Hunderte Festnahmen und dutzende Verletzte bei Protesten in Tunesien

    Video11. Jänner 2018, 07:43
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    Vor allem junge Menschen protestieren gegen steigende Kosten und Sparmaßnahmen, am Mittwoch wurde eine jüdische Schule auf Djerba Ziel eines Brandanschlages

    Tunis – In Tunesien hat es in der dritten Nacht in Folge gewaltsame Proteste gegeben. In der nordtunesischen Stadt Siliana bewarfen Jugendliche die Sicherheitskräfte mit Steinen und Molotow-Cocktails, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Polizei setzte Tränengas ein.

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    Die dritte Nacht in Folge protestieren die Menschen in Tunesien gegen die steigenden Preise und die Sparpolitik.

    Außerdem zündeten in Kasserine im Zentrum des Landes junge Demonstranten Reifen an, um Straßen zu blockieren. Sie bewarfen die Polizei mit Steinen.

    Hunderte Festnahmen

    Die einflussreiche Gewerkschaft UGTT hat die Gewalt verurteilt. Allerdings seien die sozialen Forderungen der Demonstranten legitim, erklärte die Gewerkschaft am Mittwoch. Sie rief die Demonstranten dazu auf, "friedlich zu protestieren", um nicht von Parteien "benutzt" zu werden, die nicht das Gelingen "unserer gerade geborenen demokratischen Erfahrung" wollen.

    Bisher sind 237 Menschen nach Angaben des Innenministeriums in mehreren Städten des Landes festgenommen worden. Darunter sind demnach auch zwei Islamisten, die eine Polizeiwache und ein Regierungsgebäude attackierten. Dutzende seien verletzt worden. Die Proteste richten sich gegen die Sparpolitk der Regierung.

    Kundgebungen am Freitag

    Die Aktivisten der Kampagne "Fech Nestannew" ("Was wir wollen") riefen zu Massenprotesten am Freitag auf. Sie fordern ein Ende der harten Sparpolitik der Regierung, eine bessere soziale Absicherung für Familien in Schwierigkeiten und einen Plan für den Kampf gegen Korruption.

    In einer Vorstadt von Tunis wurde am Dienstagabend ein Supermarkt geplündert. Laut Zeugenangaben warfen Jugendliche Steine in die Schaufenster. Anschließend hätten sie das Chaos genutzt, um das Geschäft zu plündern. Vor allem hätten sie elektrische Haushaltsgeräte gestohlen. Die Polizei griff mit Tränengas ein.

    In der Nacht auf Mittwoch gab es unter anderem in Tebourba rund 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Tunis Proteste. Dort gingen hunderte junge Menschen auf die Straße. Sie bewarfen Sicherheitskräfte mit Steinen, diese reagierten mit dem Einsatz von Tränengas, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Ähnliche Szenen spielten sich auch in den Städten Sidi Bouzid, Kasserine, Gafsa, Jedaida sowie in ärmeren Vororten von Tunis ab.

    Angriff auf jüdische Schule

    Abseits der Proteste wurden auf der Insel Djerba nach Angaben eines Sprechers der jüdischen Gemeinde Tunesiens zwei Molotowcocktails auf zwei Talmudschulen geworfen. Im Inneren der Schulen habe es keine Schäden gegeben, ergänzte der Sprecher.

    Die Proteste folgten auf die Beerdigung eines Mannes, der bei einer Demonstration am Montag ums Leben gekommen war. Offen ist nach wie vor, wie es zum Tod des Demonstranten am Montagabend in Tebourba kam. Der Obduktionsbericht wurde bisher nicht veröffentlicht. Das Innenministerium bestritt, dass die Polizei den 45-Jährigen tötete.

    Das Außenministerium in Wien empfiehlt Tunesien-Reisenden "dringend", die aktuellen Nachrichten laufend zu verfolgen, Menschenansammlungen weiträumig zu meiden und den Anweisungen von lokalen Sicherheitskräften Folge zu leisten. (APA, AFP, 10.1.2018)

    • Bei Protesten in Tunis wurden bereits mehr als 200 Menschen festgenommen.
      foto: apa/afp/sofiene hamdaoui

      Bei Protesten in Tunis wurden bereits mehr als 200 Menschen festgenommen.

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