Die Aufmerksamkeitspolitik der Liste Pilz

Kommentar14. Jänner 2018, 17:37
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Pilz zurückholen, das garantiert tagesaktuelle Präsenz in der politischen Öffentlichkeit

Eine skandalschwangere Schlagzeile hier, eine humorvolle Zitierung dort, eine Fernsehkamera da und natürlich viele, viele Mikrofone allüberall – man vermisst das, wenn man das einmal gewohnt war. Peter Pilz war das gewohnt. Es hat ihm stets geschmeichelt, wenn seiner Intelligenz und seiner umfangreichen Sammlung von Dokumenten die ihm verdient scheinende öffentliche Aufmerksamkeit zuteil geworden ist.

Schmeichelhaft für ihn war es, dass nach seiner Zurücksetzung durch die Grünen eine Wahlbewegung zustande kam, die ihm weitere Aufmerksamkeit sicherte. Noch schmeichelhafter, dass diese Wahlbewegung dann auch noch erfolgreich war.

Umso schmerzhafter war es für ihn, wegen Vorwürfen sexueller Belästigung aus der Bahn geworfen zu werden. Exil. Schweigegelübde. Schmerzliches Vermissen der Aufmerksamkeit. Aber auch so viele Rufe, so viele Anrufe, dass er selbst vermisst werde: Was soll denn aus seinem Projekt bloß werden, so ganz ohne ihn? Eine berechtigte Frage.

Da ist kein herausragender politischer Inhalt, schon gar kein Programm auszumachen – Inhalt, Programm und Name hießen bisher Pilz. Immerhin den Namen will die Liste ändern. Und Pilz zurückholen, das garantiert tagesaktuelle Präsenz in der politischen Öffentlichkeit.

Darüber hinausgehende politische Festlegungen werden Pilz und seinen Gefährten aber nicht erspart bleiben. (Conrad Seidl, 14.1.2018)

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