Enthüllungsbuch über Trump erscheint schon heute

4. Jänner 2018, 22:56
77 Postings

Verlag reagiert auf Einschreiten von Anwälten des US-Präsidenten – Förderer entziehen Bannon Geld

Washington – US-Präsident Donald Trump versucht, in letzter Minute das Erscheinen eines Enthüllungsbuchs über ihn zu verhindern. Es sei "voller Lügen, Fehldeutungen und Quellen, die nicht existieren", twitterte Trump am späten Donnerstagabend (Ortszeit).

Eigentlich hätte das besagte Buch erst am kommenden Dienstag erscheinen sollen. Doch der Verlag Henry Holt kündigte an, die Veröffentlichung von "Fire and Fury: Inside the Trump White House" des US-Journalisten Michael Wolff auf Freitag vorzuziehen. Verkauft werde das Buch ab 9.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MEZ). Denn es gebe eine beispiellose Nachfrage. Das Unternehmen wurde allerdings aufgefordert, eine Unterlassungserklärung abzugeben.

In dem Buch wird Trump als unfähig dargestellt. Demnach wollte er die Wahl 2016 eigentlich nicht gewinnen und stolperte unvorbereitet in das Amt. Heikel ist das Werk auch, weil darin Trumps früherer Chefstratege Steve Bannon zu Wort kommt, der in den ersten Monaten von Trumps Amtszeit zum inneren Kreis des Staatschefs gehörte. Bereits am Mittwoch hatte der Präsident seinem früheren Weggefährten vorgeworfen, gemeinsam mit seinem Job auch "seinen Verstand verloren" zu haben. Via Twitter warf er dem Autor Wolff außerdem Lügen vor.

Trumps Anwalt Charles Harder drohte Wolff und dessen Verlag mit Klagen. Dabei gehe es unter anderem um Verleumdung. Zudem stünden juristische Schritte gegen Bannon kurz bevor. Bannon hat dem Buch zufolge ein Treffen von Trumps Sohn Donald Jr. und seinem Schwiegersohn Jared Kushner mit russischen Vertretern im Wahlkampf 2016 als unpatriotisch kritisiert und von "Hochverrat" gesprochen.

Russland-Affäre im Mittelpunkt

Also rückt wieder einmal die "Russland-Affäre" in den Mittelpunkt der Kontroverse: Abermals befeuern Bannons Aussagen die Debatte darüber, ob Russland die Präsidentenwahl zugunsten Trumps beeinflusste. Die Regierung in Moskau hat dies zurückgewiesen. Auch Trump hat erklärt, es habe keine Geheimabsprachen gegeben.

Bannon sagte in einem Interview seines rechten Nachrichtenportals Breitbart News, Trump sei ein "großartiger Mann". Er werde weiter dessen Politik unterstützen. Das Präsidialamt kündigte an, aus Sicherheitsgründen ab kommender Woche keine persönlichen Geräte in den Büroräumen Trumps mehr zu gestatten. Davon sind etwa Mobiltelefone betroffen. Aus Regierungskreisen verlautete, Hintergrund seien die Äußerungen Bannons. Der Schritt sei aber schon länger erwogen worden.

Verbot scheint "absurd"

Eine Klage Trumps gegen Bannon könnte für den Präsidenten selbst heikel sein. Bannons Anwälte könnten in einem Prozess Mitarbeiter des Weißen Hauses befragen und Dokumente sammeln, die Trump schaden könnten, sagte der Washingtoner Anwalt und Sicherheitsexperte Bradley Moss. Der Jusprofessor Michael Dorf erklärte, die Aufforderung zu einer Unterlassungserklärung sei wohl vor allem ein öffentliches Signal. "Die Vorstellung, dass er die Veröffentlichung verhindern könnte, ist absurd."

Bannon spielte in der Endphase des Wahlkampfes eine wichtige Rolle und war die Brücke zwischen Trump und Erzkonservativen. Zeitweise saß er auch im Nationalen Sicherheitsrat. Im August wurde er von Trump gefeuert, nachdem interne Spannungen und Machtkämpfe zugenommen hatten.

Kein Geld mehr für Bannon

Laut einem Bericht der "Washington Post" distanzierte sich am Donnerstag die konservative Spenderin Rebekah Mercer von Bannon. Sie war dem Vernehmen nach seine wichtigste Geldgeberin. Die Zeitung zitierte Mercer mit den Worten, sie unterstütze Präsident Trump und seine Agenda. Ihre Familie habe schon seit vielen Monaten nicht mit Bannon gesprochen und ihn auch nicht finanziell unterstützt.

Die Familie Mercer gilt als sehr einflussreich. Sie gehörte zu den wichtigsten Finanzierern von Trumps Wahlkampf. (APA, Reuters, red, 4.1.2018)

foto: apa
Paul Manafort, Trumps früherer Wahlkampfmanager, gilt als zentraler Baustein in den Untersuchungen des FBI. Diese sollen die Frage klären, ob Russland den Ausgang der Präsidentschaftswahl beeinflusst und ob es gesetzeswidrige Kontakte zwischen Trumps Wahlkampfteam nach Moskau gegeben hat. Manafort ist unter anderem wegen eines Treffens mit einer russischen Anwältin im Sommer 2016 ins Visier der Ermittler geraten. Nun geht er selbst gegen die Justiz vor: Am Mittwoch verklagte er das US-Justizministerium, den FBI-Sonderermittler Mueller und den amtierenden Generalstaatsanwalt und Vizejustizminister Rod Rosenstein. Er wirft ihnen laut Klageschrift vor, ihre Kompetenzen überschritten zu haben.
  • "Fire and Fury" bietet für Trump unbequeme Einblicke in das Weiße Haus und sein Team.
    foto: apa/afp/henry holt and company/h

    "Fire and Fury" bietet für Trump unbequeme Einblicke in das Weiße Haus und sein Team.

  • Steve Bannon stelle Donald Trump vor Probleme.
    foto: apa / afp / nicholas kamm

    Steve Bannon stelle Donald Trump vor Probleme.

Share if you care.