Prozessorlücken: Der Computer-Super-GAU

    Kommentar7. Jänner 2018, 18:37
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    Bei den unter den Namen "Meltdown" und "Spectre" kursierenden Fehlern handelt es sich um grundlegende Defizite in der Art, wie aktuelle Prozessoren funktionieren

    Mit Superlativen sollte man nicht nur in Hinblick auf IT-Themen lieber vorsichtig umgehen. Doch was in den letzten Tagen bekannt wurde, hat die Computerwelt bis ins Mark erschüttert – und zwar zu Recht: Eine Reihe von Sicherheitslücken macht praktisch alle aktuellen Computer und Smartphones für Angreifer verwundbar.

    Was die Angelegenheit besonders brisant macht: Es handelt sich bei den unter den Namen "Meltdown" und "Spectre" kursierenden Fehlern um grundlegende Defizite in der Art, wie aktuelle Prozessoren funktionieren. Mit einem simplen Software-Update ist es daher nicht getan, eine vollständige Bereinigung kann nur mittels neuer Hardware erfolgen – und die gibt es noch nicht einmal.

    Unerfreuliche Auswirkungen

    Für die Computerwelt stellt dies eine Art Super-GAU dar: Da ein rascher Tausch eines Großteils aller weltweit genutzten Prozessoren alleine schon aus Ressourcengründen unrealistisch ist, wird nun aufgeregt an Wegen geforscht, die Ausnutzung dieser Lücken über Umwege in der Software zu unterbinden. Und dies mit zum Teil unerfreulichen Auswirkungen: Der dafür nötig gewordene Umbau von Windows und Co führt dazu, dass der eigene PC von einem Tag auf den anderen langsamer wird. Das wollen sich wiederum manche Konsumenten nicht gefallenlassen, in den USA wurden bereits erste Sammelklagen gegen Intel eingereicht, bei dessen Prozessoren die Lücken besonders stark zum Tragen kommen.

    Insofern ist die aktuelle Situation nicht zuletzt auch eine Prüfung für Intel: Das Unternehmen muss nun rasch reagieren, um weiteren Schaden am eigenen Image abzuwenden. Die derzeit öffentlich verfolgte Strategie, die Auswirkung der Lücken herunterzuspielen, erzielt jedenfalls das Gegenteil. Dass – wie mittlerweile durchgesickert ist – Intel-Chef Krzanich zeitgerecht einen Großteil seiner Firmenanteile verkauft hat, passt leider zu dieser schiefen Optik. (Andreas Proschofsky, 8.1.2018)

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