Griechen demonstrieren gegen Kompromiss bei Mazedoniens Namen

21. Jänner 2018, 18:13
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Der Konflikt belastet die Beziehungen beider Länder seit mehr als 25 Jahren

Thessaloniki – In der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki haben am Sonntag zehntausende Menschen gegen einen Kompromiss im Streit um den künftigen Namen des Nachbarlandes Mazedonien protestiert. Nach Angaben der Polizei demonstrierten rund 90.000 Menschen dagegen, dass das Land künftig das Wort "Mazedonien" im Namen trägt. Die Organisatoren sprachen von mindestens 400.000 Teilnehmern.

Die Demonstranten versammelten sich um eine Statue von Alexander dem Großen, dem berühmtesten König des antiken Makedonien. Zu der Kundgebung aufgerufen hatten nationalistische und rechtsextreme Gruppen. "Wir schätzen, dass mindestens 400.000 Menschen da waren", sagte Organisator Anastasios Porgialidis. "Es ist beeindruckend." Laut Polizei waren Teilnehmer in 284 Bussen aus ganz Griechenland nach Thessaloniki gebracht worden.

Rangeleien

Am Rande der Demonstration kam es zu Rangeleien zwischen Teilnehmern und Anarchisten, die eine Gegendemonstration organisiert hatten. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Unter den Protestteilnehmern waren auch Vertreter der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia, obwohl deren liberal gesinnter Vorsitzender Kyriakos Mitsotakis zu einem Boykott der Demonstration aufgerufen hatte.

Der Namensstreit belastet die Beziehungen zwischen Griechenland und seinem nördlichen Nachbarn schon seit mehr als 25 Jahren. Der Konflikt reicht ins Jahr 1991 zurück, als die ehemalige jugoslawische Teilrepublik ihre Unabhängigkeit erklärte und den Namen Mazedonien für sich wählte.

Nationalerbe

Aus Sicht Griechenlands ist der Name Mazedonien jedoch Teil des griechischen Nationalerbes und suggeriert einen Anspruch auf die nordgriechische Provinz gleichen Namens. Thessaloniki ist die Hauptstadt Makedoniens und die zweitgrößte griechische Stadt nach der Hauptstadt Athen.

Wegen des schwelenden Streits wird Mazedonien bei der UNO mit dem sperrigen Namen Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien geführt. Der Namensstreit mit Griechenland blockiert seit Jahren die Beitrittsgespräche Skopjes mit der EU und der NATO.

Zuletzt zeichnete sich aber eine Einigung zwischen den Regierungen beider Länder ab. Der UN-Vermittler in dem Streit, Matthew Nimetz, zeigte sich kürzlich "sehr optimistisch, dass der Prozess in eine positive Richtung geht". Nimetz hat Medienberichten zufolge fünf Namensvorschläge unterbreitet, die alle das Wort Mazedonien enthalten, unter anderem Nord-Mazedonien und Neu-Mazedonien. (APA, 21.1.2018)

  • In Thessaloniki demonstrierten tausende Griechen gegen den Kompromiss mit Mazedonien.
    foto: reuters/avramides

    In Thessaloniki demonstrierten tausende Griechen gegen den Kompromiss mit Mazedonien.

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