Bikram Yoga: Heißer, aber nicht gesünder

19. Jänner 2018, 17:03
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Ganz normales Yoga tut den Blutgefäßen genauso gut wie das modische "Hot Yoga"

Austin/Wien – Spätestens seit dem Siegeszug von Yoga in der westlichen Welt ist auch die Wissenschaft an der meditativen Körperarbeit interessiert: Das Buch "The Science of Yoga" von Pulitzer-Preisträger William J. Broad wurde zu einem internationalen Bestseller – nicht zuletzt deshalb, weil der Wissenschaftsjournalist auch auf die Verletzungsrisiken bei den entspannenden Dehnungsübungen hinwies.

Um dieses Verletzungsrisiko zu reduzieren, beginnt man im Normalfall mit Aufwärmübungen. In einer Yoga-Variante, dem sogenannten Bikram oder Hot Yoga, soll möglichen Zerrungen zusätzlich durch eine hohe Raumtemperatur zwischen 35 und 40 Grad Celsius vorgebeugt werden. Trotz einiger Kontroversen rund um "Erfinder" Bikram Choudhury erfreut sich auch Hot Yoga wachsender Beliebtheit, zumal es mit zusätzlicher "Entgiftung" durch das Schwitzen wirbt.

Reduziertes Herzinfarktrisiko

Eine neue Studie von Forschern um Stacey Hunter (University of Texas) zeigt nun, dass Hot Yoga tatsächlich dem Herz-Kreislaufsystem zuträglich ist: Wie sich bei Untersuchungen an insgesamt 52 Testpersonen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren herausstellte, kann diese Yogaform ungünstigen Veränderungen in den Zellwänden der Blutgefäße vorbeugen und damit das Risiko eines Herzinfarkts und Schlaganfalls reduzieren.

Für die Studie im Fachblatt "Experimental Physiology" übten 19 der 52 Versuchspersonen zwölf Wochen lang drei Mal wöchentlich Hot Yoga aus, 14 praktizierten die gleichen Übungen bei normaler Raumtemperatur. Die Kontrollgruppe mit den übrigen Probanden machte kein Yoga. (Die Versuchsteilnehmer waren den drei Gruppen zugelost worden.)

Normale Temperatur, gleiche Effekte

Wie Hunter und ihre Kollegen schreiben, zeigten sich die gleichen förderlichen Effekte für die Herzgesundheit nicht nur bei den Bikram-Yoginis, sondern auch bei jenen Probanden, die ihre Yogaübungen bei ganz normaler Raumtemperatur durchführten. Bei der Kontrollgruppe blieben derartige Effekte aus.

Ein kleiner, statistisch jedoch nicht signifikanter Vorteil von Bikram Yoga mag für manche Yoginis buchstäblich ins Gewicht fallen: Die Mitglieder der Hot Yoga-Gruppe wiesen nach zwölf Wochen etwas weniger Körperfett auf.

Relativierungen von Experten

In der britische Zeitung "Guardian" relativierte Paulus Kirchhof, ein Experte für kardiovaskuläre Medizin an der Uni Birmingham, die Aussagen der Studie: Ob Yoga im Vergleich zu anderen Bewegungsarten besonders effektiv sei, den Blutdruck zu senken und entsprechenden Erkrankungen vorzubeugen, sei unklar. Generell werde zu moderater Aktivität fünf Mal pro Woche je 30 bis 45 Minuten lang geraten.

Julie Ward von der British Heart Foundation warnt insbesondere Personen mit bereits bestehenden Herzproblemen vor den hohen Temperaturen bei Bikram Yoga. Die positiven Auswirkungen von Yoga – egal ob heiß oder temperiert – jedenfalls auf die emotionale Gesundheit seien gut abgesichert. (tasch, 19.1.2018)

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    Schwitzen wie beim Bikram Yoga (hier im Bild) muss nicht sein: Der Herzgesundheit sind die Übungen bei ganz normaler Raumtemperatur genauso zuträglich.

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