Kurz bei "Maischberger", Kern bei Wolf: Politik des Tönens, mehr oder weniger Fakten

Video18. Jänner 2018, 12:38
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Die dankbare Rolle von Kanzler Sebastian Kurz in der Regierungsdarstellung

Es ist vollbracht: Kanzler Sebastian Kurz war bei der deutschen Kanzlerin. Und für die Fernsehwelt noch wichtiger, er absolvierte auch bei Talkdoyenne Sandra Maischberger ein einstündiges Antrittsinterview. Der Politiker hat dort alle Erwartungen erfüllt, für die er auch gewählt wurde: Immer superhöflich und smart, und bitte nicht zu tief in politische Sachfragen vordringen. Denn dort herrscht der große Wiglwogl.

Die "Ehe für alle" hätte seinem Empfinden nach "nicht unbedingt Ehe" heißen müssen (ja, was denn sonst?). Und was er denn von Trump halte? Natürlich dass er demokratisch gewählt wurde und er als "glühender Demokrat" die Entscheidung des amerikanischen Volkes voll respektiere.

Besonnener FPÖ-Aufpasser

Kurz kommt ja deshalb oft glimpflich davon, weil ihm die dankbare Aufgabe zukommt, neben der FPÖ die Rolle des besonnenen Aufpasser-Partners zu spielen. Auch Maischberger interessierte sich ausgiebig für die Provokationsklaviatur der FPÖ.

foto: screenshot ard mediathek
"Haben Sie einen Studentenausweis?": Sandra Maischberger verkniff sich im Interview mit Sebastian Kurz keine Fragen mit Untertönen.

Wenn sich Heinz-Christian Strache in Tirol von einer strammen Trommelmarschgruppe, die an faschistische Inszenierungen erinnert, auf die Bühne eskortieren lässt (Video wurde eingespielt), dann kann Kurz wieder zum Beschwichtigungssermon anheben, den er so gut beherrscht, und einmahnen, man solle sich besser an Inhalte halten. Ja, eh! Aber wo sind sie denn? Zum Beispiel der: die Neuaufstellung der Mangelberufsliste. Diese war zwar bei Maischberger kein Thema, dafür aber am selben Abend in der "ZiB 2" bei Armin Wolf, wo der SPÖ-Klubobmann Christian Kern zu Gast saß.

Wolf und Kern

Dieser hatte mit seiner ausländerfeindlichen Behauptung, die Regierung wurde mit der Ausweitung der Liste "150.000 Ukrainer, Russen und Türken ins Land holen", Irritation ausgelöst. Wolf fragte scharf. Kern präzisierte: Durch das Hereinholen von Massenberufen – er nannte Friseure, Buchhalter oder Fensterputzer – würde ein Billiglohnmarkt etabliert, der soziale Standards abbauen und heimische Arbeitnehmer unter Druck setzen würde.

Video: Kern in der "ZiB 2" (Langfassung)

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Wird Kurz also von der Gnade seines eigenen Phänomens getragen, haben die anderen Sachpolitik zu betreiben. (Margarete Affenzeller, 18.1.2018)

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