Trumps kurzer Arbeitstag und andere Indiskretionen

8. Jänner 2018, 17:27
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Der US-Präsident kämpft mit den Folgen des Skandalbuchs "Fire and Fury". Sein Arbeitspensum wird laut Medien immer geringer

Es sind Zutaten, wie sie sich die Autoren von Reality-Shows nicht besser ausdenken könnten: Machtkampf, Verrat, Intrigen, Rache, Tränen. Gebannt beobachten die US-Amerikaner einen Präsidenten, der mit allen Mitteln um sein Image ringt. Und sie kosten genüsslich jedes Detail aus "Fire and Fury" aus, dem skandalträchtigen Insiderbericht aus dem Weißen Haus, in dem Donald Trump von Autor Michael Wolff als ahnungs- und ideenloser Präsident skizziert wird.

Täglich kommt neuer Stoff für die Interessierten. So berichtet am Montag die Nachrichtenseite "Axios" anhand von ihr zugespielten Tagesabläufen Trumps, dass seine Arbeitstage im Laufe des ersten Amtsjahres immer kürzer würden. Das untermauert Behauptungen in Wolffs Buch, wonach die geistige Leistungsfähigkeit des Präsidenten zu wünschen übrig ließe. Erst gegen 11 Uhr am Vormittag komme der Präsident ins Oval Office, berichtet "Axios". Davor stehe "executive time" auf seinem Terminplan. Zeit, die er mit Fernsehen, Twittern und Telefonieren verbringt.

Danach erst würde er sich mit seinem Stab oder Beratern treffen oder andere offizielle Termine abwickeln. Sowohl George W. Bush als auch Barack Obama hatten ihre Tage um einiges zeitiger begonnen und später beendet.

Trump würde selten länger als bis 16 Uhr oder 16.30 Uhr im Büro sein. Spätestens ab 18 Uhr würde er in seinen Gemächern wieder Berichte über seine Person im TV verfolgen, sofern er keine Abendtermine habe. Der aufmerksame US-Amerikaner kann spätestens hier wieder eine vielzitierte Szene aus Wolffs Buch anfügen, das am 19. Februar auch auf Deutsch erscheint. Ein Insider erzählt darin, Trump liege oft schon um 18.30 Uhr im Bett, esse Cheeseburger, schaue fern und telefoniere mit Freunden. Trump-Sprecherin Sarah Sanders betonte in einer Reaktion auf den "Axios"-Bericht, Trump beginne den Tag keineswegs erst um 11 Uhr. Auch die Stunden davor seien Arbeit. Überhaupt sei der Präsident einer der am härtesten arbeitenden Menschen, die sie kenne. Trump selbst bezeichnete sich am Wochenende auf Twitter als "sehr stabiles Genie".

Frage nach Amtsfähigkeit

Für das Team rund um Trump stellen die aktuellen Diskussionen ein kommunikationspolitisches Fiasko dar. Es kommt mit Schadensbegrenzung kaum nach. Abermals werden nun wieder besorgte Stimmen laut, die die mentale Gesundheit Trumps und seine Amtsfähigkeit infrage stellen.

Bereits in der Vergangenheit hatten einige Psychiater bereits die Frage aufgeworfen, ob der Präsident an Demenz oder an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leide. "Der gefährliche Fall des Donald Trump" heißt eine Aufsatzsammlung, in der 27 Psychiater unter bewusstem Verstoß gegen ihren beruflichen Grundsatz, keine Ferndiagnosen zu stellen, erörterten, ob Trump möglicherweise krank ist. Auch der 25. Verfassungszusatz ist in aktuellen Diskussionen wieder Thema. Der Zusatz besagt, dass der Vizepräsident und die Mehrheit des Kabinetts den Präsidenten seines Amtes entheben können, sollte der körperlich oder psychisch nicht mehr in der Lage sei, seine Arbeit zu machen.

Jamie Raskin, ein demokratischer Abgeordneter aus Maryland, will eine Kommission, die den Gesundheitszustand Trumps prüft. Etwa weitere 50 Abgeordnete unterstützen das Vorhaben.

Bandy X. Lee, eine renommierte Psychiatrieprofessorin aus Yale, soll bereits im Dezember auf Einladung von Kongressabgeordneten über Trumps geistige Gesundheit referiert haben. Sie und etwa weitere 100 Mediziner appellierten auch vergangene Woche anlässlich Trumps Prahlerei über die Größe seines Atomknopfs an den Kongress, endlich "(...) Schritte zu unternehmen".

Auch wenn Juristen und medizinische Experten darauf verweisen, dass die Hürden für eine Amtsenthebung im Rahmen dieses Verfassungszusatzes sehr hoch seien und eine Amtsenthebung Trumps schon wegen der derzeitigen Mehrheitsverhältnisse keine Chance hat: Die Geister, die man im Weißen Haus glaubte, bereits los zu sein, sind wieder da. (Manuela Honsig-Erlenburg, 8.1.2018)

  • Donald Trumps Tagesabläufe beschäftigen die US-Amerikaner. Die hier vorliegende Kalenderseite ist freilich kein Original des  US-Präsidenten.

    Donald Trumps Tagesabläufe beschäftigen die US-Amerikaner. Die hier vorliegende Kalenderseite ist freilich kein Original des US-Präsidenten.

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