Westbahnstrecke in Tirol wegen Lawinengefahr gesperrt

    Video18. Jänner 2018, 14:29
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    Erste Ausläufer von Sturm "Friederike" erreichten Deutschland – Lawinengefahr in weiten Teilen Österreichs

    Innsbruck/Offenbach/Amsterdam – Wegen der prekären Lawinensituation ist am Donnerstag die Westbahnstrecke zwischen Landeck-Zams und St. Anton am Arlberg gesperrt worden. "Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet", berichtete ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. Die Dauer der Sperre war vorerst nicht absehbar.

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    Derzeit ist die Westbahn zwischen Landeck/Zams und St. Anton am Arlberg gesperrt (ORF-Sendung "Tirol Heute" von Donnerstagabend).

    Grund für die erhöhte Lawinengefahr in weiten Teilen Österreichs ist das Sturmtief "Friederike", das bereits am Mittwoch für Schäden in Nordeuropa gesorgt hatte.

    ÖBB will "kein Risiko eingehen"

    "Die Lage wird von der Lawinenkommission laufend neu beurteilt", sagte Gasser-Mair. Die ÖBB baten, die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen, aber die Sicherheit gehe vor, so Gasser-Mair: "Wir wollen keinesfalls ein Risiko eingehen".

    Es sei ein Schienenersatzverkehr zwischen Landeck-Zams und Bludenz ohne Halt in St. Anton am Arlberg eingerichtet. Für Reisende, die nach St. Anton wollen, stünden aber in Bludenz Shuttle-Züge bereit.

    Warnstufe vier in Salzburg

    In Salzburg hat "Friederike" am Donnerstag für verbreitet große Lawinengefahr (Stufe vier der fünfstufigen Skala) in den Bergen gesorgt. Wegen der ergiebigen Neuschneemengen und Windverfrachtungen herrschte eine sehr angespannte Lawinensituation. Die Katschbergstraße (B99) wurde zwischen Obertauern und Tweng wegen der Lawinengefahr gesperrt.

    Laut Lawinenwarndienst Salzburg ist die Auslösebereitschaft für Schneebrettlawinen vom lichten Hochwald aufwärts groß. Die Kombination von ergiebigem Neuschnee, Sturm und ungünstiger Unterlage führte zu einer heiklen Lawinensituation. Auch exponierte Verkehrswege sind durch Lawinen, die spontan abgehen können, gefährdet.

    Auch mäßig steiles Gelände betroffen

    Wintersportler abseits der Pisten müssen besonders aufpassen: Wegen der ungünstigen Unterlage können Lawinen auch im mäßig steilen Gelände schon bei geringer Zusatzbelastung – zum Beispiel durch einen einzelnen Skifahrer – ausgelöst werden. Der frische Triebschnee ist sehr störanfällig. Wegen des anhaltenden Höhenwindes und weiterer Schneefälle bleibt die Situation auch in den nächsten Tagen angespannt.

    In den Nockbergen im Lungau herrscht erhebliche Lawinengefahr (Stufe drei). Auch hier sind dem Lawinenlagebericht zufolge die Möglichkeiten für Wintersportler eingeschränkt und erfordern Erfahrung in der Lawinenbeurteilung.

    Auf mehreren Gebirgsstraßen wurde Schneekettenpflicht für alle Fahrzeuge verhängt: auf der Hochkönigstraße (B164) über dem Dientner- und Filzensattel, der Gerlosstraße (B165) zwischen Gerlospass und Wald im Pinzgau, der Katschbergstraße (B99) zwischen Untertauern und Obertauern sowie auf kleineren Landesstraßen wie in Rauris, Embach und Eschenau.

    Der Deutsche Wetterdienst warnt vor dem Sturmtief.

    "Friederike" über Deutschland

    "Friederike" ist vom Deutschen Wetterdienst (DWD) zum Orkan heraufgestuft worden. Das Unwetter habe Orkanstärke erreicht, sagte ein DWD-Sprecher am Donnerstag in Offenbach. Es treten Böen mit Geschwindigkeiten von bis 130 Kilometern pro Stunde auf. Der DWD warnt vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln oder anderen umherfliegenden Gegenständen.

    Betroffen seien die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen, Bayern. Während des Unwetters ist am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen ein Mann von einem umstürzendem Baum erschlagen worden. Das Unglück ereignete sich auf einem Privatgrundstück in Emmerich. Der Mann erlag demnach noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen.

    In Hamburg ist ein 17 Jahre alter Schüler im Sturmtief "Friederike" lebensgefährlich verletzt worden. Ein Ast mit etwa 30 Zentimetern Durchmesser habe den Buben am Kopf getroffen, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Der Schüler erlitt demnach schwere Verletzungen.

    Zugverkehr eingestellt

    Aufgrund der Orkanböen wurde in Nordrhein-Westfalen der Zugverkehr eingestellt. Die Deutsche Bahn warnt zeitgleich vor Zugausfällen und Verspätungen in anderen Teilen des Landes. Auf der Schnellstrecke zwischen Köln und Frankfurt am Main wurde der Bahnverkehr ebenfalls eingestellt. In Rheinland-Pfalz wurde der Verkehr zudem auf den Linien Mönchengladbach-Koblenz, Wesel-Koblenz und Koblenz-Köln bis auf weiteres gestoppt, wie das Unternehmen mitteilte

    Zudem fallen an den Flughäfen München, Hannover und Bremen Flüge aus. Vor allem innerdeutsche Verbindungen sind davon betroffen.

    Der Flugverkehr von und nach Amsterdam war vorübergehend eingestellt worden.

    Flüge in Amsterdam gestrichen

    Der heftige Sturm hat in den Niederlanden zwei Menschen getötet. In der Ortschaft Olst im Osten des Landes sei ein 62-jähriger Mann von einem abgebrochen Ast erschlagen worden, teilte die Polizei mit. In Enschede nahe der deutschen Grenze starb nach Polizeiangaben ein Autofahrer, nachdem ein Baum auf das Auto gefallen war.

    Im ganzen Land herrschte höchste Alarmstufe und Verkehrschaos wegen des Orkantiefs "Friederike": Der internationale Flughafen Schiphol in Amsterdam hat wegen des Sturms am Donnerstag vorübergehend alle Flüge gestrichen. Das teilte der Airport beim Kurzmitteilungsdienst Twitter mit, kurz nachdem der niederländische Wetterdienst KNMI die höchste Alarmstufe ausgegeben hatte. Auch auf Gleisen und Straßen ging nichts mehr. (APA, red, 18.1.2018)

    • Auch Rotterdam war vom Sturmtief "Friederike" betroffen.
      foto: apa/afp/anp/robin utrecht

      Auch Rotterdam war vom Sturmtief "Friederike" betroffen.

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