Risikomanager ortet "viele Missverständnisse" um Bitcoin

13. Jänner 2018, 10:00
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Boston-Consulting-Berater: Etliche Annahmen über die Digitalwährung treffen aus seiner Sicht nicht gänzlich zu

Wien – Kryptowährungen wie Bitcoin sind aus Sicht von Michael Widowitz "ein spannendes Thema" – allerdings schränkt der Experte für Risikomanagement von der Beratungsfirma Boston Consulting ein: "Ich glaube, dass es dabei viele Missverständnisse gibt." Oder anders ausgedrückt, er will mit so manchen Annahmen über Bitcoin aufräumen. Dazu zählt er etwa die Wahrnehmung, Besitzer der Kryptowährung seien komplett anonym, was aus Sicht von Widowitz nicht gänzlich zutrifft. "Bitcoin ist nicht 100-prozentig anonym." User würden im Internet Spuren hinterlassen, die auf ihre Identität hinweisen würden. Zudem brauche man einen Link zur realen Welt wie Handelsplattformen, wo man sich zumeist auch registrieren müsse.

Zudem betont Widowitz, dass die Digitalwährung auch nicht gänzlich sicher sei. Ein heikler Punkt sei etwa der Umgang mit dem Private Key, gewissermaßen ein aus einer Zeichenfolge bestehender Schlüssel, über den man letztlich Zugriff auf seine Bitcoins erhält. Diesen sollte man daher weder weitergeben noch verlieren. "Im Extremfall besteht das Risiko, die Bitcoins zu verlieren."

Zudem ist das Digitalgeld aus Sicht des Risikomanagers kein Ersatz für funktionierende, gesamte Finanzstrukturen, hinter denen Staaten, Banken, Aufsicht und Gesetzgeber stehen, denn: Bitcoin würde als neue Technologie auch neue Arten von Risiken bergen. Die Frage, "wem vertraue ich letztlich", beantwortet Widowitz für sich mit den herkömmlichen Strukturen.

Als Investment wenig geeignet

Aus seiner Sicht ist Bitcoin auch als Investment nur bedingt geeignet, obwohl man das Digitalgeld zu spekulativen Zwecken kaufen könne. Der Unterschied: Aktien etwa hätten einen "inhärenten Wert", zudem könnten Investoren Dividenden erwarten. Bitcoin würden Leute ausschließlich in der Erwartung kaufen, dass andere künftig mehr dafür zahlen würden.

Dennoch sieht Widowitz auch Vorteile durch Bitcoin, da die Digitalwährung grundsätzlich funktioniere und somit ein "Anwendungsbeweis für die Blockchain" sei. Dabei handelt es sich um jene Technologie, auf der das dezentrale Bitcoin-Netzwerk aufsetzt. Wegen des Höhenflugs der Kryptowährung habe diese "spannende Technologie", für die es etliche andere Anwendungsmöglichkeiten gebe, viel Aufmerksamkeit erhalten. "Ich bin gespannt, was von der Blockchain noch auf uns zukommt", sagt Widowitz, "denn darin sehe ich die große Segnung durch Bitcoin." (aha, 13.1.2018)

  • In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Bitcoin als anomyn – aber nicht aus Sicht eines Boston Consulting-Beraters.
    foto: ap photo/rick bowmer

    In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Bitcoin als anomyn – aber nicht aus Sicht eines Boston Consulting-Beraters.

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