Anzeige gegen ÖFB-Boss Windtner: Rundumschlag aus Wels

    10. Jänner 2018, 17:44
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    Der Fußballpräsident ist davon überzeugt, dass er sich bei der Verwendung einer 100.000-Dollar-Spende von Ex-Fifa-Chef Blatter nichts zuschulden kommen ließ

    Wien – Schuld sind die Eisenbahner. Das Unheil hat vermutlich mit der Gründung des ESV Wels (in anderen Worten: Eisenbahner Sportverein Wels) im Jahr 1950 seinen Lauf genommen, die Auswirkungen sind aber erst seit April 2017 spürbar. Im Verein, er hat auch Sparten wie Stocksport und Tennis, hat sich die Abteilung Fußball mit dem Rest überworfen.

    Die Gründe sind eher wurscht, es kam jedenfalls zu einer Abspaltung. Die Kicker waren in der Ersten Klasse Mitte West Oberösterreich engagiert, der oberösterreichische Landesverband hat sie vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Funktionäre reagierten mit einer Anzeige bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien, als Beschuldigter wurde Leo Windtner auserkoren. Der ist erstens Oberösterreicher und zweitens Präsident des österreichischen Fußballbundes (ÖFB).

    Die Abtrünnigen legten Medienberichte aus dem Jahre 2015 vor. Windtner musste sich damals und jetzt "den Vorwurf gefallen lassen, bei einer 100.000-Dollar-Spende durch den in Verruf geratenen Ex-Weltverbandsboss Sepp Blatter intransparent und rechtlich fragwürdig agiert zu haben." Die Rechercheplattform Addendum, sie wird von Red Bull finanziert, und das Portal 90minuten.at, berichteten am Dienstag über die Ermittlungen. Windtner ist erbost: Über die Berichterstattung, den Rundumschlag aus Wels, nicht über die Behörde. "Sie muss ja Anzeigen nachgehen."

    100.000 von Blatter

    Die Vorgeschichte: Windtner hatte einst Blatter um 100.000 Dollar für sein Sozialprojekt in Kenia angeschnorrt. Es heißt Acakoro, bietet 110 Kindern ein besseres Leben, mehr Chancen. Es gilt als Vorzeigeprojekt, wurde geprüft und gelobt, nie beanstandet. Schirmherrin ist Windtners Ehefrau. Blatter ließ sich überzeugen, der Mann hatte ja stets einen offenen Geldbeutel. Das Geld wurde auf das Konto des ÖFB überwiesen, was freilich gar nicht ging, schließlich ist Acakoro eine Privatinitiative und hat mit dem Verband nichts zu tun. Die Summe wurde rücküberwiesen.

    Windtner ließ nicht locker, Blatter war so nett, die 100.000 auf ein Konto der Linzer Oberbank zu überweisen, ohne sich das genehmigen zu lassen. Der Schweizer stand im Wahlkampf. Der Verdacht, er wollte sich Windtners Stimme erkaufen, wurde geäußert, allerdings hat der ÖFB den Schweizer nicht gewählt. Er wurde trotzdem bestätigt, für ein paar Wochen, der Rest ist Skandalgeschichte.

    Am Mittwoch meldete sich auch Blatter zur Sache: "Ich erinnere mich an den Fall, aber es gibt nichts Illegales daran", erklärte er in einer Stellungnahme gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP.

    "Optisch patschert"

    Windtner, der im Dezember 2017 von den Ermittlungen gegen ihn erfahren hat, gesteht ein, dass die "Angelegenheit optisch patschert gelaufen" ist. "Aber es ist jeder Cent belegt. Meine Frau und ich zahlen alle Spesen selbst. Wir sind stolz auf dieses Projekt." Der Weltverband untersucht seine Funktionäre auf Integrität, auch Windtner, ein Ergebnis steht aus.

    Juristen, die kein Naheverhältnis zu Windtner haben, glauben, dass die Korruptionsstaatsanwaltschaft die Ermittlungen letztendlich einstellt. Sollte das nicht der Fall sein, und es zu einer Anklage kommen, wäre Windtner als ÖFB-Chef wohl Geschichte. "Darüber denke ich nicht nach, ich habe mir nichts vorzuwerfen."

    Im Juni 2017 wurde der 67-Jährige (seit 2008 im Amt) wiedergewählt. Er wankte, scheiterte daran, die Verträge von Teamchef Marcel Koller und Sportdirektor Willi Ruttensteiner zu verlängern, Landeschefs und Liga wollten Franco Foda und Peter Schöttel. Die Außendarstellung war ein Desaster. "Das ist Geschichte, der ÖFB ist gut aufgestellt." Windtner hofft, "dass Wels bald Vergangenheit ist". (Christian Hackl, 10.1.2018)

    • Leo Windtner ist stolz auf sein Projekt in der Nähe von Nairobi.
      foto: apa/expa/jfk

      Leo Windtner ist stolz auf sein Projekt in der Nähe von Nairobi.

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