Lauda betritt erneut die Airline-Bühne: Strategie auch diesmal unklar

Kommentar23. Jänner 2018, 18:14
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Angeblich wird Niki Lauda die Fluglinie Niki allein übernehmen. Fraglich ist, wie lange das gutgehen wird

Böse Zungen behaupten, dass noch jeder, der mit Niki Lauda an einer Airline beteiligt war, viel Geld verloren hat: Lauda suche sich immer jemanden, der sich mit viel Geld engagiert.

Mitte der 1980er-Jahre gründete er gemeinsam mit dem Reiseveranstalter Itas und dessen Eigentümer Basile Varvaressos die Lauda Air als Chartergesellschaft. Der Grieche ging pleite, unter anderem deshalb, weil er Laudas Flieger zu teuer mieten musste.

Anfang der 1990er-Jahre beteiligte sich die Lufthansa mit einem Minderheitsanteil an Lauda Air und investierte viel in die Airline. Ihr Ziel war, die damals noch staatliche AUA (noch dazu in strategischer Partnerschaft mit der Swissair) durch nachbarstaatliche Konkurrenz zu schwächen. Die Deutschen subventionierten die Lauda Air über Jahre mit viel Geld, bis auch sie aufgaben – ehe sie 2009 die AUA übernahmen und vom österreichischen Staat beziehungsweise dessen Steuerzahlern dafür eine Mitgift von 500 Millionen Euro bekamen.

Steuerzahler zur Kasse gebeten

Die Steuerzahler waren schon zuvor kräftig zur Kasse gebeten worden: 2002, als die finanziell schwer angeschlagene Lauda Air vollständig von Austrian Airlines übernommen und so mit Steuergeldern vor dem drohenden Konkurs gerettet wurde. Die Folge war, dass die AUA seither neben Airbus und Fokker auch die Boeings der Lauda Air im Portfolio hatte, was die Wartung der unterschiedlichen Fliegertypen und die Ausbildung der Crews erheblich verteuerte. Und die hohen Schulden der Lauda Air, die die AUA schlucken musste, brachten sie neben hausgemachten Problemen ebenfalls in erhebliche Schieflage.

Niki Lauda gab dennoch nicht auf. Aus der pleitegegangenen Aero Lloyd gründete er Niki als Ferienflieger. Der Vorteil: keine Altlasten (keine Pensionskosten, kein Kollektivvertrag), also geringe Gestehungskosten. Aber er bekam zunehmend Konkurrenz: Immer mehr Billigflieger drängten auf den Markt. Daraufhin verkaufte Lauda, aus seiner Sicht nachvollziehbar, zunächst einen Teil und dann die kompletten Niki-Anteile an Air Berlin.

Für die Pleite von Air Berlin in der Folge kann Lauda nichts – er hatte rechtzeitig und wohl in weiser Voraussicht gehandelt. Nur: Schon wieder zahlen die österreichischen Steuerzahler via Insolvenzentgeltfonds die Gehälter der Niki-Mitarbeiter.

Geänderte Rahmenbedingungen

Jetzt also Lauda Motion: Das Marketinggenie Lauda betritt wieder die Airline-Bühne. Allein, angeblich. Und auch diesmal ist fraglich, wie lange das gutgehen wird und wie nachhaltig Laudas Strategie ist. In den kommenden zwei Jahren wird Lauda die Flieger wohl schon mithilfe der Reiseveranstalter füllen können. Im Sommer ist das meist kein Problem, nur im Winter schreiben nahezu alle Airlines Verluste.

Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen völlig geändert: In Wien sind die Lufthansa-Tochter Eurowings, Easyjet, die ungarische Wizz und saisonal etliche zusätzliche Billigfluglinien aktiv. Nicht zuletzt hat sich auch die AUA wirtschaftlich wieder erholt, steht finanziell gut da und kann expandieren.

Daher wäre mittelfristig die spanische Vueling, eingebettet in die wirtschaftlich erfolgreiche British-Airways-Mutter IAG, ein soliderer Partner für Niki gewesen. Mit mehr Potenzial, auch auf der Langstrecke. Man wird abwarten müssen, wer die Flieger von Lauda Motion füllen wird.

Oder ob Niki Lauda bei gutem Wind wieder alles verkauft. (Claudia Ruff, 23.1.2018)

  • Niki Lauda auf einem Archivbild aus dem Jahr 2010 bei einer Landung auf dem Salzburger Flughafen.
    apa/barbara gindl

    Niki Lauda auf einem Archivbild aus dem Jahr 2010 bei einer Landung auf dem Salzburger Flughafen.

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