Erbsen als Grundlage für Burger und Schnitzel

13. Jänner 2018, 11:00
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Burger oder Schnitzel aus Erbsen zu produzieren ist in der Gastronomie noch neu. Aber genau damit will die Firma Veggie Meat den Fleischkonsum reduzieren

Amstetten – Burger sind von den heimischen Speisekarten kaum mehr wegzudenken. Dass aber der amerikanische Klassiker oder ein heimischer Evergreen wie das Schnitzel mit Eigenschaften wie vegan, glutenfrei und ohne Konservierungsstoffe vereint wird, ist untypisch. Doch genau darauf hat sich die niederösterreichische Firma Veggie Meat spezialisiert. Vegini heißt das Fleischersatzprodukt, das auf Basis von Erbsenprotein hergestellt wird.

Wasser, Erbsenfaser, Erdäpfelstärke, Sonnenblumenöl und Salz, so lauten die Basiszutaten der Vegini-Rezeptur. Die daraus resultierende Produktpalette hat jedoch mehr zu bieten, als man meinen möchte. Das Grundprodukt ist in Form von Pulled Chunks (vergleichbar mit Pulled Pork), Faschiertem oder in Würfelform erhältlich.

foto: andreas danzer
Andreas Gebhart und Johann Tanzer und ihre Vegini-Produkte (v.li.)

Für den Verkauf wird dieses allerdings mit verschiedenen Marinaden und Kräutern verfeinert. Weiters befinden sich Burger-Patties und vorpanierte Schnitzel und Nuggets im Sortiment. Optisch weist Vegini durchaus Ähnlichkeiten mit Fleisch auf, auch die Haptik beim Essen ist vergleichbar. Geschmackliche Unterschiede sind allerdings bemerkbar.

"Wir sprechen mit unseren Produkten jene Teile der Bevölkerung an, die sich einerseits gesünder und andererseits fleischlos(er) ernähren möchten", sagt einer der Geschäftsführer und Vegini-Erfinder Andreas Gebhart.

Nicht ins Mittagsloch fallen

Hoher Proteingehalt und lang anhaltendes Sättigungsgefühl – damit wirbt das Unternehmen für die seine Produkte. Man werde schnell satt, falle aber nicht in das unbeliebte Mittagsloch, erklärt Gebhart. Mit einem Proteingehalt von 20 bis 30 Prozent entspreche eine 140 Gramm Portion Vegini in etwa dem Proteingehalt von 200 Gramm Fleisch, so Gebhart.

Gebhart und der zweite Geschäftsführer Johann Tanzer bezeichnen sich selbst als Flexitarier. Sie ernähren sich nicht fleischlos, verzichten aber weitgehend darauf. Unter der Woche haben sie außerdem wenig Möglichkeit dazu, da die eigenen Produkte in der Fabrik täglich verkostet werden.

Flexitarier zählen zur Zielgruppe ebenso wie Veganer und Vegetarier. Es gebe da kein "Schubladendenken".

Bewusst auf Soja verzichten

Von Südamerika importiertes Soja werde häufig als Futterzusatz in der Massentierhaltung eingesetzt, außerdem würden Regenwälder für den Anbau gerodet. Davon wolle man sich abgrenzen, sagt Tanzer. Die Erbse sei außerdem optimal an das wechselhafte europäische Klima angepasst, was ein weiterer klarer Vorteil gegenüber der Sojabohne sei.

Veggie Meat setzt bei der Produktion daher ausschließlich auf europäische Rohstoffe. Aktuell beziehe man die Erbsen aus Frankreich, es gebe aber bereits intensive Gespräche mit heimischen Landwirten, damit man bei der Grundzutat künftig auch auf österreichischen Bio-Anbau setzen könne. Am Standort in Amstetten werden aktuell rund 1500 Tonnen Vegini pro Jahr hergestellt. Kapazitäten gebe es für 6000 Tonnen.

Köche aufmerksam machen

"Vegini in das Bewusstsein von Köchen zu bringen", sei eine der größten Hürden für die nähere Zukunft, sagt Tanzer. Der Trend zu einer fleischlos(er)en Ernährung gehe aber weiter und auch Restaurants und Hotels müssten sich darauf einstellen, um auf lange Sicht Kunden halten zu können, ist der Unternehmer zuversichtlich.

Neben österreichischen Supermärkten ist Vegini auch in Frankreich und Deutschland erhältlich. Mit italienischen Händlern wird derzeit verhandelt.

Die beiden gründeten das Unternehmen im Jahr 2015, im Frühjahr 2017 begann der Verkauf. Aktuell werden 29 Mitarbeiter beschäftigt, bis Ende 2018 soll auf 40 aufgestockt werden.

Von der leicht ironischen Standortwahl lässt man sich bei Veggie Meat nicht beirren, denn in rund 100 Metern Entfernung befindet sich einer der größten Schlachthöfe der Region (Andreas Danzer, 13.1.2018)

  • Dutzende Erbsen mussten für diesen Burger "sterben".
    foto: andreas danzer

    Dutzende Erbsen mussten für diesen Burger "sterben".

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