Vilimsky kritisiert Kampfkurse für Flüchtlinge

10. Jänner 2018, 16:55
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Der FPÖ-Generalsekretär beklagt sich auf Facebook über das Wiener Integrationsprojekt "Freedom Fighters". Dessen Initiator überlegt zu klagen

Sie nennen sich "Freedom Fighters", haben jedoch, wenn es nach FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky geht, rein gar nichts mit Frieden zu tun. Auf Facebook und Twitter kritisiert der EU-Parlamentarier das Projekt von Ronny Kokert, Gründer des Fitnessstudios Shinergy in Wien-Josefstadt. "Fast jeden Tag Übergriffe von Asylwerbern auf Österreicher. Und dann gibt es noch kostenloses Kampftraining? Wie absurd ist das denn?", schreibt Vilimsky.

Kokert ist empört und hat mittlerweile seinen Anwalt beauftragt zu prüfen, ob eine Klage wegen Rufschädigung möglich ist. "Er hat mit seiner negativen Darstellung ja nicht nur das Projekt selbst beschädigt, sondern auch mein ganzes berufliches Tun", sagt Kokert zum STANDARD. Der Kampfsportweltmeister gibt seit Jahren vergleichbare Kurse, der Zugang sei auch pädagogisch längst als positiv erwiesen, sagt er. "Wir machen aus dem gemeinsamen Kämpfen ein miteinander Üben."

Bis zu 17 Kursteilnehmer – allesamt geflüchtete Jugendliche, die entweder in Flüchtlingsunterkünften oder bei Pflegefamilien wohnen – kommen zwei- bis dreimal pro Woche zum Training in die Josefstadt und lernen dort Technik, Kampfkunst, Disziplin und den Respekt vor anderen, wie ein Teilnehmer dem Fernsehteam von "Wien heute" schildert. Kokert setze sich für "seine Jungs" ein, habe einem Kursteilnehmer beispielsweise erfolgreich eine Lehrstelle vermitteln können.

foto: corn
Die "Freedom Fighters" mit Ronny Kokert.

Auch andere Projekte nutzen den Kampfsport für Integration: Bei "Not in God's Name" ist das Ziel die Deradikalisierung gefährdeter Jugendlicher. Die Donaustadt war im Herbst 2016 der erste Bezirk, der das Projekt offiziell förderte und unterstützte. Auch international ist es schon aufgefallen: einen Besuch im Brüssler Stadtteil Molenbeek hat es gegeben, und auch Kontakte in die USA.

Was "Freedom Fighters"-Initiator Kokert besonder stört: "Dass Vilimsky das auf seiner offiziellen Facebook-Seite gepostet hat. Man trägt als Politiker ja eine Verantwortung. Da kann es nicht sein, dass man vollkommen unbescholtene Bürger in ein falsches Licht rückt." Eine Antwort habe er von Vilimsky noch nicht erhalten. "Ich erwarte mir eine Entschuldigung."

Bevor sich Vilimsky über die "Freedom Fighters" äußerte, wurde das Projekt bereits von Krone.at-Chef Richard Schmitt kritisiert. Er antwortete Kokert auch – was er da mache, sei gefährlich. "Für Exekutive, Frauen, Mitschüler, alle. PS: Asylwerber könnten ja Fußball spielen."

Der FPÖ-Generalsekretär will sich in den nächsten Tagen bei Kokert melden, "wenn ich dazu komme", sagt er zum STANDARD. Er bleibe bei seiner Meinung: Personen aus Kriegsgebieten seien in Kampfkursen nicht gut aufgehoben. "Wir haben in der Stadt ethnische Konflikte, die mit Fäusten ausgetragen werden", begründet Vilimsky und verweist auch auf den aktuellen Sicherheitsbericht, wonach die Kriminalität unter Flüchtlingen gestiegen sei. Diffamieren wolle er niemanden, aber es gebe sinnvollere Sportangebote für Geflüchtete. (lhag, 10.1.2018)

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