Norbert Hofer: Vertrauensfragen

Kolumne11. Jänner 2018, 16:42
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Hofer musste betroffen feststellen, dass sich die ÖBB-Aufsichtsratschefin Brigitte Ederer nicht ausreichend bemüht hat, sein Vertrauen zu gewinnen

Kaum im Amt – die Regierung will ja "Schnellzug" sein -, musste Norbert Hofer betroffen feststellen, dass sich die ÖBB-Aufsichtsratschefin Brigitte Ederer nicht ausreichend bemüht hat, sein Vertrauen zu gewinnen. Man muss seine Empfindlichkeit, wo es um Vertrauen geht, verstehen, hat ihm doch erst neulich eine Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher das Vertrauen in seine Fähigkeiten für einen anderen Job verweigert, obwohl er im Ringen darum sogar eine Pilgerreise nach Jerusalem absolviert hatte. Eine solche Kränkung muss man erst einmal verdauen.

Frau Ederer muss man andererseits zugutehalten, dass sie kaum Gelegenheit zu einem personenangepassten Vertrauensaufbau hatte, war Hofer doch noch keinen Tag im Amt, als der Schmerz ob des fehlenden Vertrauens in ihm zu toben begann und er – völlig überraschend, aber präzise – zu der Schmerzdiagnose gelangte, die Ursache liege in der Parteizugehörigkeit Frau Ederers.

Bei einem Vergleich beider Biografien erschließt sich dem unbefangenen Beobachter, dass Frau Ederer bei dem, was sie tat und tut, im kleinen Finger mehr Sachverstand vorweisen kann als der ganze frischgebackene Minister in Sachen Infrastruktur, unabhängig von jeder Parteizugehörigkeit. Vielleicht meinte er deshalb, es wäre höchste Eisenbahn, sie aus der ÖBB zu entfernen und ihren Vertrag zwei Jahre vor dessen Ende aufzukündigen. Er appellierte dabei in der von seiner Partei gewohnten Sachlichkeit neben dem nicht näher definierten Vertrauensmangel zusätzlich an die Einsicht des Publikums in das schwere Los eines freiheitlichen Ministers: Man müsse ihn eben verstehen – und schmecks. Die neurolinguistisch programmierte Süßholzraspelei sollte der Maxime Bahn brechen, dass Minister dieser Regierung umso mehr Anspruch auf Verständnis und Vertrauen haben, je weniger sie ihn argumentieren können. Sie sollen erst gar nicht müssen, das wäre ja noch schöner.

Es ist unbestritten, dass sich Minister ihre unmittelbaren Mitarbeiter aussuchen können. Wie käme man heute ohne Generalsekretäre über die Koalitionsrunden! Darüber geht die freiheitliche Anverwandlung Lenin'schen Geistes nach der Formel "Vertrauen ist gut, Burschenschafter ist besser" in diesem Fall aber doch ein wenig hinaus. Ginge es bloß um die Entfernung eines SPÖ-Mitglieds zwecks höherer Objektivität in Sachen Bundesbahnen – Vertrauen wäre nicht ausgeschlossen. Dass der vorgesehene Ederer-Ersatz auch Managementerfahrung mitbringt, schadet zwar nicht, wirklich vertrauensbildend ist aber wohl doch der Umstand, dass er als Mitglied der schlagenden Burschenschaft Teutonia rechtsextremen Stallgeruch in die Bundesbahn bringen kann. Das sollte eventuelle Unkosten aus vorzeitigen Vertragsauflösungen spielend wettmachen, zumal dafür der Steuerzahler aufkommt.

Wenn im Ringen um Vertrauen um sich schlagende Minister in schlagenden Burschenschaftern endlich die Menschen gefunden haben, denen sie wirklich vertrauen, wenn die Infrastruktur der FPÖ auf die Infrastruktur der Republik übertragen werden soll, geht es mit Österreich sicher aufwärts. Dank Hofer. (Günter Traxler, 11.1.2018)

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