Mercedes G: Über jede Floskel erhoben

    Ansichtssache22. Jänner 2018, 10:22
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    Die Detroit Auto Show nutzt Mercedes als Bühne für die Weltpremiere der neuen G-Klasse. Sie spielt hinsichtlich Luxus und Technik alle Stückerln. Im Gelände sowieso

    Detroit – Erst war das Feuer, dann das Feuerwasser. Erst war der Henry, dann war der Dieter. Erst war Detroit, dann war Graz. Entschuldigen Sie, wenn uns solche Assoziationsketten durch die zerebrale Masse irrlichtern, die Mercedes-Veranstalter sind schuld. Warum auch haben sie die Weltpremiere der G-Klasse im Michigan Theatre, Downtown Detroit, zelebriert. An dem wie halb Motown desolaten, mythenumrankten Ort soll einst Henry Ford sein erstes Vehikel konstruiert haben, dann bauten sie das (Lichtspiel-) Theater dorthin, Duke Ellington und Frank Sinatra traten hier auf – ein entertainmentaffiner Konzernchef wie Dieter Zetsche alias "Dr. Z" muss sich da wohlfühlen.

    Zirbengeist

    Kalt war's zuerst, schließlich ist das Theatre seit 1977 ein Parkhaus, zur aufwärmenden Begrüßung ward deshalb Glühwein gereicht, zum Abschluss Zirbengeist, Konsumationspflicht gab es keine, wir sind jetzt noch froh darüber. Allerdings waren die über 500 Journalisten aus aller Welt hergekommen, um vordringlich eines zu konsumieren: die erste Begegnung mit dem neuen G.

    foto: daimler
    Weltpremiere am Vorabend des Autosalons an historischem Ort: Daimler-Chef Dieter Zetsche präsentierte die G-Klasse mit Arnold Schwarzenegger im Michigan Theatre. Der heute als Parkhaus genutzte Bau wurde an der Stelle errichtet, an der Henry Ford 1896 sein erstes Auto baute.

    Der fuhr einen simulierten Grazer Hausberg Schöckl hoch, "vuuuch" fauchten die Feuerfackeln, gleich wurde es wärmer. Dann sprang – "I'll be back" – Arnold Schwarzenegger aus einem der Gs, Grazer Urgestein wie der Geländewagen, lebende Legenden alle beide, und zum Abschluss einer launigen, floskelbewehrten Doppelconférence schenkte Arnie Dieter keinen alten, sondern einen Cowboyhut. Zetsche revanchierte sich mit einem Zirberl, Schwarzenegger, diesmal als Kalifornier, fragte vorher noch schnell, ob's vom G auch eine E-Version geben werde. "Stay tuned" antwortete Zetsche, was vermutlich "schmeck's" mit Realisierungspotenzial heißt.

    Leiterrahmen bleibt

    Was jetzt schon klar ist: Der Neue vergeht sich nicht am Erbe, der kantige Vorgänger ist so schlüssig in die Zukunft gedacht, wie das sonst nur immer Porsche mit dem 911 schafft. Größer (53 mm länger, 121 mm breiter), luxuriöser ist er; womöglich noch geländegängiger als bisher soll er sein (Stichwort: G't nicht gibt's nicht), man habe enormen Aufwand betrieben, um die neuerdingsige Einzelradaufhängung, die die bisherige Starrachse ersetzt, darauf hinzutrimmen, unter anderem durch ausgefuchste Einstellung der adaptiven Dämpfer, erläuterte Gunnar Güthenke, Geschäftsleiter Mercedes G, im Gespräch mit dem Standard. Beim Leiterrahmen bleibt es ohnedies.

    AMG war zuständig für die Karosserie, die haben sie um 55 Prozent steifer hingekriegt, außerdem ist die G-Klasse 170 kg leichter als bisher. Was der vermutlich beste Geländewagen der Welt in der Neuauflage wirklich kann und wie er sich auf Asphalt fährt, berichten wir getreulich nach den ersten Testfahrten. Nach Österreich kommt diese rollende Begehrlichkeit im Juni, der Einstiegspreis (G 500, 422 PS) liegt bei 142.890 €, und damit noch rasch ein paar Worte zur Detroit Auto Show, wo der G dann trotz AMG CLS 53 (3,0-Liter-Biturbo-Reihensechszylinder, 435 PS) der Superstar am Mercedes-Stand war, selbst.

    Aus A mach B

    Ungeachtet der immer stärker werdenden Konkurrenz durch die Messe in L.A. ist der Salon in Detroit immer noch der wichtigste in den USA. Allerdings ist er im Vergleich zu Schanghai, Peking, Frankfurt, Paris, selbst Genf heute nur mehr eine B-Messe. Die Standfläche ist nicht viel größer als die der Vienna Autoshow, und selbst die Flächen haben die Veranstalter nur dank Teilnahme einiger Zulieferer und Salongastronomen (Indicar Café, Grand Tour Mayhem Hall Pub) füllen können. Auch die wichtigsten Weltpremieren sind rasch zusammengefasst.

    Am BMW-Stand hat der X2 sein Publikumsdebüt, bei VW der Jetta – in dasselbe Format kompakter Limousinen gehören weiters Kia Forte und Honda Insight Prototype; der neue Toyota Avalon ist mit 4,97 m schon ein Eck länger. Die Amis selbst legen das Hauptgewicht auf die Pick-ups, debütantisch zu erwähnen wären Fords erster Diesel F-150, der Ram 1500 und der Chevy Silverado.

    Leicht in Richtung Sport geht's mit dem neuen Hyundai Veloster, schwer mit dem Mustang Bullitt mit 5,0-Liter-V8 und 475 PS, und falls wer fragt: Die neue Corvette, die C8, war nur ein Salongerücht.

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    foto: andreas stockinger

    Publikumsweltpremiere für den BMW X2. Der kompakte SUV startet im März. Kostenpunkt: 39.700 bis 46.100 €.

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