Shiffrin jagt in Flachau Pröll-Bestmarke

8. Jänner 2018, 14:58
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22-jährige Amerikanerin will in Salzburg 41. Weltcupsieg, hat aber Rechnung mit "Hermann Maier" offen – Konkurrenz wittert kleine Chance – Schild soll "Rücksack" abwerfen

Flachau – Ski-Überfliegerin Mikaela Shiffrin ist derzeit nicht zu biegen. Nach den Weltcupsiegen 39 und 40 am Dreikönigs-Wochenende in Kranjska Gora ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der 22-jährige US-Star die zweite große Kristallkugel sicher hat. Der nächste große Auftritt erfolgt Dienstagabend in Flachau. Beim Nachtslalom auf der Hermann-Maier-Piste geht es wieder um das höchste Damen-Preisgeld.

168.000 Euro werden unter Flutlicht (18.00/20.45 Uhr/live ORF eins) ausgelobt, dazu wird wieder die "Snow Space Salzburg princess" gekürt. Zwei Mal ist Shiffrin hier schon gekrönt worden, allerdings liegt ihr letzter Erfolg schon drei Jahre zurück. Zuletzt gab es vor einem Jahr sogar Enttäuschung, nachdem sie hinter der schwedischen Flachau-Spezialistin Frida Hansdotter und Nina Löseth zum zweiten Mal in Folge "nur" Dritte geworden war.

Dass Flachau nicht allzu steil ist, beflügelt die Hoffnung der Konkurrenz, der "Unschlagbaren" vielleicht vor Olympia doch noch eine weitere Slalom-Niederlage zufügen zu können. "Ich weiß, wie es geht", behauptet Petra Vlhova. Die Slowakin hatte Shiffrin beim Saisonstart in Levi das Nachsehen gegeben, auch in Finnland ist es nicht allzu steil.

Danach war Shiffrin in 14 Rennen zwölf Mal auf dem Podest und feierte neun Siege. Inklusive dem Abfahrts-Sensationstriumph in Lake Louise, weshalb ihr nur noch ein Super-G fehlt, um in den erlauchten Kreis der Gewinnerinnen in allen fünf Disziplinen zu kommen.

"Ich bin wirklich superhappy", freute sich Shiffrin in Slowenien, wo sie sich nun erstmals auch die "Golden-Fox-Trophäe" schnappte. "Es macht mir derzeit einfach viel mehr Spaß als in den Jahren zuvor", erklärte sie ihren aktuellen Höhenflug. "Ich habe das Gefühl, dass meine Ski auch trotz kleiner Fehler immer nach unten wollen. Das Umfeld passt und ich genieße im Moment das Skifahren noch mehr als in den Jahren zuvor."

Shiffrin hat vergangenen März erstmals den Gesamtweltcup gewonnen. Dieser habe sich "unverdient" angefühlt, hatte die Amerikanerin wegen der vielen Ausfälle von Konkurrentinnen aber gemeint. Mittlerweile gewinnt die von Mutter Eileen betreute Atomic-Fahrerin nicht nur serienweise Rennen sondern deklassiert dabei die Mitbewerberinnen in einem selten gesehenen Ausmaß. In Flachau peilt sie den 41. Sieg an, so viele hat vor dem 23. Geburtstag nur Annemarie Moser-Pröll geschafft.

"Ich will aber niemand demotivieren, sondern eher motivieren", antwortete Shiffrin auf die Frage, ob ihr die krasse Überlegenheit unangenehm sei. Sie erwarte trotzdem einen harten Kampf, vor allem im Riesentorlauf beteuerte sie. Wo die Reise eher hingeht, verriet eine andere Aussage: "Trotz der Vorsprünge waren es bisher nicht immer nur optimale Läufe von mir."

In Flachau kann Shiffrin weiter nachlegen und ihren gigantischen Vorsprung von derzeit 721 Zählern nach nur 18 Rennen weiter ausbauen. Fährt sie nur annähernd so weiter, gehört ihr die Kristall-Kugel wohl noch vor Olympia im Februar, wo sie bis zu vier Medaillen anpeilt.

Selbst die Weltcup-Allzeitbestmarke von Tina Maze (2.180) ist angesichts der aktuell 1.281 Zähler Shiffrins ebenso in Gefahr wie die 19 Saison-Podestplätze der zurückgetretenen Slowenin. "Natürlich wäre das schön. Aber ich habe das nicht so im Kopf, außerdem war das ein Ausnahmejahr von Tina", wiegelte Shiffrin ab. "Bis dorthin ist es noch ein weiter Weg."

Das wichtigste Rennen sei immer das nächste, betonte Shiffrin. "Deshalb freue ich mich sehr auf Flachau. Es ist immer ein Saison-Highlight und ich fühle mich in Europa und in Österreich ja schon sehr zu Hause."

Auch Bernadette Schild kommt mit Freude, aber auch realistischen Erwartungen nach Flachau, liebt die Salzburgerin doch ebenfalls vor allem steile und eisige Pisten. "Ich bin mir nach dem ersten Lauf in Kranjska Gora vorgekommen wie Marcel Hirscher", verwies sie darauf, dass sie nach dem vermurksten ersten Durchgang Ski und Setup geändert hatte.

"Ich habe alles ausgetauscht, die Zähne zusammengebissen und mir vorgenommen, jeden Schwung durchzuziehen", erklärte sie ihre prompte Laufbestzeit. Seufzend gestand die Schwester der ebenfalls schon zurückgetretenen Slalom-Königin Marlies Raich (Schild): "Die Trainer sagen mir eh immer, dass ich schnell fahren kann. Ich sollte das auch selbst langsam glauben."

Das, so Schild, sei wohl auch ein Grund für ihre oft wechselhaften Leistungen. "Ich habe da einen Rucksack mit, trau es mir oft zu wenig zu", gestand sie. Die Stimmung beim Heimrennen soll nun beflügeln. "Ich freue mich riesig darauf. Es ist immer etwas Besonderes, wenn ein Rennen so nahe der Heimat ist. Und die Stimmung ist hier immer super", sagte Schild.

Einen Fehdehandschuh für Shiffrin gebe es aber ebenso nicht wie den Versuch, die Amerikanerin zu kopieren. "Das kann nicht funktionieren. Und Kampfansagen liegen mir nicht." (APA; 8.1.2018)

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