18-jähriger Wiener wollte Kind als Attentäter einsetzen

    7. Jänner 2018, 17:36
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    Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass nur ein technisches Versagen der selbstgebauten Bombe die Tat verhinderte

    Wien – Stimmt die Anklage der Staatsanwaltschaft Wien, sind die Vorwürfe gegen einen am 20. Jänner 2017 auf einer Straße in Wien-Favoriten festgenommenen 18-Jährigen gravierender als bisher bekannt. Der Teenager soll unter anderem einen zwölfjährigen Deutschen dazu gebracht haben, mit einem selbstgebastelten Sprengsatz einen Selbstmordanschlag in Ludwigshafen zu verüben, der nur scheiterte, weil die Bombe sich nicht zünden ließ.

    Dem 18-Jährigen, der sich seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft befindet, werden von der Anklagebehörde auf 55 Seiten daher unter anderem versuchte Bestimmung zum Mord und versuchte Bestimmung zur vorsätzlichen Gefährdung durch Sprengmittel vorgeworfen. Dazu kommt die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung: Er hatte dem IS die Treue geschworen.

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    "Terroristen-Chefkoch"

    Der noch nicht rechtskräftigen Anklage zufolge soll der 18-Jährige dem Zwölfjährigen nicht nur eine Anleitung zum Herstellen einer Bombe in Form eines PDF-Files geschickt haben, wobei er sich als "Terroristen-Chefkoch" bezeichnete. Er soll dem Strafunmündigen auch vorgegeben haben, den Anschlag auf einem Weihnachtsmarkt und nicht – wie das Kind beabsichtigt hatte – in einer Kirche zu verüben.

    Weihnachtsmarkt als Ziel

    Der Zwölfjährige soll daher am 26. November 2016 mit einer selbstgebauten, in einer Umhängetasche verborgenen Bombe auf einen rund 900 Meter vom Ludwigshafener Rathaus-Center entfernt gelegenen Weihnachtsmarkt marschiert sein. Bis zuletzt soll ihn sein Wiener Gesprächspartner bestärkt haben. "Zieh 'ne fette Jacke an ... Dann geh hinter eine Hütte und zünde an und lauf vor", hieß es etwa in einer Whatsapp-Nachricht an den Buben. Weil es nicht krachte, deponierte der Zwölfjährige den Sprengsatz hinter einem Gebüsch, wo dieser am 3. Dezember 2016 von der Polizei gefunden wurde.

    Der Zwölfjährige kann aufgrund seines Alters strafrechtlich nicht zu Verantwortung gezogen werden. Der 18-Jährige bestreitet die ihm vorgeworfene Anstiftung zum Mord. Von den konkreten Plänen des Zwölfjährigen habe er nichts gewusst. Auch zu den weiteren zentralen Anklagepunkten bekennt sich der Jugendliche "nicht schuldig", wie Verteidiger Wolfgang Blaschitz betonte: "Wir werden alles bestreiten bis auf die Mitgliedschaft beim IS." Sein Mandant sei "sicher nicht der Staatsfeind Nummer eins".

    Ohne Religion aufgewachsen

    Der 18-Jährige, dessen Eltern aus Albanien stammen – sie besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft und sind eigenen Angaben zufolge Atheisten –, war ohne religiöse Berührungspunkte aufgewachsen. Ausgerechnet während eines Gefängnisaufenthalts – er wurde als 16-Jähriger wegen schweren Raubes zu 29 Monaten teilbedingter Haft verurteilt – fand er in der Justizanstalt Wiener Neustadt zum Islam.

    Er nannte sich fortan "Sabur Ibn Gharib" und besuchte nach seiner Haftentlassung regelmäßig verschiedene Moscheen, wo er sich innerhalb kurzer Zeit radikalisierte. Besonders der Prediger Mirsad O. alias "Ebu Tejma", mittlerweile nicht rechtskräftig in Graz verurteilt, hatte es dem jungen, beschäftigungslosen Wiener angetan. Schließlich soll in ihm die Absicht gereift sein, gemeinsam mit einer jungen Deutschen, die er am 1. Dezember 2016 in Neuss nach islamischem Recht geheiratet hatte, einen Selbstmordanschlag durchzuführen.

    Dazu soll er sich Baupläne für eine Bombe aus dem Internet besorgt und mit einem Bekannten in Deutschland eine "Testbombe" hergestellt haben. Da der Test erfolgreich verlief, wollten die beiden jungen Männer laut Anklage ein Attentat in Deutschland durchführen. Der 18-Jährige wurde allerdings am 9. Dezember 2016 in Aachen vorübergehend festgenommen und musste nach Österreich zurückkehren. Aufgrund von Hinweisen der deutschen Behörden, die vor dem 18-Jährigen warnten, wurde er schließlich in der österreichischen Bundeshauptstadt festgenommen.

    Genehmigt das Landesgericht die Anklage, dürfte es im Frühjahr zu einem Geschworenenprozess kommen. (APA, red, 7.1.2018)

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