Trump greift Pressefreiheit mit "Fake News"-Preisen an

    18. Jänner 2018, 13:30
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    US-Präsident kürte auf der Website der Republikaner zehn Artikel

    Washington – US-Präsident Donald Trump trieb seinen Kampf gegen unabhängigen Journalismus am Mittwoch mit der Verleihung der "Fake News"-Medienpreise auf die Spitze. Auf der Website der Republikanischen Partei führte er zehn Artikel auf, die seiner Meinung nach "falsch" seien.

    Darunter befinden sich tatsächlich fehlerhafte Berichte, die später korrigiert wurden, sowie solche, die Trump für unwahr hält. Auf Platz eins etwa landete Paul Krugman von der "New York Times", weil dieser am Tag der Wahl Trumps erklärt habe, dass sich die Wirtschaft niemals von dem neuen Präsidenten erholen werde. Auf Platz elf führte Trump zudem keinen konkreten Artikel an, sondern allgemein die Berichterstattung über angebliche Absprachen zwischen Russland und Trumps Wahlkampfteam. Dabei handle es sich womöglich um die größte Ente, denn es habe keine Absprachen gegeben – sagt Trump.

    Trump hatte die "Preise" wochenlang angekündigt, ihre Verkündung war bereits verschoben worden. Von einer Zeremonie zu ihrer Verleihung der Preise war nun nicht mehr die Rede.

    Defekter Link

    Der Versuch, den "Fake News Award" per Twitter zu vergeben, ging in der Nacht allerdings ins Leere. Der Link für seine Medienschelte, den Trump seiner Twitterbotschaft hinzufügte, funktionierte nicht. Möglicherweise brach der Server wegen hoher Nachfrage zusammen.

    Wer nachsehen wollte, welches Medium aus Sicht des Präsidenten besonders unkorrekt berichtet habe, landete lange Zeit im digitalen Nichts. Die Seite sei nicht erreichbar, hieß es, man solle es bitte später probieren. US-Medien berichteten dann unter Berufung auf das Weiße Haus über die Rangliste.

    In einem zweiten Tweet fügte Trump hinzu: "Trotz einer teilweise sehr korrupten und unredlichen Berichterstattung gibt es viele Reporter, die ich respektiere. Und es gibt viele GUTE NACHRICHTEN für das amerikanische Volk, auf die man stolz sein kann!" Das ist ein zwar eingeschränktes, aber seltenes Trump-Lob für Journalisten.

    Die "Verleihung" brachte dem US-Präsidenten viel Kritik ein, auch aus den Reihen der eigenen Partei. Senator John McCain sprach etwa von Trumps Versuchen "eine der wichtigsten Säulen der Demokratie zum Schweigen zu bringen".

    Ähnlich äußerte sich der scheidende Senator Jeff Flake, der Trump immer wieder kritisiert. Mit seinem Vorgehen liefere Trump dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad und dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte Vorlagen.

    Auch das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) erklärte in der Nacht, Bedrohungen von Journalisten und der Pressefreiheit gäben keinerlei Anlass zum Spaßen. Das CPJ erklärte auf Twitter in Anlehnung an Formulierungen etwa bei Filmauszeichnungen und auch mit Trump'schen Großbuchstaben: "In der Kategorie Gesamtleistung im Untergraben der globalen Pressefreiheit ist der GEWINNER der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump."

    (red, APA, Reuters, 18.1.2018)

    Update 10:20: Artikel um weitere Informationen ergänzt.

    • US-Präsident Donald Trump im Kampf mit den Medien.
      foto: apa/afp/brendan smialowski

      US-Präsident Donald Trump im Kampf mit den Medien.

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