Die Influenzawelle rollt an, der Impfstoff geht aus

    17. Jänner 2018, 11:00
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    Erstmals gibt es einen Vierfachgrippeimpfstoff. Er schützt auch gegen die derzeit grassierende Influenza B. Das Problem: Er ist fast ausverkauft

    Wien – Seit acht Tagen bringt sie offiziell auch die Österreicher ins Schwitzen: die Grippewelle. Laut aktuellen Hochrechnungen gab es in Wien in der vergangenen Woche 8.400 gemeldete Neuerkrankungen, die Woche davor waren es 6.800. Die typischen Symptome: sehr hohes Fieber, trockener Husten, starke Kopf- und Gliederschmerzen. "Bei mindestens 80 Prozent handelt es sich um eine echte Grippe. Davon sind über 70 Prozent auf Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie zurückzuführen", sagt Monika Redlberger-Fritz, Virologin der Med-Uni Wien.

    Wirksam, aber aus

    Die gute Nachricht: Die Grippeimpfung bietet heuer einen guten Schutz, denn erstmals gibt es einen Vierfachimpfstoff, der die Influenza-Stämme der Typen A/H1N1, A/H3N2, B/Victoria und das derzeit grassierende B/Yamagata abdeckt. Das Problem: "Der Großhandel kann diese tetravalenten Impfstoffe nicht mehr liefern. Vereinzelt sind sie aber noch in Apotheken erhältlich", betont Elisabeth Ort von der Österreichischen Apothekerkammer. Es wird zwar noch ein Dreifachimpfstoff angeboten, der ist allerdings gegen die dominierende Yamagata-Linie unwirksam.

    Für die Unterversorgung dürften die Österreicher selbst verantwortlich sein. "Wir sind ein impfmüdes Land. Nur fünf bis acht Prozent der Bevölkerung lassen sich gegen Grippe impfen. Das wissen die Pharmafirmen, deshalb ist das Kontingent dementsprechend klein", erklärt Redlberger-Fritz.

    Was die Situation zusätzlich verschärft: Derzeit werden insgesamt acht Grippeimpfstoffe unterschiedlicher Hersteller vertrieben. Doch nur drei Anbietern ist es gelungen, einen tetravalenten Impfstoff zu entwickeln. Dabei handelt es sich um Fluarix tetra von Glaxo Smith Kline, Vaxigrip tetra von Sanofi und Fluenz tetra von Astra Zeneca. "Wir haben 50.000 Impfdosen in Österreich verkauft. Die Herstellung beginnt im Frühjahr, eine Änderung der Produktionsmenge braucht daher eine längere Vorlaufzeit. Deshalb ist es nicht möglich, kurzfristig auf eine erhöhte Nachfrage zu reagieren", erklärt Ulrike Laaha, Abteilungsleiterin für die Impfstoffherstellung von Glaxo Smith Kline Österreich.

    Impfung noch möglich

    Zumindest für die Altersgruppe der Zwei- bis Achtzehnjährigen kann der Verband der österreichischen Arzneimittelgroßhändler (Phago) Entwarnung geben: "Das Nasenspray Fluenz tetra für Kinder und Jugendliche ist noch lieferbar." Das ist insofern relevant, da vor allem die Kleinen vor Influenza-B-Viren geschützt werden sollten, wie Redlberger-Fritz betont. "In den vergangenen Jahren konnten wir beobachten, dass die Influenza B nicht automatisch einen milderen Verlauf hat. Besonders bei Kindern kann eine Infektion zusätzlich Bauchweh, Übelkeit und eine Muskelentzündung auslösen."

    Für Erwachsene, die sich jetzt noch mit dem Vierfachimpfstoff schützen wollen, gibt es laut Phago eine Hintertür: "In Deutschland ist das Vakzin weiter erhältlich. Patienten sollen sich den Impfstoff von ihrem Hausarzt verschreiben lassen und mit dem Rezept in die Apotheke gehen. Über einen Kleinimport via Einzelbestellung kann der Großhandel die Vakzine aus Deutschland anfordern."

    Übrigens: Es macht Sinn, sich jetzt noch impfen zu lassen. Der Impfschutz ist innerhalb von zehn Tagen aufgebaut. Idealerweise mit der Tetra-Variante, aber auch der Dreifachimpfstoff bietet mehr Schutz als gar keiner. (Günther Brandstetter, 17.1.2018)

    Aktualisierung um 18:50 Uhr, 17.1.2018: Laut Phago kann auch das Nasenspray Fluenz tetra nicht mehr vom Großhandel ausgeliefert werden.

    • Influenza-Viren sind keine statischen Gebilde, sondern ständigen Einflüssen unterworfen. Sie wandeln sich dauernd. Das erschwert die Vorhersage der genauen Charakteristika und der Wirkung des Impfstoffs.
      foto: istockphoto.com

      Influenza-Viren sind keine statischen Gebilde, sondern ständigen Einflüssen unterworfen. Sie wandeln sich dauernd. Das erschwert die Vorhersage der genauen Charakteristika und der Wirkung des Impfstoffs.

    • In Wien kletterte die Anzahl der Neuererkrankungen an Grippe und grippalen Infekten in der Vorwoche auf 8.400. "Bei mindestens 80 Prozent handelt es sich um eine echte Grippe", sagt Monika Redlberger-Fritz, Virologin an der Med-Uni Wien.
      foto: picturedesk.com

      In Wien kletterte die Anzahl der Neuererkrankungen an Grippe und grippalen Infekten in der Vorwoche auf 8.400. "Bei mindestens 80 Prozent handelt es sich um eine echte Grippe", sagt Monika Redlberger-Fritz, Virologin an der Med-Uni Wien.

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