Wenn der Bankbesuch zum Ärgernis wird

5. Jänner 2018, 09:00
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Langes Warten vor dem Schalter zermürbt, der Wechsel von Betreuern nervt. Betroffene berichten über Hürden beim Besuch ihrer Bank

Wien – Der einheitliche Zahlungsverkehr innerhalb der EU nimmt Form an. IBAN und BIC-Daten machen Überweisungen sicherer. Zuletzt wurde der Startschuss für die sekundenschnelle Transaktion – das Instant Payment – gegeben. So können in der Anfangsphase innerhalb von zehn Sekunden maximal 15.000 Euro transferiert werden, und zwar an 24 Stunden sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr.

Online tut sich also einiges. Wer glaubt, dass die Servicequalität in den Filialen ebenfalls so hoch gehalten wird, der irrt. Schnell mal zur Bank gehen und etwas erledigen war gestern. Das zeigen Erfahrungen, die Betroffene in den vergangenen Tagen dem STANDARD berichtet haben.

  • Wartezeiten Wer sich nicht an den im Foyer stehenden Automaten bedienen kann oder will, muss meist lange warten. Bei der Bank Austria etwa muss eine Nummer gezogen werden, und je nach Anliegen wird man zum Schalter gebeten. Ein betroffener Leser hat die Wartezeit im benachbarten Kaffeehaus begonnen. Als er nach einer halben Stunde in die Bank zurückkam, waren noch immer 20 Kunden vor ihm. Genervt warf er die Nummer weg – half aber nicht viel. Beim zweiten Versuch am Tag darauf betrug die Wartezeit 40 Minuten. "Das ist wie das Warten in der Arztpraxis", bringt es ein Kunde bei einem Lokalaugenschein auf den Punkt.
  • Geld wechseln Ein anderer Fall betrifft das Tauschen von Euro in Pfund. Dieser Versuch, der vor einer Reise schnell gehen sollte, artete in einen Spießrutenlauf aus. Weil es die in der Nähe befindliche Filiale der Hausbank nicht mehr gibt, ging die Kundin in eine Filiale der Raiffeisen-Bank. Getauscht werden sollten 300 Euro – also keine allzu große Summe. Ging aber spontan nicht. Das Geld könnte nur bestellt und am nächsten Tag abgeholt werden. So lange konnte die Kundin nicht warten und versuchte ihr Glück bei der Bawag. Dort wird Geld nur für Kunden in Fremdwährung getauscht. Erst bei der vierten Filiale – eine Erste Bank – gelang der Kundin der Wechsel von Euro in Pfund.
  • Banknoten tauschen Bei der Hausbank zu erscheinen zahlt sich auch aus, wenn man einen großen Geldschein in kleinere Einheiten tauschen möchte. So wollte ein Leser – ebenfalls vor einem Urlaub – 50 Euro in zehn Fünf-Euro-Banknoten tauschen. Das Erste, was der Kunde bei der Bank Austria nach der Wartezeit gefragt wurde, war, ob er ohnehin Kunde des Hauses sei – andernfalls hätte die Bank den 50-Euro-Schein nicht auf die Fünfer gewechselt.
  • Beraterwechsel Dass es zu häufigen Wechseln der für einen zuständigen Berater kommt, kennen wohl viele. Die konkret Betroffene dieses Erlebnisses musste nach der Pensionierung ihrer Betreuerin vor Weihnachten auch noch lernen, dass es mit der persönlichen Betreuung bei ihrer bisherigen Stammfiliale (Bank Austria am Schwedenpaltz) nun vorbei ist und es dort nur noch "Service fürs Tagesgeschäft" gibt. Das erhöhe nun ihre Fitness, wie die Kundin erzählt. Denn ihren Safe hat sie nun am Schwedenplatz, allfällige Betreuung erfährt sie nur noch am Stephansplatz. Eine Nachricht über die Neuerungen hat die Kundin nicht bekommen. Das tue dem Filialleiter auf Nachfrage der Kundin zwar leid, "da sei vielleicht das ein oder andere Informationsschreiben nicht angekommen", wurde ihr gesagt.
  • Bankgeheimnis Angekommen – aber anders als gedacht – sind dafür die von einer Raiffeisen-Kundin angeforderten älteren Kontoauszüge, die online nicht mehr verfügbar waren. Mit Interesse habe die Kundin festgestellt, dass die ihr zugeschickten Auszüge jene ihrer Mutter waren. Dabei teilen sich die Kundinnen nur den Nachnamen, nicht aber auch den Vornamen – was eine Verwechslung vielleicht noch erklärbar gemacht hätte.
  • Sparbuchschließfach Kunden der Bank Austria wurden zuletzt darüber informiert, dass ihr Haus die Sparbuchschließfächer aus dem Angebot nimmt. Wer Sparbücher dennoch bei der Bank verwahrt haben will, muss einen Safe anmieten. Für bestehende Schließfächer ändert sich nichts. Safes schlagen anders zu Buche als ein Schließfach. 200 Euro Kaution werden bei der Bank Austria fällig, und je nach Größe des Safes werden jährlich etwas mehr als 70 Euro verrechnet. Aufpassen muss, wer sein Sparbuch bei einem Fremdinstitut in den Safe oder ein Schließfach legt. Hier kann es im Schadenfall zu Haftungsproblemen kommen.
  • Sparbuch Ein schon älteres und beim Umzug wieder aufgetauchtes Sparbuch wird zur Belastung eines Kunden der Raiffeisen Steiermark. Weil die Buchungszeilen erschöpft sind, kann er nicht mehr lesen, wie viel auf dem Sparbuch liegt. Um das herauszufinden, muss der Kunde etwas auf das Sparbuch einzahlen, heißt es. Das geht auf das aktuelle Buch aber nicht, weil die Buchungszeilen ja erschöpft sind. Der Kunde müsste nun ins Heimatbundesland fahren, denn nur dort könne man ihm sagen, wie viel sich auf dem Sparbuch verbirgt. Möglichkeit Nummer zwei: Der Kunde eröffnet ein Konto in Wien, löst das Sparbuch auf und lässt sich das Geld auf das Konto überweisen. Bleibt zu hoffen, dass die auftauchende Summe groß genug ist, damit sich der Aufwand lohnt. (Bettina Pfluger, 5.1.2018)
  • Kunden plagen beim Bankbesuch so manche Ärgernisse: etwa dass bei einem älteren Sparbuch mit erschöpften Buchungszeilen nicht mehr gelesen werden kann, wie viel Geld sich darauf befindet.
    foto: apa / barbara gindl

    Kunden plagen beim Bankbesuch so manche Ärgernisse: etwa dass bei einem älteren Sparbuch mit erschöpften Buchungszeilen nicht mehr gelesen werden kann, wie viel Geld sich darauf befindet.

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