Wenn sich Platz zwei wie ein Triumph anfühlt

10. Jänner 2018, 12:41
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Bernadette Schild ist trotz verpassten ersten Weltcupsiegs auf Wolke sieben: "Wenn du als Letzte oben stehst, weißt du, wofür du das machst"

Flachau – Schon lange nicht mehr hat man im Skiweltcup eine so zufriedene Zweite gesehen. Bernadette Schild verpasste Dienstagabend in Flachau zwar wieder einmal ihren ersten Weltcupsieg, sprach aber dennoch vom "schönsten Tag meiner Skikarriere". Ihre Begründung: "Das hier ist ja ein echtes Heim-heim-Rennen."

Die Erleichterung war Schild jedenfalls anzumerken. Denn die Form bei der jüngeren Schwester der Slalomkönigin Marlies Raich geht vor Olympia weiter klar nach oben. Zwar sind es noch fünf Wochen bis zum Olympia-Slalom, aber Schild scheint mit 28 Jahren endlich in der Slalomweltklasse angekommen zu sein. Laufbestzeiten in Kranjska Gora und Flachau belegen das.

Olympia-Quartett zeichnet sich ab

Hinter der Teamleaderin formiert sich außerdem ein immer stärker werdendes ÖSV-Team, das Hoffnung auf mehr gibt. Vor allem die "drei jungen Katharinas" Truppe (21), Liensberger (20) und Gallhuber (20) werden immer besser und könnten zusammen mit Schild auch das Olympia-Quartett im Slalom bilden.

Für Schild ist es keine Selbstverständlichkeit, an der Spitze dieses Teams zu stehen. Zweite war sie bei ihrem ersten Podestplatz im März 2013 in Lenzerheide, legte im Dezember darauf mit Platz drei in Courchevel nach. Jenem Rennen, in dem sie erstmals geführt und das dann Schwester Marlies gewonnen hatte.

Doch dann kam sie fast zwei Jahre lang fast nicht mehr vom Fleck, wurde 2015 nicht einmal zur WM in die USA mitgenommen. Nunmehrige Genugtuung sei aber nicht das vorherrschende Gefühl, betonte sie in Flachau.

"Wenn man damals an mein Können geglaubt hätte, wäre auch der Umgang mit mir sicherlich ein anderer gewesen. Ich habe damals wirklich das Vertrauen in einige Leute verloren. Zwei Jahre war ich fertig, hatte das Gefühl, nicht gut Skifahren zu können", erläuterte sie.

Geduld gefragt

Von verlorenen Jahren wollte Schild dennoch nicht sprechen. "Ich habe dadurch extrem viel gelernt. Ich war davor ein sehr hastiger Mensch, wollte schnell an die Spitze und das, was Marlies gelassen hat, übernehmen", gestand sie nun erstmals. "Ich musste deshalb lernen, dass Dinge ab und zu halt länger brauchen und dass man hartnäckig bleiben muss."

Viel ist passiert seitdem. Schild hat geheiratet und ihr Studium beendet, ist nun Bachelor of Arts. Sie habe in der Zeit aber auch entdeckt, wie gerne sie eigentlich Ski fahre, obwohl sie immer wieder auch eine auf den Deckel bekommen habe.

Vor allem hat sie aber das Gefühl für "superschnelle Schwünge und Läufe" wiedergefunden. "Ich bin nun technisch wirklich gut und auch stabil und schnell auf den Beinen, analysierte sie sich selbst. "Es war aber ein langer und harter Weg und es hat sicher die letzten eineinhalb Jahre gedauert, hierherzukommen."

Nicht zuletzt wegen ihres Studiums hat Schild nicht nur die Ski-Welt im Kopf. "Es gibt so viel Anderes." Deshalb sei es ihr gelungen, vor vier Jahren das Olympia-Aus in Sotschi wegzustecken. "Weil wir eine Sportart betreiben, in der es Gott sei Dank eine ganze Tour gibt und immer ein Rennen danach kommt."

Kontrollierte Finalfahrt

In der Flachau-Entscheidung setzte sie nach Halbzeit-Führung nicht auf volle Attacke, sicherte vor den Augen ihrer Schwester lieber Platz zwei ab und lieferte Mikaela Shiffrin den 41. Sieg quasi frei Haus. "Es war wirklich speziell, einmal hinter Mika im zweiten Durchgang los zu fahren. Wenn du als Letzte dort oben stehst, weißt du, wofür du das machst und wofür du manchmal auch weinst." Einen Ausfall wollte sie auf jeden Fall vermeiden. "Ich war nicht bereit, das zu riskieren."

Insgesamt hat Schild aber auch eine spezielle Leichtigkeit gefunden. "Ich habe in Kranjska Gora beschlossen, keine Pläne mehr zu machen, sondern einfach drauflos zu fahren", erklärte sie ihre nun so schnellen Läufe. "Skifahren ist ja doch in erster Linie Spaß." (APA, 10.1.2018)

  • Eine glückliche Seriensiegerin (Mikaela Shiffrin) und eine ebenso glückliche Zweite (Bernadette Schild/re).
    foto: apa/expa/erich spiess

    Eine glückliche Seriensiegerin (Mikaela Shiffrin) und eine ebenso glückliche Zweite (Bernadette Schild/re).

  • Mit einem perfekten Ritt stellte die US-Amerikanerin im Finale die Rangordnung wieder her.
    foto: ap/ marco trovati

    Mit einem perfekten Ritt stellte die US-Amerikanerin im Finale die Rangordnung wieder her.

  • Und das Publikum war begeistert.
    foto: apa/expa/johann groder

    Und das Publikum war begeistert.

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