Niki Laudas Angebot für Niki flog nicht hoch

7. Jänner 2018, 17:41
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Das Angebot des Airline-Gründers für die insolvente Air-Berlin-Tochter war nicht herausragend, Lauda selbst sieht es anders. Derzeit ist das Insolvenzgericht am Zug

Wien – Diese Woche wird es rund um die Insolvenz der Fluglinie Niki noch einmal spannend. Am Montag dürfte das Landesgericht Korneuburg über einen Insolvenzantrag entscheiden, den die Flugrechteplattform Fairplane eingebracht hat. Sollte das Gericht den Antrag nicht wie im vorigen September erneut abweisen, würde ein Sekundärinsolvenzverfahren in Österreich stattfinden.

Das Primärverfahren ist ja schon in Deutschland anhängig (das Vorverfahren jedenfalls), eine Beschwerde dagegen liegt beim zuständigen Berliner Landgericht. Die Entscheidungen des Gerichts sind folgenschwer. Sollte das Primärverfahren in Österreich landen, müsste der Niki-Verkauf erneut verhandelt werden. Gemäß jetzigem Stand der Dinge soll die Airline an den britisch-spanischen Luftfahrtkonzern IAG/Vueling gehen. Er zahlt 36 Millionen Euro, nimmt 740 Arbeitnehmer.

Angst vor Rückzieher

Vor allem bei Niki geht derzeit die Angst um, dass die Käufer angesichts der Unwägbarkeiten abspringen könnten. Laut Insidern der einst von Niki Lauda gegründeten Airline vermutet man "gezielte Störmanöver", um den Deal noch zu verhindern.

Wie berichtet hat sich auch Lauda selbst um den Erwerb von Niki bemüht, über seine Lauda Motion und mit dem britischen Reiseveranstalter Thomas Cook und dessen Tochter Condor. Gerüchte, Lauda könnte hinter dem ersten Konkursantrag gegen Niki gestanden sein, weist er zurück. Ebenso Verbindungen zu Fairplane, bei dessen österreichischer Anwaltskanzlei jener Jurist tätig ist, der in Laudas Ära Personalchef von Niki war. Zu ihm habe er keinen Kontakt mehr, sagte Lauda zum STANDARD.

Preisdifferenz

Und Lauda ist nach wir vor der Meinung, das bessere Angebot gelegt zu haben, beim Preis etwa sei man mit IAG gleichauf gelegen. Aus Informationen, die dem STANDARD vorliegen, erhärtet sich das nicht. IAG zahlt 20 Millionen Euro für die Assets und schießt 16,5 Millionen Euro Liquidität in die Masse ein, macht 36,5 Millionen Euro. Die Gruppe Lauda bot 32 Millionen, davon sollten aber 12,75 Millionen in die Masse gehen. Davon wiederum sollten 8,5 Millionen von Lauda kommen, der Rest von Condor. Der eigentliche Kaufpreis wäre also bei rund 20 Millionen gelegen. Lauda sieht es anders, man habe 1,5 Millionen Euro pro Flieger und Slot geboten, es sei noch alles nach oben offen gewesen.

Ein Drittel der Flüge aus Wien

Auch bei der Darstellung, Lauda hätte Niki zu einer Österreich-Linie gemacht, scheiden sich die Geister. Laut in den Angebotsprozess Involvierten wären bei Laudas Angebot nur rund 30 Prozent der Flüge aus Wien weggegangen, der große Rest aus Deutschland. 30 Prozent aus WienAuch das stimme so nicht, meint Lauda auf Anfrage. Er hätte einen neuen Flugplan erstellt und dann entschieden, welche Slots von Wien aus zu bedienen sind. Er hätte die "Basis der Airline nach Wien geholt", ist er sicher.

Was die Mitarbeiterzahl angeht, hätte die Gruppe Lauda gemäß Angebot 600 bis 650 Leute übernommen, im Vergleich zu den 740 von IAG. Auch den Vergleich lässt Lauda nicht gelten. Bei seinem Angebot sei das von der Zahl der Flieger abhängig gewesen, und da sei eben alles noch offen gewesen.

Bei einer Betrachtung aber weiß sich Lauda mit vielen Beobachtern einig: "Es war noch nie da, dass sich zwei Länder um eine Insolvenz streiten." (Renate Graber, 7.1.2018)

  • Die Zukunft der insolventen Airline Niki steht noch in den Sternen.
    foto: reuters / heinz-peter bader

    Die Zukunft der insolventen Airline Niki steht noch in den Sternen.

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