Meteore: Brocken aus dem All werden auch von innen zerstört

14. Jänner 2018, 18:30
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US-Forscher nahmen den Meteor von Tscheljabinsk als Modellfall heran und stießen auf einen explosiven Faktor, der bislang vernachlässigt worden war

foto: ap photo/ap video
Dieses Bild ging 2015 um die Welt: ein Meteor über Tscheljabinsk.

New Orleans – Am 15. Februar 2013 explodierte etwa 30 Kilometer über dem russischen Uralgebirge nahe der Stadt Tscheljabinsk ein Himmelskörper, der in die Atmosphäre eingedrungen war. Die dabei produzierte Leuchterscheinung war der größte Meteor seit einem Jahrhundert – zumindest was Fälle betrifft, in denen es Beobachter gab. Etwa 1.500 Menschen wurden verletzt, hauptsächlich durch die Folgen der von der Explosion ausgelösten Druckwelle.

Als Mechanismus, der einen solchen Brocken noch vor dem Einschlag auf dem Boden zerstören kann, gilt seit jeher die Reibung: Immerhin prallt ein Meteoroid mit hoher Geschwindigkeit auf immer dichtere Luftschichten. Das ist auch korrekt – aber nicht das vollständige Bild, berichteten US-Forscher auf einem Treffen der American Geophysical Union in New Orleans. Die Zerstörung beginne zum Teil auch von innen.

Neue Berechnungen

Das Team um Jay Melosh von der Purdue University in Indiana weist in seiner Studie, die in "Meteoritics & Planetary Science" veröffentlicht wurde, auf einen Mangel bisheriger Modelle hin. Dort würden Objekte simuliert, die zu sehr Raumschiffen ähneln – nicht zuletzt deshalb, weil man umfangreiches Datenmaterial über den Atmosphäreneintritt von Space Shuttles und anderen Raumschiffen habe.

Ein Asteroid oder Meteoroid ist aber kein klingonischer Kampfkreuzer mit fester Oberflächenpanzerung. Vielmehr handle es sich um ein eher loses Konglomerat mit poröser Oberfläche, in die Luft eindringen kann. Und das hat laut Melosh drastische Folgen.

foto: reuters/andrei romanov
Das Zerstörungswerk war nicht nur am Boden umfangreich: Außer einem 60 Zentimeter großen Stück sind von dem Objekt nur kleine Fragmente übriggeblieben.

Die Forscher zogen den Tscheljabinsk-Meteor für eine Simulation heran, die die Porosität berücksichtigte. Es zeigte sich, dass sich vor dem Meteoroiden die Luft verdickt, während auf seiner Rückseite ein Vakuum entsteht. Die geballte Luft wird nun auf dieses Vakuum hingezogen – und muss dafür nicht nur den Weg um den Brocken herum nehmen, sondern zieht dank all der kleinen Poren, Spalten und Kanäle im Gestein auch mitten durch ihn hindurch – und das buchstäblich mit Hochdruck. Diese Luftströme können den Meteoroiden noch in der Luft zerstören. (red, 14. 1. 2018)

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