Spionageangst: US-Provider werfen Huawei-Smartphones raus

    10. Jänner 2018, 12:09
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    Huawei-CEO bei Auftritt auf CES merklich verärgert – Unternehmen will nun Geräte online verkaufen

    Eigentlich wollte Richard Yu seine Keynote auf der Elektronikmesse CES dazu nutzen, den Markteinstieg seines Unternehmens in den USA zu feiern. Doch dann kam alles anders – und die IT-Welt bekam einen ungewohnt offenen Einblick in die Gemütslage eines Managers zu sehen.

    Abgesagter Deal

    Kurz vor der CES hat AT&T einen Deal mit dem chinesischen Hardwarehersteller Huawei platzen lassen. Zu den Gründen für diese Entscheidung äußert man sich sich offiziell nicht, hinter den Kulissen ist es aber kein großes Geheimnis was passiert ist: Spionagebefürchtungen lassen die US-Provider vor einer Kooperation mit Huawei zurückschrecken, zum Teil dürften hier auch Regierungsstellen Druck ausüben.

    Ähnliche Verdächtigungen waren in den letzten Jahren immer wieder gegen Huawei ins Feld geführt worden. So warnte etwa vor sechs Jahren eine für den US-Kongress erstellte Untersuchung explizit vor dem Einsatz von Huawei-Technologie, da diese genutzt werden könnte, um die Mobilfunkinfrastruktur zu schwächen. Damals ging es allerdings nicht um Smartphones sondern um Netzwerkausrüstung.

    Alternative

    Der Abgang von AT&T lässt Huawei erneut ohne großen Carrier-Deal dastehen. Stattdessen soll das Huawei Mate 10 Pro nun über die Webseite des Unternehmens verkauft werden, betont Yu. Auch bei diversen Online-Händlern soll das Gerät unterkommen. Für die Verkaufschancen stellt dies allerdings eine massive Niederlage dar, da in den USA fast 90 Prozent aller Smartphones bei den Mobilfunkbetreibern gekauft werden.

    Ärger

    All dies verleitete Yu im Rahmen seiner CES-Keynote vom Skript abzuweichen, und seiner Verärgerung Luft zu machen. Man habe in den letzten Jahren das Vertrauen von Kunden auf der ganze Welt gewonnen, und dabei auch bewiesen dass man auf die Privatsphäre und Sicherheit der eigenen Kunden Wert lege. Dass US-Provider aus irrationalen Ängsten keine Huawei-Smartphones verkaufen wollen, sei vor allem für die Konsumenten ein schwerer Verlust, da dadurch die Auswahl reduziert werde. (red, 10.1.2018)

    • Richard Yu auf der CES: Zufrieden mit dem aktuellsten Smartphone seines Unternehmen, weniger zufrieden mit US-Providern.
      foto: rick wilking / reuters

      Richard Yu auf der CES: Zufrieden mit dem aktuellsten Smartphone seines Unternehmen, weniger zufrieden mit US-Providern.

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