Ute-Bock-Preis an Rudolf Gelbard und Helga Feldner-Busztin

16. Jänner 2018, 16:35
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SOS Mitmensch zeichnet zwei Holocaust-Zeitzeugen aus, die vor weiterem Erstarken des Rechtsextremismus warnen

Wien – Zum 14. Mal wird heuer der nach der bekannten Flüchtlingshelferin benannte Ute-Bock-Preis für Zivilcourage der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch verliehen. An zwei Menschen, deren Leben und Wirken vom Nationalsozialismus und dem Kampf gegen ihn geprägt war, weil sie in jungen Jahren zu seinen Opfern wurden – und die sich seither dem Ziel verschrieben haben, über das Schreckensregime und den damaligen Völkermord an den Juden Europas aufzuklären, um ein Wiederaufleben des Faschismus hintanzuhalten.

Ausgezeichnet werden Helga Feldner-Busztin (89) und Rudolf Gelbard (88). Beide gehören zu den letzten in Österreich noch lebenden Zeitzeugen des Holocaust. Beide haben vor der Nationalratswahl 2017 in Videobotschaften dazu aufgerufen, keine Rechtsextremen in die österreichische Bundesregierung zu wählen. Dafür ernteten sie, neben viel Zuspruch, auch viele Hasspostings.

Alexander Pollak: "Wichtige Vorbilder"

"Helga Feldner-Busztin und Rudolf Gelbart sind in unserer Gesellschaft wichtige Vorbilder. Mit ihrer Aufklärungsarbeit an Schulen und in Vorträgen haben sie mit dazu beigetragen, dass es im heutigen Österreich Menschen gibt, die historische Zusammenhänge kennen und die über das Entstehen und die schrecklichen Folgen von massivem Unrecht Bescheid wissen", begründet SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak die Preisträger-Wahl.

Der 1930 in Wien geborene Rudolf Gelbard wurde mit seinen Eltern 1942 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Nur wenige Kinder überlebten wie er die dortige Haft. Seit seiner Befreiung 1945 setzt er sich als Mitglied der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer für die Aufklärung über die NS-Verbrechen ein. In der Israelitischen Kultusgemeinde ist er Kulturreferent. Für seine Verdienste wurde er von der Republik Österreich mit dem Berufstitel Professor und weiteren Auszeichnungen geehrt, darunter die Joseph-Samuel-Bloch-Medaille.

Die 1929 in Wien geborene Helga Feldner-Busztin wurde 1943 als sogenannter "Judenmischling" zusammen mit ihrer zum Judentum konvertierten Mutter und ihren Geschwistern ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Die Familie samt des in die Konzentrationslager Buchenwald und Auschwitz verschleppten jüdische Vaters überlebte. Zahlreiche andere Verwandte hingegen wurden ermordet. Nach dem Krieg studierte Feldner-Busztin Medizin und wurde Internistin. Ihre Erfahrungen in der Nazizeit hat sie in einer Reihe von Dokumentationen und im Rahmen vieler Vorträge geschildert.

Feierliche Matinee zu 25 Jahren SOS Mitmensch

Überreicht wird der diesjährige Ute-Bock-Preis, der mit 7.000 Euro dotiert ist, im feierlichen Rahmen der – inzwischen ausverkauften – 25-Jahres-Jubiläums-Matinee von SOS Mitmensch im Wiener Burgtheater. Dort werden unter anderem Maschek, Mo Zulu Art, Elisabeth Orth, Christoph und Lolo, Stefanie Sargnagel und Dirk Stermann auftreten. (Irene Brickner, 16.1.2018)

  • Klärt in Schulen und Vorträgen als Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer seit 1945 über den Nationalsozialismus auf: Rudolf Gelbard.
    foto: apa/hochmuth

    Klärt in Schulen und Vorträgen als Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer seit 1945 über den Nationalsozialismus auf: Rudolf Gelbard.

  • Veröffentlichte – wie Gelbard auch – vor der Nationalratswahl eine Videobotschaft, in der sie vor dem Eintritt Rechtsextremer in die österreichische Regierung warnte: Helga Feldner-Busztin.
    foto: milena österreicher

    Veröffentlichte – wie Gelbard auch – vor der Nationalratswahl eine Videobotschaft, in der sie vor dem Eintritt Rechtsextremer in die österreichische Regierung warnte: Helga Feldner-Busztin.

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