Teile von Chinas Raumlabor Tiangong 1 werden auf der Erde einschlagen

    16. Jänner 2018, 13:50
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    Der Absturz dürfte im März oder April erfolgen. Das genaue Einschlaggebiet ist weiterhin unklar

    Darmstadt/Peking – 2016 geriet das chinesische Raumlabor Tiangong 1 im Erdorbit außer Kontrolle. Mittlerweile können Raumfahrtexperten einschätzen, wann seine Teile ungefähr auf der Erde einschlagen werden. Wo die Trümmer dagegen herunter kommen, dürfte vorerst weiterhin unklar sein: "Wir rechnen irgendwann zwischen Mitte März und Mitte April mit dem Eintritt in die Erdatmosphäre", sagte Holger Krag von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA am Montag in Darmstadt.

    "Die Wahrscheinlichkeit, dass auf der Erde etwas passiert, ist aber sehr, sehr gering", erklärte Krag. Dass Teile des rund 8,5 Tonnen schweren "Himmelspalasts" in Deutschland oder Österreich herunter kommen, sei sogar ausgeschlossen.

    Riesiges Einschlaggebiet

    Das Gebiet, über dem die Trümmer eintreten können, ist riesig. Krag spricht von "einem Gürtel von 43 Grad südlich bis 43 Grad nördlich des Äquators mit allen Längen". Damit kann es alle Kontinente – bis auf die Antarktis – und alle Ozeane treffen. "Die Wahrscheinlichkeit ist innerhalb dieses Gebietes nahezu gleich verteilt." Lediglich der nördliche und der südliche Rand seien etwas mehr gefährdet. Dazu gehörten beispielsweise Italien und Spanien.

    Weil die mögliche Absturzregion so viel Wasser und Wüsten umfasse, sei es fraglich, ob sich nach dem Absturz überhaupt ein Teil des "Himmelspalasts" finden lasse. "Es fällt auch nicht alles auf einen Fleck, sondern verteilt sich über eine Schleppe von 1.000 bis 1.200 Kilometer", sagte Krag.

    Ungenauer Zeitpunkt

    Wann genau die Trümmer von Tiangong 1 auf die Erde fallen, lasse sich aber nicht exakt sagen. Denn das Raumlabor kreise innerhalb eines Tages 16 Mal um die Erde. Zehn Tage vor dem Eintritt in die Atmosphäre gebe es immer noch eine Ungenauigkeit von plus/minus zwei Tagen.

    Etwa 1,5 bis 3,5 Tonnen des 8,5 Tonnen schweren "Himmelspalasts" würden voraussichtlich den Wiedereintritt überstehen, "nicht in einem Stück, sondern in mehreren Fragmenten", sagte Krag. "70 bis 80 Tonnen Raumfahrtschrott kommen durchschnittlich in einem ganzen Jahr unkontrolliert runter." Darunter sei alle drei bis vier Jahre auch etwas Größeres wie die Tiangong 1.

    Vorbereitung für chinesische Raumstation

    China hatte Tiangong 1 im September 2011 ins All geschossen, wo das Raumlabor über die Jahre sechs Kopplungsmanöver mit chinesischen Raumschiffen der Shenzhou-Reihe absolvierte. Seit 2016 umkreist auch der Nachfolger Tiangong 2 die Erde. In dem neuen chinesischen Raumlabor können zwei Astronauten länger als im Vorgängermodell leben. Auch hat Tiangong 2 eine höhere Ladekapazität und lässt sich erstmals auftanken.

    Die Labors dienen der Vorbereitung für den Bau und Betrieb einer eigenen chinesischen Raumstation, die um 2022 fertig werden soll. Sollte die Internationale Raumstation (ISS) wie vorgesehen 2024 ihren Dienst einstellen, wäre China danach die einzige Nation mit einem permanenten Außenposten im All. Chinas Raumstation dürfte mit rund 60 Tonnen aber deutlich kleiner sein als die ISS mit ihren 240 Tonnen. (APA, red, 16.1.2018)

    • Chinas "Himmelspalast" Tiangong 1 wird demnächst auf die Erde stürzen. Wo und wann genau das passiert, ist allerdings vorerst noch unklar.
      illustr.: reuters/jiuquan satellite launch centre

      Chinas "Himmelspalast" Tiangong 1 wird demnächst auf die Erde stürzen. Wo und wann genau das passiert, ist allerdings vorerst noch unklar.

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