Pro & Kontra: Skigymnastik

    Kolumne23. Jänner 2018, 13:45
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    Keine Kälte, gratis und absolut ungefährlich oder zwangsverordnete Gesundheit

    foto: imago/schmidhuber
    Die Ex-Skistars Rosi Mittermeier und Christian Neureuther beim Vorturnen.

    Pro
    von Franziska Zoidl

    Ich fand Skigymnastik immer schon großartig. Wer dabei an langweilige Übungen im miefenden Schulturnsaal denkt, liegt falsch. Zumindest was den Mief angeht. Heute wird zu Hause geturnt, Online-Trainingsvideos sei Dank.

    Die Übungen sind aber so wie früher: Kniebeugen, Planks, Wedeln im Stand (sieht lustig aus!), ein bisschen Springen, viel Dehnen. Heute wird das Skifahren außerdem simuliert, indem auf Wackelbrettern balanciert wird. Zum Abschluss ein moderater Lauf, all das mindestens dreimal pro Woche. Das Ziel des Ganzen: die Muskulatur kräftigen, die Kondition verbessern, Verletzungen vorbeugen. Wer rechtzeitig anfängt, kann auf der Piste vielleicht schon die Muskeln spielen lassen – zumindest wenn man kälteresistent ist.

    Wenn nicht: Die Kälte bleibt einem bei der Skigymnastik erspart. Gratis ist sie obendrein. Und im Gegensatz zum Skifahren absolut ungefährlich. Ach, ich sag's ehrlich: Auf der Piste trifft man mich wegen alldem seit Jahren nicht an. Unlängst hat mein Vater meine alten Ski verscherbelt. Nur die Skigymnastik, die betreibe ich weiterhin. Man weiß ja nie.

    Kontra
    von Eric Frey

    Als Babyboomer gehöre ich zur Generation der Ilse-Buck-Geschädigten. So weit ich mich zurückerinnere, hörte ich morgens im Radio die weibliche Stimme, die mich mit freundlicher Strenge zu Kniebeugen und Liegestützen aufforderte und so tat, als gehe das ganz ohne Schweiß und Schmerz. Isometrie hieß die Zauberformel, die uns alle in drahtige Leistungsträger verwandeln sollte. Jane Fondas Aerobic kam einige Jahre später per Video, das war freiwillig. Aber Ilse Bucks "Fit mach mit" war 33 Jahre lang zwangsverordnete Gesundheit.

    Immer noch tönt ihre Stimme im Ohr, wenn mir jemand empfiehlt, rechtzeitig vor dem Skiurlaub mit Skigymnastik anzufangen. "Sonst brichst du dir noch was", heißt es dann, ganz in der Tradition mittelalterlicher Höllenszenarien.

    Leute, ich betreibe genug Sport und will mich aufs Skifahren einfach nur freuen. Glaubt ihr, dass die coolen Carver auf den Pisten zuvor brav ihre Übungen absolvieren? Und noch kein Skifahrer hat nach einem Kapitalsturz ausgerufen: "Ohne Skigymnastik hätte ich mir jetzt was getan!" (RONDO, 23.1.2018)

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