Preis, Ladedauer, Reichweite bleiben Hemmschuhe für E-Autos

10. Jänner 2018, 19:09
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Was im alten Jahr galt, hat sich nicht groß verändert

Wenn man einen Tesla kauft, bekommt man kostenlose Fernreisen durch das ganze Land – für immer." 2013 verkündete Techmilliardär Elon Musk die Frohbotschaft anlässlich des Ausbaus des hauseigenen Ladestationennetzes. "Einzigartig an den Superchargern", wie er gewohnt vollmundig erklärte.

Für immer dauerte dann genau bis 2017, dann wurde Stromtanken an den schnellen Ladestationen für Tesla-Besitzer kostenpflichtig. Was dieses Beispiel zeigt: E-Mobilität steht am Anfang, immer noch. Vergleichbar mit den Jahren, als die Mobiltelefonie Einzug hielt. An dem bescheidenen Anteil von unter zwei Prozent auf den Straßen ändern auch die zuletzt deutlich gestiegenen Zulassungen nicht viel.

Eigene Wissenschaft

Noch ist Stromtanken und E-Autokaufen eine Wissenschaft für sich: nicht vergleichbare Tarife beim Laden, unterschiedliche Leistungen bei den Stationen, verschiedene Handhabung in Sachen Batterie. Ganz abgesehen davon, dass die Autos trotz Förderung teurer sind als Benziner und Diesel. All das wird dafür sorgen, dass sich so schnell auch nichts ändern wird, glaubt Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung. Die alten Themen werden jene sein, die auch im neuen Jahr ein rasches Wachstum bei den Stromern verhindern werden, ist er überzeugt und fasst noch einmal zusammen, was den Nutzern wichtig ist: "Preis, Ladedauer, Reichweite."

Tatsächlich haben einige Autobauer für heuer neue Modelle angekündigt, deren Reichweite bei 300 Kilometern liegen soll – zumindest auf dem Papier. Ein Schönwetterwert, wie Wiesinger sagt. "Wir werden uns das genau anschauen, aber erfahrungsgemäß kommt man im Winter gerade einmal halb so weit."

Neue Lade-Infrastruktur

Im Regierungsprogramm findet man dennoch Hinweise, dass das Thema E-Mobilität zumindest eines ist. Bessere Abdeckung von Lade-Infrastruktur findet sich da etwa als Punkt im Kapitel Verkehr und Infrastruktur. Was hier tatsächlich helfen könnte, ist auch angerissen: bundesweit einheitliche Standards und Nutzungsmöglichkeiten beim Infrastrukturausbau für Elektromobilität.

Offen ist, wie es in Sachen Anreize, Steuern und Förderung weitergeht. Noch sind gut 15 Millionen Ankaufförderung für Firmen und private im Topf für E-Mobilität. Der Nutzen der Ankaufsförderung wurde schon anlässlich der Einführung angezweifelt, eine Evaluierung ist geplant. Die neue Umweltministerin Elisabeth Köstinger hat jedenfalls schon festgehalten, dass sie die Einhaltung der Klimaziele ohne Abschaffung des Dieselprivilegs schaffen will.

Ob Steuerzuckerln für E-Autobesitzer wie Wegfall der NoVA (Normverbrauchsabgabe) und motorbezogenen Versicherungssteuer den angekündigten Großputz der neuen Regierung überdauern, ist noch offen. (Regina Bruckner, 11.1.2018)

  • 5433 Neuzulassungen bei E-Autos sind zwar ein beträchtlicher Anstieg, raus aus der Nische ist man damit trotzdem nicht.
    foto: imago / mcphoto

    5433 Neuzulassungen bei E-Autos sind zwar ein beträchtlicher Anstieg, raus aus der Nische ist man damit trotzdem nicht.

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