Prominente gegen Abschiebung von integrierter Familie Tikaev

Video18. Jänner 2018, 15:23
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Pinterits, Stemberger, Vassilakou kamen zu Rückkehrzentrum, Videobotschaft von Sohn an Mitschüler

Wien – Am Donnerstag erhielt die tschetschenische Familie Tikaev, die – wie DER STANDARD berichtete – mit ihren vier in Österreich schulisch voll integrierten Kindern seit 17 Tagen unter akuter Abschiebedrohung im Rückkehrzentrum Schwechat leben muss, zahlreichen Besuch. Angefahren kamen etwa Wiens Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits, die Schauspielerin und Vorsitzende des Integrationshaus-Vorstands Katharina Stemberger, der Lehrer und Blogger Daniel Landau sowie, um sich ein Bild der Lage zu machen, Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou.

Begleitet wurden sie von Journalisten und einem Kamerateam von Puls 4. Einlass in die Betreuungsstelle wurde nur Vassilakou gewährt. Den Wohntrakt, in dem die Familie in einem Containerzimmer mit drei Stockbetten untergebracht ist, durfte aber auch sie nicht betreten. "Wir haben die Tikaevs dann in ein Kaffeehaus am Flughafen mitgenommen, um mit ihnen zu reden", schildert Landau.

Klassensprecher in der Sportmittelschule

So etwa mit einem Sohn der Familie, dem zwölfjährigen Alikhan Tikaev, der in der Sportmittelschule in der Wiener Pastorstraße Klassensprecher der 2b ist. In einer Videonachricht auf derStandard.at lässt er seine Mitschüler grüßen.

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Videobotschaft aus dem Rückkehrzentrum: Der zwölfjährige Alikhan Tikaev grüßt – vor der Eingangspforte zur Betreuungsstelle stehend – seine Mitschüler in der 2b der Sportmittelschule in der Wiener Pastorstraße.

Die Auflage, binnen dreier Werktage aus ihrer Wohnung in Wien ins Rückkehrzentrum umzuziehen, wurde den Tikaevs am 27. Dezember zugestellt. Ali konnte sich nicht einmal verabschieden – zumal die Wohnsitzauflage mit einer Gebietsbeschränkung auf den Bezirk Schwechat verbunden ist.

Daher dürfen derzeit weder er noch seine drei Geschwister zum Unterricht in ihre Wiener Schulen. "Das widerspricht der Schulpflicht", kommentiert Kinderanwältin Pinterits. Sollte es, wie geplant, zur Rückführung nach Tschetschenien kommen, käme das etwa für die 16-jährige Arina Tikaev einem "Ende ihres Lebenswunsches" gleich, wie sie sagt. Sie wolle Kindergärtnerin werden und mache in Wien eine Ausbildung. In Tschetschenien könne sie das nicht.

Kein Verfahrensschritt im Bleiberechtsverfahren

Rückgeführt werden soll die Familie auf Basis eines 2015 rechtskräftig gewordenen Ausreisebescheids. 2016 brachten die seit 2011 in Österreich lebenden Tikaevs einen Bleiberechtsantrag ein: Neben der schulischen Integration der Kinder führten sie Jobzusagen für den Vater und dessen B2-Deutschkenntnisse ins Treffen. Der Antrag blieb ohne jeden Verfahrensschritt liegen. Die erste Einvernahme erfolgte am 3. Jänner 2018.

Zu diesem Zeitpunkt lebte die Familie schon unter Wohnsitzauflage in Schwechat. Ihr Anwalt Christian Schmaus zweifelt, ob der Mandatsbescheid, der sie zur Übersiedlung verpflichtete, verfassungsrechtlich haltbar ist: "Ein Mandatsbescheid wird erteilt, wenn Gefahr in Verzug ist. Im Fall der Tikaevs ist eine solche Gefahr nicht zu erkennen." (Irene Brickner, 18.1.2018)

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