Russland und Polen streiten über Absturz Kaczyńskis

11. Jänner 2018, 16:34
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Polen sieht Detonation als Ursache der Flugkatastrophe

Explosionsgefahr für die russisch-polnischen Beziehungen: Der Absturz einer polnischen Regierungsmaschine mit dem damaligen Präsidenten Lech Kaczyński an Bord ruft neuen Streit hervor. Eine nun vom polnischen Verteidigungsministerium eingesetzte Untersuchungskommission sieht eine Explosion als wahrscheinlichste Ursache der Katastrophe vom April 2010 in Smolensk an. Bei dem Unglück waren alle 96 Passagiere ums Leben gekommen.

Laut dem Bericht habe es an Bord mindestens drei Explosionen gegeben, die den linken Flügel der Tu-154 so beschädigten, dass die Maschine abstürzte. Die Kommission beruft sich in ihrer These auf die Expertise des britischen Luftfahrtspezialisten Frank Taylor.

Umstrittener Vorsitz

Zusätzliche Brisanz verleiht dem Geschehen eine Neuernennung der Spitze der Kommission: Ausgerechnet der frisch entlassene Verteidigungsminister Antoni Macierewicz soll laut einem Medienbericht mit der Leitung der Ermittlungen beauftragt werden. Macierewicz hatte die russischen Regierung beschuldigt, den Absturz verursacht zu haben.

In Moskau hat die neuerdings von Warschau vertretene Absturzthese Ärger hervorgerufen. Bereits im Dezember, als erste Gerüchte über den Bericht der Kommission kursierten, bezeichnete Russlands Präsident Wladimir Putin die Ergebnisse in seiner Pressekonferenz wahlweise als "Bluff" oder "Blödsinn".

Miserable Sicht

Die jetzige Veröffentlichung weist Moskau zurück. Das russische Ermittlungskomitee teilte mit, es gebe keine Beweise für eine Explosion an Bord. Der Vizechef des Außenausschusses im Föderationsrat, Wladimir Dschabarow, nannte die These unseriös. "In fünf Jahren werden sie von einer Atomexplosion an Bord reden", ironisierte er. Der Politiker warf der polnischen Seite versuchte Fälschung vor. Auch der russische Militärexperte Igor Korotschenkow sprach von politisch motivierten Untersuchungen.

Tatsächlich hatten bisher russische und polnische Ermittler erklärt, ein Pilotenfehler habe zur Katastrophe geführt. Der Flug fand unter extremen Wetterbedingungen statt. Trotz miserabler Sichtverhältnisse versuchten die Piloten in Smolensk zu landen und streiften dabei Bäume in der Einflugschneise. (André Ballin aus Moskau, 11.1.2018)

  • Mitarbeiter des russischen Katastrophenschutzministeriums an der Absturzstelle von Smolensk.
    foto: ap / mikhail metzel

    Mitarbeiter des russischen Katastrophenschutzministeriums an der Absturzstelle von Smolensk.

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