war aber unklar.

    Identitätswechsel

    Mit Hilfe eines Tiermodells entdeckten die Wissenschafter, dass sich feine Nervenbahnen drastisch verändern, wenn sie bei einer Verwundung der Haut mitverletzt werden: Zellen entlang der verletzten Nervenbahnen, sogenannte Gliazellen, ändern ihre ursprüngliche Identität und werden zu "Reparaturzellen" umprogrammiert. Sie verlieren dabei ihren Kontakt zu den Nervenbahnen und schwärmen in das Wundbett aus. "Dort schütten sie einen Cocktail verschiedenster Faktoren aus, der die Wundheilung unterstützt", erklärt Studienleiter Lukas Sommer.

    Mit genetischen Experimenten konnten die Forscher nachweisen, dass die Reparaturzellen der Nerven für das Verschließen der Wunde wichtig sind. Konkret fördern sie den dafür notwendigen Umbau der Lederhaut.

    Auch Menschenhaut reprogrammiert sich

    Bei älteren Menschen oder Diabetikern kann es vorkommen, dass Wunden nur sehr schlecht abheilen. Auch in menschlichen Wunden haben die Wissenschafter reprogrammierte Nervenzellen entdeckt.

    Nun wollen sie mit Klinikern des Universitätsspitals Zürich die Wundheilungsfaktoren besser charakterisieren, die von Nervenzellen ausgeschüttet werden. "Vielleicht könnten damit eines Tages chronische Wunden wirksam behandelt werden", so Sommer. (red, 24.1.2018)

    • Das Blut verschließt die Wunde und bildet einen sogenannten "Wundpfropf". Das wirkt wie ein Pflaster. Zur endgültigen Heilung ist es notwendig, dass Gliazellen ihre ursprüngliche Identität ändern.
      foto: getty images/istockphoto

      Das Blut verschließt die Wunde und bildet einen sogenannten "Wundpfropf". Das wirkt wie ein Pflaster. Zur endgültigen Heilung ist es notwendig, dass Gliazellen ihre ursprüngliche Identität ändern.

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