Nach dem Brustkrebs: Die Angst vor den Hormonen

    20. Jänner 2018, 12:46
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    Frauen haben nach Brustkrebs meist Bedenken, Hormone einzunehmen. Diese Angst ist zum Teil begründet

    Eine Krebsbehandlung kann Langzeitfolgen haben. In Studien wurde beobachtet, dass Brustkrebspatientinnen oft früher in die Wechseljahre kommen, weil die Chemotherapie ihre Eierstöcke geschädigt hat und sich das auf die Hormonproduktion auswirkt. Zudem hat jede zweite ehemalige Krebspatientin schwere Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Symptome wie eine trockene Scheide – bei Frauen ohne Krebs und Chemotherapie ist es nur jede fünfte. Die Frauen würden oft ziemlich stark leiden, sagt Bruno Imthurn, Chefhormonexperte in der Frauenklinik am Uni-Spital Zürich. "Sie nehmen aber meist keine Medikamente, weil sie Angst haben, dass der Krebs wiederkommt."

    Diese Angst ist zum Teil begründet. Hormone, die normalerweise bei schweren Wechseljahrebeschwerden helfen, sollten Frauen nach einer Brustkrebserkrankung nicht einnehmen, weil sie möglicherweise das Risiko für einen Rückfall erhöhen. "Es gibt aber Alternativen", sagt Christian Egarter, Chef der Abteilung für gynäkologische Endokrinologie an der Med-Uni Wien. Um wirksame Präparate zu finden, habe man sich aber erst einmal klarmachen müssen, wie Hitzewallungen entstehen, sagt Egarter.

    Durch den Abfall der Östrogene verändert sich die Konzentration der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin im Gehirn. "Dadurch gerät offenbar das Temperaturkontrollsystem im Gehirn durcheinander und reagiert über", erklärt der Gynäkologe. Außerdem lösen schon geringste Abweichungen von der "Solltemperatur" Wallungen aus. Selektive Serotonin- oder Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI oder SNRI) erhöhen die Konzentration von Serotonin und Noradrenalin im Gehirn. Das lindert Symptome, "die Medikamente bessern auch depressive Verstimmungen".

    Lifestyle als Faktor

    Bei pflanzlichen Präparaten wie Traubensilberkerze, Rotklee oder Johanniskraut sei nicht eindeutig belegt, dass sie wirken. Diese Phytowirkstoffe wirken auch am Östrogenrezeptor, und es ist nicht auszuschließen, dass sie Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten eingehen, die viele Frauen nach dem Brustkrebs noch jahrelang einnehmen, so Egarter. Gegen das Symptom der trockenen Scheide rät er eher zu feuchtigkeitsspendenden Vaginalcremes als zu Östrogengels.

    In jedem Fall spielt in den Wechseljahren auch der Lebensstil eine Rolle. Absenken der Raumtemperatur, Kleidung nach dem Zwiebelprinzip, Vermeidung von scharfem Essen oder Stress zeigen sehr oft Wirkung. Auch körperliche Bewegung tut gut, vor allem, wenn Frauen unter Übergewicht leiden. "Auch mit Stressmanagement, Entspannungstechniken, Yoga oder Hypnose werden die Beschwerden erträglicher", sagt Psychiater Hasler, Chefpsychiater an der Universität Bern.

    Egarter rät ehemaligen Brustkrebspatientinnen vor allem zur regelmäßigen Kontrolle der Knochendichte, weil ihr Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche höher ist. Mitunter können auch knochenschützende Medikamente wie Bisphosphonaten oder Denosumab sinnvoll sein, sagt Gynäkologe Egarter. (Felicitas Witte, 20.1.2018)

    • Hormone gegen schwere Wechseljahrebeschwerden sollten Frauen nach einer Brustkrebserkrankung nicht einnehmen, weil sie möglicherweise das Risiko für einen Rückfall erhöhen.
      foto: getty images/istockphoto

      Hormone gegen schwere Wechseljahrebeschwerden sollten Frauen nach einer Brustkrebserkrankung nicht einnehmen, weil sie möglicherweise das Risiko für einen Rückfall erhöhen.

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