US-Ökonom Jeffrey Sachs: Bitcoin-Blase wird letztlich platzen

12. Jänner 2018, 14:42
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Die Regierungen würden ihr Monopol auf gesetzliche Zahlungsmittel nicht aufgeben und daher stärker gegen Digitalwährungen vorgehen

Wien – Nach den gewaltigen Kursgewinnen des vergangenen Jahres sieht der US-Ökonom Jeffrey Sachs in der der Kryptowährung Bitcoin "nichts anderes als eine Blase, die letzten Endes in sich zusammenfallen wird". Sein Hauptargument: Die Regierungen würden ihre Ansprüche auf ein Monopol bei gesetzlichen Zahlungsmitteln nicht aus der Hand geben und daher immer stärker gegen Bitcoin vorgehen, sagte Sachs in einem Kommentar mit Blick auf China und Südkorea.

In beiden Staaten gehen die Behörden bereits gegen Kryptowährungen vor oder ziehen dies immer stärker in Erwägung. Auch die US-Finanzaufsicht beginnt, nachdem sie lange Zeit untätig zugesehen habe, sich Sachs zufolge wegen der fehlenden Regulierung von Bitcoin & Co zunehmend zu sorgen.

Anonymität als Schwäche

Denn, so der Ökonom, in der von Anhängern von Kryptowährungen geschätzten Anonymität von Bitcoin liege gleichzeitig auch eine entscheidende Schwäche. Die Regierungen würden darauf bestehen, Geldflüsse nachvollziehen zu können, um Wirtschaftskriminalität, Steuerhinterziehung oder Terrorismus bekämpfen zu können. Gleichzeitig räumte Sachs ein, dass manche Regime diese Möglichkeiten auch zur Überwachung politischer Gegner einsetzen würden.

foto: apa/barbara gindl
Der US-Volkswirt Jeffrey Sachs erwartet, dass der Höhenflug von Bitcoin vor allem wegen zunehmender staatlicher Repression in einem Absturz münden wird.

Genau diese Unabhängigkeit von Staaten und Notenbanken macht Kryptowährungen für deren Anhänger attraktiv. Zudem erlange Digitalgeld aus demselben Grund wie bei herkömmlichen Währungen Wert, nämlich durch den Glauben, dass andere es bei Zahlungen für Waren und Dienstleistungen akzeptieren werden. Durch die Gestaltung von Bitcoin kann dessen Menge, anders als bei herkömmlichen Währungen, nicht beliebig vermehrt werden, und diese Knappheit verleihe der Währung ihren Wert, führt der Volkswirt weitere Argumente der Bitcoin-Anhänger an. "Diese Argumente sind clever", sagt Sachs, "und sie könnten stimmen."

Unterm Strich glaubt er jedoch, dass sie wahrscheinlich zu kurz greifen. Euro, Dollar und Co seien gesetzliche Zahlungsmittel, mit denen private Schulden oder Steuern bezahlt werden können. Keine Privatperson sei verpflichtet, Bitcoin anzunehmen, und Staaten würden wohl auch in Zukunft keine Zahlungen in Kryptowährungen akzeptieren, weil sie dadurch ihr Vorrecht auf das Zahlungsmittelmonopol und die Kontrolle des Geldes aufgeben würden, argumentiert Sachs.

Blockchain als Vorteil

Dabei räumt er der Kryptowährung durchaus auch Vorteile ein: Etwa erscheine Bitcoin durch die dezentral organisierte Blockchain, die Technologie hinter dem Digitalgeld, widerstandsfähig gegen Transaktionsfehler, die bei zentralen Abwicklungsstellen durchaus vorkommen könnten. Allerdings habe Bitcoin keinen Alleinanspruch auf diese Technologie. Jedermann könne die Blockchain bewundern und nutzen, ohne dass es Bitcoin Wert verleihen würde.

Abschließend erwartet Sachs, dass je strenger Regierungen gegen Bitcoin vorgehen werden, desto mehr dessen Wert sinken und womöglich kollabieren wird – wobei er den Zeitpunkt nicht vorhersagen könne. Jedoch sei die Kryptowährung zu anfällig für illegale Anwendungen und zu verletzlich bei staatlicher Regulierung, um langfristig zu überleben. Zumal er auch die sozialen Kosten durch den klimaschädlichen, hohen Energieverbrauch beim Mining als "schwerwiegenden Designfehler" ansieht.

Warum der Gesamtwert von Bitcoin seit Anfang 2017 von 16 auf nunmehr rund 240 Milliarden Dollar angestiegen ist, erklärt Sachs wie folgt: "Die wahrscheinlichste Antwort ist das tiefe menschliche Verlangen nach schnellen und einfachen Reichtum, das allzu oft in schneller und einfacher Verzweiflung endet." (aha, 12.1.2018)

  • Regierungen würden ihr Monopol auf gesetzliche Zahlungsmittel nicht unterwandern lassen, sagt Ökonom Jeffrey Sachs.
    foto: reuters/dado ruvic

    Regierungen würden ihr Monopol auf gesetzliche Zahlungsmittel nicht unterwandern lassen, sagt Ökonom Jeffrey Sachs.

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