Wie sich weiße Blutkörperchen trainieren lassen

    15. Jänner 2018, 09:23
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    Das menschliche Immunsystem hat ein Gedächtnis – Infekte wirken auf die Stammzellen der weißen Blutkörperchen, diese Funktion will man in der Krebstherapie nutzen

    Das menschliche Abwehsystem folgt einer ausgeklügelten Strategie. Es sind zwei Hauptsysteme, die die Menschen vor Infektionen schützen, die angeborene und die erworbene Immunität. Erstere ist quasi die schnelle körperliche Antwort auf Infektionen, um Zeit zu gewinnen, bis die erworbene oder auch adaptive Immunität aktiviert wird und die begonnene Arbeit fortführt.

    Die adaptive Immunität identifiziert und bekämpft den Erreger auf sehr spezifische Weise und baut ein immunologisches Gedächtnis auf. So "erinnert" sich der Organismus an die früheren Herausforderungen und reagiert schneller und stärker, wenn in Zukunft die gleichen Erreger ins Spiel kommen.

    Obwohl das immunologische Gedächtnis als eine ausschließliche Eigenschaft der adaptiven Immunität angesehen wurde, wurde diese Lehrmeinung kürzlich von mehreren Forschungsgruppen in Frage gestellt. Insbesondere fördern bestimmte mikrobielle Infektionen oder Impfstoffe eine verstärkte Reaktion von weißen Blutkörperchen auf eine spätere Infektion mit den gleichen oder sogar unterschiedlichen Pathogenen.

    Angeboren oder erworben

    Dieser Prozess des angeborenen immunologischen Gedächtnisses wurde als trainierte angeborene Immunität bezeichnet, da weiße Blutzellen mit geeigneten Reizen, wie etwa beta-Glucan, das sich auch in den Zellwänden von Pilzen und Pflanzen befindet, "trainiert" werden können, um schneller und stärker gegen zukünftige Infektionen reagieren zu können.

    Die trainierte angeborene Immunität hat beeindruckende Langzeitwirkungen, bis zu mehreren Monaten, die überraschend sind, da weiße Blutkörperchen in aller Regel nur eine relativ kurze Lebensdauer im Blutkreislauf haben.

    Dieses Paradox wurde nun durch eine Studie des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des Universitätsklinikums Dresden gelöst. Diese Studie hat gezeigt, dass eine trainierte angeborene Immunität auf die Vorläufer der zirkulierenden weißen Blutkörperchen im Knochenmark wirkt, die als hämatopoetische Stamm- und Vorläuferzellen (HSVZ) bekannt sind.

    Wirkt über Stammzellen

    Da HSVZ viele Generationen von weißen Blutkörperchen hervorbringen können, könnte die Studie die langfristigen Auswirkungen der trainierten angeborenen Immunität erklären. Das Forschungsteam von Triantafyllos Chavakis, Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des Universitätsklinikums Dresden, fand gemeinsam mit einem internationalen Team heraus, dass das Immuntraining von HSVZ durch beta-Glucan zu einer anhaltenden positiven Reaktion des blutbildenden Systems führte. Ein Effekt, der helfen könnte, dass sich die Bildung von weißen Blutkörperchen wieder beschleunigen lässt – denn während der Chemotherapie wird dieser Prozess ausgebremst. (red, 15.1.2018)

    Originalpublikation:

    Modulation of Myelopoiesis Progenitors Is an Integral Component of Trained Immunity

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