"Fire and Fury": Worum es im neuen Buch über Trump geht

5. Jänner 2018, 20:31
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Verlag zog Veröffentlichung vor, weil US-Präsident mit Klagen drohte, Trump beschimpft Autor

"Danke, Herr Präsident", twitterte Michael Wolff, Autor eines Buches, das die Stadt Washington seit Tagen in Atem hält, als die Würfel gefallen waren. So heftig das Weiße Haus gegen den vermeintlichen Verriss protestierte, so ungerührt zeigte sich der Verlag, bei dem "Fire and Fury: Inside the Trump White House" erscheinen sollte. Während der Präsident Anwälte einschaltete, um den Verkaufsstart zu stoppen, zogen sie die Premiere bei Henry Holt & Co kurzerhand um ein paar Tage vor. Statt am nächsten Dienstag, wie ursprünglich geplant, kam der Titel bereits am Freitag auf den Markt.

Ein Titel, der es auf Anhieb an die Spitze der Bestsellerlisten schaffte, eben auch, weil das Weiße Haus derart schweres Geschütz aufgefahren hatte. Wolff, einem Journalisten, dessen bislang ertragreichstes Buch vom Pressemagnaten Rupert Murdoch handelt, verhilft allein schon die Kontroverse zu plötzlichem Ruhm.

Trump beschimpfte Autor Freitagabend

Der Journalist sei ein "totaler Versager", schrieb Trump am Freitagabend (Ortszeit) im Kurzbotschaftendienst Twitter. Wolff habe "Geschichten erfunden, um sein wirklich langweiliges und verlogenes Buch zu verkaufen". Auch gegen seinen Ex-Chefstrategen Steve Bannon teilte Trump erneut aus. Sein früherer Vertrauter habe sich von Wolff einspannen lassen. Der US-Präsident bezeichnete Bannon in dem Tweet als "schlampigen Steve".

Endlose Monologe

Mit Donald Trump, so schildert es der 64-Jährige aus New York, sitzt ein Präsident an der Pennsylvania Avenue, der sich von seinen Vorgängern in vielem unterscheidet, allem voran durch eine überaus kurze Aufmerksamkeitsspanne. Ein Mann, der anderen nicht lange zuhören kann, bei Vorträgen schnell glasige Augen bekommt und sich am liebsten selbst reden hört. Der endlose Monologe führt und sich dabei häufig wiederholt, während seine Mitarbeiter gut beraten sind, ihn nicht zu unterbrechen – und Kritik allenfalls durch die Blume zu üben, wenn sie denn zu Wort kommen.

War es in vorab veröffentlichten Auszügen um brisante Russlandkontakte des Trump’schen Wahlkampfteams gegangen, so zeichnet das Buch in der Hauptsache das Porträt eines Solisten, der eher seinen Instinkten vertraut als Leuten vom Fach, von deren Akten ganz zu schweigen.

Favorit Klatschkolumne

Trump las nichts, schreibt Wolff über die ersten Wochen im Oval Office, er las nicht mal quer, er las allenfalls Überschriften und Artikel, die sich mit ihm beschäftigten. Oder zumindest Überschriften über Artikeln, die sich mit ihm beschäftigten, dazu allenfalls noch die Klatschkolumne auf der sechsten Seite der "New York Post", eines Boulevardblatts. Manche sprachen von Legasthenie. Andere schlussfolgerten, dass er den Stil bewusst pflege, weil gerade das Nicht-Lesen einen wahren Populisten auszeichne.

Jedenfalls drehe sich bei Trump alles ums Fernsehen. Kaum hatte er sich in seinem neuen Domizil einquartiert, ordnete er an, neben dem einen Fernseher, den es in den Privatgemächern bereits gab, zwei weitere aufzustellen. Saß er nicht abends halb sieben mit seinem Strategen Steve Bannon beim Dinner, dann saß er vor drei Bildschirmen in seinem Bett, aß einen Cheeseburger und telefonierte mit einer kleinen Gruppe von Freunden, auf deren Urteil er Wert legte.

Mit seinen außenpolitischen Ansichten, doziert Wolff, zähle ausgerechnet der Commander-in-Chief in der Zentrale amerikanischer Macht zu jenen, die am wenigsten über die Welt wissen. Anfangs vermochte sein Umfeld nicht einmal zu sagen, ob er ein Isolationist oder ein Militarist war und das eine vom anderen unterscheiden konnte.

Geheimdienstler besorgt

Während der ersten Briefings, bei denen ihm Geheimdienstler die Weltlage erklärten, damals war er noch Kandidat, hätten bei frisch verpflichtetem Personal die Alarmglocken geläutet. "Trump schien nicht in der Lage zu sein, Informationen Dritter aufzunehmen. Oder vielleicht fehlte ihm einfach das Interesse. Wie auch immer, er schien eine ausgeprägte Abneigung dagegen zu haben, dass ihm jemand in formalem Rahmen Aufmerksamkeit abverlangte", fasst Wolff die Defizite zusammen.

Der Milliardär habe sich in erster Linie auf sein Bauchgefühl verlassen. Dies wiederum habe sein Stab durchaus respektiert, schließlich hatte er das Kunststück vollbracht, das sprichwörtliche Kamel durchs Nadelöhr zu fädeln und den politischen Olymp zu erklimmen. Dann wäre doch noch Trumps Vorliebe für Generäle, die ihn früh entschieden ließ, dass Leute mit militärischer Führungserfahrung seine Außenpolitik bestimmen sollten. "Nur hasste er es, wenn sie ihm sagten, was er tun soll."

Nichts als Verdrehungen, beruhend auf Quellen, die es in Wahrheit nicht gebe, zog der Präsident bei Twitter bereits am Donnerstag pauschal in Zweifel, was der Reporter zu erzählen hat.

Nach Wolffs Beschreibung gründet die Erzählung indes auf unzähligen Gesprächen, geführt im Laufe von 18 Monaten im innersten Zirkel um den Tycoon, sowohl vor dessen Wahlsieg als auch danach. Am ausführlichsten kommt Steve Bannon zu Wort, zu Beginn der einflussreichste Ratgeber, im August im Zuge eines erbitterten Machtkampfes entlassen. Und zumindest bislang hat Bannon keinen der Sätze dementiert, mit denen Wolff ihn zitiert.

Bevor der resolute Ex-General John Kelly den allzu jovialen Stabschef Reince Priebus ablöste, habe es im Weißen Haus drei Kraftzentren gegeben, doziert der Beobachter: den Nationalisten Bannon, die alte republikanische Schule um Priebus und "Jarvanka", wie die Eheleute Jared Kushner und Ivanka Trump bei ihm heißen.

Jarvanka, in Wolffs Skizze ist es ein Projekt, das der jungen Frau mit der Modelfigur durch stetige Präsenz im Regierungsalltag den Weg nach ganz oben ebnen soll, auf dass Ivanka Trump irgendwann zur ersten Präsidentin der USA gewählt werde. Weltoffener als Bannon, habe die Jarvanka-Fraktion beispielsweise davon abgeraten, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen.

Bannon indes habe das Image des Rebellen Trump kontrastreich nachzeichnen wollen, das Image eines Aufständischen, der eine Granate nach der anderen ins Gebäude des Establishments schleudert. Nachdem er sich durchgesetzt hatte, soll er es mit einer charakteristisch rabiaten Zeile an die Adresse der Präsidententochter kommentiert haben. "Treffer! Die Hexe ist tot." (Frank Herrmann aus Washington, 5.1.2017)

  • Der Präsident soll eine Vorliebe für Fastfood einer bekannten Restaurantkette haben, weil er befürchtet, vergiftet zu werden.
    foto: reuters/jim young

    Der Präsident soll eine Vorliebe für Fastfood einer bekannten Restaurantkette haben, weil er befürchtet, vergiftet zu werden.

  • "Fire and Fury" verkauft sich gut
    foto: reuters/shannon stapleton

    "Fire and Fury" verkauft sich gut

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